Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 48 (21.11.1853)
- Date
- 1853-11-21
- Page
- Seite 611 (sequence 9)
- Language
- German
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611 lehrung und Ermahnung recht häufig gelänge, christliche Dienstboten vom Diensteintritte bei Juden abzuhalten oder zum Austritte auS solchen Diensten zu bestimmen. Wo aber auf diesem Wege nicht abzuhelfen ist und wo insbesondere bemerkt werden sollte, daß ein jüdischer Dienstgeber den christlichen Dienstboten in der kirchlichen Sonntags- und Festtagsfeier behindert, ist es der Geistlichkeit Mbenommen, den Einfluß der politischen Behörden aufzurufen." Aus Dkächren, 9. November. (Privatmitth.) ES ist jetzt keine kleine Schwierigkeit, für Ihr geschätztes Blatt einen Bericht ans und über Oesterreich zu schreiben. Noch haben sich die Meisten nicht von dem Schrecken erholt, den das kaiserliche Patent vom 2. Oktober d. I. unter den Juden Oesterreichs verursachte. Wie ein mächtiger Donnerschlag aus heiterm wolkenlosen Himmel brachte das ganz unerwartete, kaum möglich geglaubtr Patent Angst und Furcht, Verwirrung und Zerrüttung überall hervor. Dem ersten Schrecken hat nun zwar eine männliche Resignation, die in der Religion ihre Stärke findet, Platz gemacht, wozu auch der VersöhnungStag treffliche Dienste geleistet. Der Jude Oesterreichs vertraut wohl noch immer der Gnade und Milde seines ritterlichen und allgemein verehrten Kaisers, dessen Huld und Güte er so Vieles zu danken — aber er hat noch immer den Muth, nachdem er sich seines vollen Rechtes erfreut hat, für seinen Glauben daS alte Joch geduldig und ohne Murren zu ertragen. Wer als der Jude kann die schönen Worte von sich sagen: ES ist gut, geduldig sein, und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Es ist gut dem Manne, daß er trage daS Joch in seiner Jugend. Einsam sitzt er und schweigt, weil Er eS ihm auferlegt. Zum Staube bückt er seinen Mund — und hoffet noch! Klagel 3, 26—29. Hoffnung ist daS wahre Lebensclement deS Judenthums, die Feuerwolke, die ihm stets vorangezogen. Sehr richtig sind darüber die Worte Johannes MüllerS: Alle Nationen waren gegenwärtigen Glückes vergnügt, und lange Unfälle beugten sie endlich. Bei den Juden schlingt sich durch alle Zeiten, vor und nachdem sie eine Nation waren, wenn dem Volke nichts zu wünschen und wenn ihm nichts mehr zu hoffen übrig schien, bald unter der, bald unter dieser die Erwartung einer außerordentlichen Veränderung." — So hart das Gesetz, die Einschränkung der Besitzfähigkeit, wie sie im Vormärz in den verschiedenen Kronländern bestanden, auch die Juden trifft, so sehr sich Viele in ihren schönsten Plänen und Entwürfen getäuscht sehen, so ist doch bald Ruhe und Besonnenheit in die erschütterten Gemüther eingekehrt, deren sich Vertrauen und Hoffnung wiederum bemächtigte. Was das Gesetz veranlaßt haben mag, daß ist der Jude (vorzüglich in Mähren, Böhmen, in Ungarn und Galizien walten ganz außerordentliche und ungewöhnliche Verhältnisse ob) sich bewußt, daß er die ihm verliehenen und zuerkannten Menschenrechte nie gemißbraucht oder zum Nachtheil deS Allgemeinen angewendet hat. Es wäre nicht uninteressant, wenn eine genaue Uebersicht veranstaltet werden möchte, wo die Juden sich in Oesterreich seit dem Jahre 1848 Besitzungen angekauft. Diese Zahl würde am Besten die Nichtigkeit aller Denunziationon beweisen. — In den genannten Kronländern ist nicht bekannt, daß die Bevölkerung sich auch dagegen energisch erklärt hätten. Im Gegentheil sind in vielen Ortschaften durch das Patent die Häuser im Werthe gesunken. Welche Nachtheile muß es aber für Galizien und Ungarn bringen, wo der Grund und Boden fast entwerthet ist! Daß die Gesetze über die Befitzfähigkeit der Juden im Vormärz buntscheckig waren, ist bekannt. Allein sie lassen sich, seitdem ganz andere Verhältnisse eingelreten, der Grund und Boden entlastet, die Robott aufgehoben, gar nicht aussühren. In Böhmen, nach der richtigen — aber ob befolgten? — Interpretation des Dr. Hönigsberg findet das Gesetz gar keine Anwendung, weil die früher bestandenen Unterschiede zwischen Justikal- und Dominikalgründen außer Gebrauch gekommen. Desto drückender ist es für Mähren. Doch verspricht man sich jetzt bessere Aussichten D. O. Frankreich. Paris, im November. (Nach der Arcli. isr. de Fr.) Unsere Leser wissen, daß eine französische Dame, die sich in Athen niedergelassen hatte, im Jahre 1849 einen Preis für das Hebräische für diejenige französische israelitische Dame, die am Besten darin bewandert wäre, auSsetzte. Die Kommission mußte den Preis am 30. Oktober zusprechen, was auch geschah. Die Kommission bestand auS den Großrabbinern deS Zentralkonsistoriums und deS Seine-Departements, aus den Herren S. Cahen, A. Cohn, I. De- , renbourg, S. Munk und S. Treves. 48*