Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 48 (21.11.1853)
- Date
- 1853-11-21
- Page
- Seite 612 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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812 DaS Programm, welches von der Kommission im August 1849 veröffentlicht wurden, war ziemlich schwierig, und faßte außer dem ganzen Gebetbuche noch die Pirke Abot, die hauptsächlichsten und interessantesten Theile der Bibel in sich. Die Geberin, die zuerst den Preis auf 5000 Franks (1333*/s Thlr.) gestellt hatte, modisizirte neuerdings diesen Preis, indem sie sagte, daß, wenn eine der Bewerberinnen die anderen nicht bedeutend überträfe, sie der Kommission die Freiheit ließe, den Preis zu theilen. ES meldeten sich nur 3 Damen, Fräulein Alexandre (Cöleste) aus Nancy, Fräulein Blum (Nathalie) aus Straßburg, die Tochter deS verstorbenen I. Z. Blum, und Fräulein Brunschwig (Zulie). Da die Letztere jedoch nicht das von der Geberin geforderte Alter hatte, wurde es ihr nur erlaubt, mit den anderen zu konkurriren, um ihre Kenntnisse im Hebräischen zu zeigen; aber wenn sie auch selbst den übrigen gleichgekommen wären, oder sie sogar übertroffen, so hätte sie den Preis nicht erhallen können, da die Kommission sich buchstäblich nach dem Programme richten mußte. Freitag, am 28. Oktober, hatte sich die Kommission in dem Sitzungssaale des ZentralkonsistoriumS versammelt. Es sollten zuerst nach einem schriftlichen Eramen geurtheilt werden; eine der Konkurrenten nahm aus der Urne eine der Stellen, die nicht im Programme ausgezeichnet waren; es war das 34. Kapitel des Ezechiel, welches die Bewerberinnen schriftlich, mit Hilfe des Wörterbuches übersetzten; das Resultat war sehr befriedigend, und der folgende Sonntag wurde zum mündlichen Eramen bestimmt. Verschiedene Abschnitte aus der Bibel und ein Theil der Pirke Abot wurden nacheinander, und wie sie aus der Urne kamen, übersetzt und analysirt. Die Kommission bewilligte einen Preis von 2700 Franks (720 Thlr.) dem Fräulein Alerandre (Cöleste), einen Preis von 2300 Franks (6l3'/r Thlr.) dem Fräulein Blum (Nathalie), und ein Attest, von allen Mitgliedern unterzeichnet, dem Fräulein Brunschwig (Julie.) Die Konkurrenten haben eine umfassende Kenntniß der hebräischen Sprache an den Tag gelegt. — Zu Verdün ist der Rabbiner David Cahen im 98sten Jahre verstorben; er hat sein Amt 45 Jahre verwaltet. Der Verewigte hatte bis zum letzten Augenblicke seine vollen Geisteskräfte. — Einer unsrer achtungSwürdigsten Glaubensgenossen, Herr Henry Markus, ist zum Bürgermeister (Maire) in Roch-Carbon bei Toulouse erwählt worden. Indien. AuS Singapore in Hinterindien meldet das Jew. Chron, daß auch in dieser entfemten Gegend eine jüdische Gemeinde besteht. Ein Korrespondent zeigt diesem Blatte an, daß er vor Kurzem dem Gottesdienste beigewohnt. Man hat ihn zum Sepher ausgerufen, welches ein schönes Eremplar auf silbernen Rollen laufend war. Diese Israeliten rühmen sich, in diesem Lande sich nach der babylonischen Gefangenschaft niedergelassen zu haben; sie wissen nichts von der zweiten Zerstreuung. (Und doch haben sie einen Kultus, wie er erst nach der zweiten Zerstreuung sich gebildet har? Red. der A. Z. d. Jud.) Er wurde von den Israeliten dieses OrteS wie ein Bruder behandelt, und freueten sie sich außerordentlich, einen Europäer zu finden, der sich mit ihnen hebräisch unterhalten konnte. Auszüge. Der Ghetto in Rorn. (Fortsetzung.) Mit Strenge hielt man im achtzehnten Jahrhundert darauf, daß die Juden sich in einer bestimmten Kirche und an bestimmten Tagen cinfandcn, um christlichen Erbauungs- und Bekehrungspredigten beizuwohnen. Schon Gregor XIII. (1572) harte die Verordnung erlassen, daß die Juden gehalten sein sollten, jede Woche eine Predigt anzuhören. Ein Jude selbst war eS, der diesen Gebrauch einführtc, natürlich ein Bekehrter, Andreas mit Namen, welcher mit hündischer Konvertitenseele in den Papst Gregor drang, solche Verordnungen zu erlassen. Man sah also am Sabbat Häscher der Polizei in den Ghetto kommen und die Juden mit Peitschenhieben in die Kirche treiben, Männer, Weiber und Kinder, wenn diese über zwölf Jahre alt waren. Es mußten sich mindestens hundert Männer und fünfzig Weiber, später dreihundert an der Zahl, zur Predigt einfinden. Am Eingang der Kirche stand ein Wächter und zählte und registrirte die Eintretenden; in der Kirche selbst wachten Häscher über die Aufmerksamkeit der Anwesenden, und schien ein Jude theilnahmlos oder gar schlaftrunken, so weckte ihn im