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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-21 · Heft 48 (21.11.1853) · p. Seite 613

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 48 (21.11.1853)
Date
1853-11-21
Page
Seite 613 (sequence 11)
Language
German
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Gotteshause Peitschenhieb und Stoß. Ein Prediger vom Orden der Prädikatoren, also ein Dominikaner, hielt die Predigt, wobei das Allerheiligste vom Altar genommen war; er sprach jedesmal über solche Texte des alten Testaments, welche die Juden an demselbeu Tag in ihrer Synagoge hatten lesen oder erklären hören, damit auf die jüdische Erklärung nun die katholische unmittelbar folge, und der Hebräer im Stande sei, die christliche Wahrheit zu erkennen. Diese Predigten wurden Anfangs in der Kirche San Benedetto alla Regola gehalten, später aber in jener Kirche San Angelo in Pescaria, welche in die Trümmer der Oktaviahalle hineingebaut ist, und vor der einst der Volkstribun Cola de' Rienzi seine ersten begeisterten Reden an die Römer hielt. Später wurde die Judenpredigt nur fünfmal im Jahr gehalten, und der Gebrauch wollte von selbst erlöschen, als Leo XII. Geuga (1823 bis 1829) ihn wieder erneuerte. Heute ist auch diese Barbarei des christlichen Fanatismus geschwunden, und sie ward abgeschafft in dem ersten liberalen Regierungsjahre des Pio Nono, wie man mir sagte. Dem zum Christenthum bekehrten Juden lohnte natürlich die Erlösung aus dem Ghetto, das Bürgerrecht und alles andere Menschenrecht, welches deffen Folge ist Es ereignete sich nicht selten, daß Juden aus dem Ghetto getauft wurden; wie cS nun im Charakter von Konvertiten liegt, wurden sie dann bekehrungssüchtiger, als diejenigen selbst, von denen sie bekehrt waren. Heute, wo die alten Mißhandlungen der Juden aus dem Tageslicht geschwunden sind, hat man gleichwohl den althergebrachten öffentlichen Akr einer feierlichen Juden - und Türkentaufe als Form beibehalten. Dieser Akt findet in jedem Jahr am zweiten Ostertag in der Taufkapelle des Sanct Johann vom Lateran statt; und man weiß zu sagen, daß um jeden Preis dieses Schauspiel vollzogen werden müffe, selbst wenn, im Fall, daß ein bekehrter Täufling mangeln sollte, rin Jude oder Türke von auswärts geholt werden müßte. Im Jahr 1853 taufte man eine Jüdin in der Taufkapclle deS Lateran vor einer zahllosen Menschenmenge und mit höchst feierlichen Zeremonien. Die Tochter Juda'S, nicht schön wie Rebecca, sondern von einer ausgesuchten Häßlichkeit, stand in weiße Schleier gehüllt am Taufbecken, eine brennende Kerze, das Symbol der Erleuchtung, in der Hand, und nach vollzogener Salbung des Hauptes und Nackens und empfangener Waffcrweihe ward sie in Prozession nach dem Lateran zurückgeführt. Der Kardinal, welcher sie ge taust hatte, segnete sie hier vor dem Altar ein, und nach geendigter Zeremonie predigte er, auf den Täufling hindeutend, vor dem Volk, seine Freude ausdrückend, wie hier ein so erhabenes und göttliches Wunder sich vollzogen habe, da ein Mensch, eben noch von den Dämonen besessen und eine Beute der Hölle, urplötzlich in die reine Unschuld des Kindes und in daS reine Licht GotteS sich gekleidet habe. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Bei der hiesige» israelitischen Gemeinde ist eine Lehrerincl. Kantorstelle vakant. Der hierauf Reflektireude wolle baldigst seine Atteste einseuden. Iserlohn, den 9. November 1853. Der Vorstand der israelitische» Gemeinde. Es wird fofori bei hiesiger jüdischen Gemeinde ein Religionslehrer, der gleichzeittg als Schächter und Vorbeter zu fungiren hat, gesucht, bei einem Jahrgehalt von 80 Thlr. Derselbe hat sich eine Prüfung beim Landesrabbiner zu unterwerfen. Hierauf Resiektirende wollen sich in portofreien Briefen wenden an den Vorstand der israeltische» Gemeinde. Samuel Burchard. Gerfon Burchard. Neu-Bukow in Mecklenburg-Schwerin, den 10.November 1853. Am erste Mai 1854 wird die Stelle eines VorbeterS, amo und Religionslehrers bei der hiefigen Gemeinde vacant. Der Gesammtgehalt beträgt 300 Thlr. Qualificirte Personen belieben ihre Anträge mit den nöthigen Zeugnissen versehen an den Unterzeichneten Vorstand ftanco einzusenden. Rastenburg, den 9. November 1853. Der Vorstand der Syuagogeugemeiude. Mit dem 1. Mäitz 1854 wird die hiesige israelitische Lehrer- und Kantorstelle verbunden mit einem jährlichen Fixum von 200 Thlr. nebst freier Wohnung vakant. Qualifizirte Resiektanten belieben ihre Zeugnisse an den Vorstand baldigst und ftanko einzusenden. Doch old, 1. November 1853. Der Vorstand: S. C. Cohen.

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