Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 49 (28.11.1853)
- Date
- 1853-11-28
- Page
- Seite 616 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Oberrabbiner Bodenheimer, Herrn Rabbiner vr. Schwabacher, Herrn Rabbiner vr. Meisel, Herrn Prediger Vr. Lewysohn, Herrn Rabbiner Oppenheim, Herrn Rabbiner vr. Klein, Herrn vr. Wiener, Herrn Vorsteher Reumann zu Pappenheim — so viel uns bis heute bekannt geworden, haben zu diesem günstigen Resultate beigetragen. Einigen Einfluß können wir aber wohl auch dem Blatte selbst zuschreiben, das zwar noch im ersten Stadium seiner Entwickelung ist, aber doch gezeigt, waS eS will und kann, und das Publikum gewonnen hat. Gerade darum richten wir an Alle daS Ersuchen, von dem Blatte Kennrniß zu nehmen und eS zu empfehlen. ES ist dazu bestimmt, die ganze Masse unsrer Glaubensgenossen zu durchdringen, und zu diesem Zwecke genügen nicht Hunderte, sondern nur Tausende von Eremplaren. ES ist jetzt gerade die entscheidende Zeit für daS Blatt, da im Sommer sich ein Blatt einen neuen Leserkreis wenig gewinnt, und wir jedenfalls binnen Jahresfrist die Erfüllung unserS AnstrebenS mit diesem Blatte erkennen müssen. Wir haben Otte, an welchen daS „jüdische Volksblatt" bereits 30, 60, ja 80 Abonnenten gewonnen hat, und zwar Otte mit nur mäßigen Gemeinden, während noch eine große Zahl Plätze mit nur vereinzelten Theilnehmern dasteht. Möge eS aller Otten Annehmer finden; Probenummern ist die Buchhandlung zuzustellen zu aller Zeit bereit. Und so werden wir, doppelt gerüstet, in daS neue bürgerliche Jahr hinüb ergehen, v ettrauend auf den Lenker im Himmel, der fich dsnip'' tvinp nennen ließ, auf die Güte unsrer Sache, auf die Liebe und den Eifer, die immer noch wach find in den Herzen zahlloser Israeliten Die Redaktion der „Mg. Zeitung deS Judenlhrmrs" und des „Jüdischen Volksblatt Magdeburg und Leipzig, im November 1853. Magdeburg, den 20. November. Die rurterföherdenden Merkmale unsrer Religion. Ja wohl ist es nothwendig, das charakteristische Gepräge unsrer Religion uns und Anderen immer mehr zum Bewußtsein zu bttngen. Je mehr das unmittelbare, das naive Leben in der konkreten Gestalt unsrer Religion abnimmt: desto mehr muß der Lehrinhalt derselben gefaßt durchgearbeitet werden. Hat doch jede Gegrnwatt die zwiefache Aufgabe: zu leben und zu überliefern — so müssen wir dafür sorgen, daß Etwas aus der erhabenen Masse der Religion in unS lebendig sei, und daß durch dieses EtwaS die Religion überliefett werde: mögen dann unsre Enkel auch daS Ihrige thun und was ihrem innersten Wesen zusagt von der Religion in sich zum kräftigen Leben bttngen. Aber wozu diese Entschuldigung? Bedarf denn die Durcharbeitung irgend ttneS religiösen Moments der Rechtfertigung? Wir wollen heute über die unterscheidenden Merkmale unsrer Religion sprechen, wir wollen diese zu formuliren suchen — und da ist höchstens die Rechtfettigung am Platze, daß wir sprechen, ohne hoffen zu dürfen, den großen, erhabenen Stoff nur irgendwie zu erschöpfen. Dabei liegt eS unS nicht im Sinne, den Inhalt, den unterscheidenden Inhalt unsrer Religion zu berühren; wir lassen diesen bei Seite, und beschäftigen unS nur mit den unterscheidenden Merkmalen. Und womit Ander» könnten wir hier beginnen, als mit 1) der Ursprünglichkeit unsrer Religion. Daß die Religion Israels die religiöse Idee in die Welt gebracht hat, daß diese ihr allein und ursprünglicher Wttse gehött, daß vielmehr alle Religionen, Konfessionen, Sekten u. dgl.^ welche die religiöse Idee zu ihrem Inhalt genommen, fie auS dem Judenthume entlehnten — diese Wahrheit, welche nicht bloS in der Geschichte beruht, sondern auch darin, daß die religiöse Idee in ihrer Jntegtttät in dieser Religion Israels nun auch gefunden werden muß — diese Wahrheit wollen wir niemals preisgeben. Es gilt hier nicht einen eiteln Ruhm; es geschieht nicht darum, daß, wenn Andere immer wiederholen, daß daS Judenthum ein früherer Standpunkt sei, den später entstandene Religionen überwunden hätten, die nun die höhere Entwickelung und die Erfüllung seien — wir zu antworten haben: daß eS bei allen geschichtlichen Erscheinungen, also auch bei dieser größten, immer darauf ankomme, fie bis zu ihrem Ursprünge zu verfolgen, um fie in ihrer Jntegtttät immer wieder zu haben und verstehen zu können — vielmehr handelt es fich darum, daß alle abgeleiteten Erscheinungen in der That andere Elemente in fich ausgenommen haben müssen, weil fie ja sonst mit den ursprünglichen Eines wären, folglich die Ursprünglichkeit ein hochbedeutendes Moment ist, bisweilen ein entscheidendes. 2) Die ununterbrochene Ueberlieferung. So vielen Kampf, so viele Geistesarbeit die viettehalb (seit Mosche), wir können auch sagen die vier Jahttausende (seit