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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-21 · Heft 48 (21.11.1853) · p. Seite 609

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 48 (21.11.1853)
Date
1853-11-21
Page
Seite 609 (sequence 7)
Language
German
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609 den, und unterdrückte so ein Unternehmen, welches — fortgesetzt — unbedingt einen großen Riß in die Gemeinde gebracht haben würde. — DieS die Thatsache, wie sie sich bis jetzt zugetragen — Was wird aber weiter geschehen? Werden die Orthodoxen ruhig bleiben? Gewiß nicht! Rührigkeit und Geschäftigkeit, Energie und Willenskraft, sind Eigenschaften, worin diese Partei fast überall ihre Gegner übertrifft.— Was werden aber die thun, welche sich Männer deS Fortschritts nennen? Wie werden sie Denen begegnen, welche kein Haar nachgeben, und s tout prix wieder das „ganz auf den Thron gesetzt wissen wollen? WaS wird der Vorstand unternehmen, um dem Prinzip, dem er huldigt, Geltung zu verschaffen? Wird er sich beeilen, dahin zu wirken, daß eine Gemeinde wie Posen endlich aufhöre, ihren kleineren und jüngeren Schwestern in Preußen so weit nachzustehen? Oder wird er vielmehr Alles liegen lassen, wie eS bisher gelegen? — Geduld, lieber Leser! Wir wollen zusehen und abwarten. — Da die neue Städteordnung vom 30. Mai c. die Juden von der Wählbarkeit zu Stadtverordneten nicht ausschließt, so ist eS geschehen, daß bei Gelegenheit neuer Stadtverordnetenwahlen 1) in Lissa 2 Juden unter 12 Stadtverordneten, 2) in Gnesen 3 Juden unter 9 Stadtverordneten und 3) in Wittkowo 3 Juden unter 6 Stadtverordneten mitgewählt worden. Posen, 5. Novbr. (Privatmitth.) Die Realschule hierorts ist zwar noch neu, aber der Judenhaß in derselben schon alt. Auch hier, wo die Juden mehr als die Hälfte zur Erhaltung der Anstalt beitragen, auch hier giebt man ihnen den lang gehegten Haß offen kund, und gerade hier werben die jüdischen Schüler am Meisten verhöhnt, verspottet und mit Schmähreden überschüttet. Die finsteren Vorurtheile, sie kommen zur Geltung und wo nur die geringste Ursache vorhanden ist, heißt eS gleich: „die Juden sind faul! die Juden sind klatschhaft! die Juden sind schlecht! k. rc." Ja, es ging bereits so weit, das ein Quartaner, in Anwesenheit der ganzen Klasse, sich gegen seinen Lehrer auflchnte, und ihm auf seine gegen die Juden ausgestoßenen Schmähreden arge Worte erwiderte. Und das war nur ein Schüler; aber im Herzen aller jüdischen Schüler ist die Liebe zu ihren Lehrern getödtet, und im Herzen der meisten Lehrer wohnt der grellste Judenhaß, der bei jeder Kleinigkeit erwacht. Doch eS geschieht euch Recht, ihr Juden! Denn am Ende liegt euch an allen Dem nichts, sondern nachdem ihr gesehen, wie man nicht euch, sondern nur euer Geld haben will — freut ihr euch doch, sagen zu können: „mein Sohn ist ein Realschüler!!" und mit Sehnsucht seht ihr dem Augenblicke entgegen, da eure Kinder das neunte Lebensjahr erreicht haben werden, um sie dem neuen Institute zuzuführen. N. R. Oesterreichischer Kaiserstaat. T8ren, 14. November. (Privatmitth.) Wir haben diese Woche etwas hier erlebt, was seit sehr langer Zeit nicht geschehen ist, was Niemand denkt. Ein Jude wurde nämlich Donnerstag am 10. d. M. wegen Raubmord gehängt. Er war zwei Tage früher ausgesetzt, wie man das hier nennt, und erhielt religiösen Trost von Seite des Herrn Predigers Mannheimer und des Religionslehrers Herrn Wolf. Zur Nichtstälte selbst geleitete ihn Herr Prediger Mannheimer. Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht genug rühmend die Amtstreue desselben erwähnen. So viel ich vernommen habe bereuete der Unglückliche sehr das Verbrechen und fühlte, welchen Schandfleck er seinen Glaubensgenossen anhefte. Er erkannte seine Schuld und stellte nur das in Abrede, daß er die Absicht hatte zu morden. Er meinte, wir Juden haben zu dem nicht das Herz; und hätte ich morden wollen (cs war das ein alter Mann, den er ermordete), so hätte ich die Kraft gehabt es zu thun, und ich hätte die Thal nicht um 3 Uhr Nachmittags an einem so besuchten Platze (nahe am Karntherrhore) geübt, sagte er. Indessen der Mann verdiente fein Geschick nach dem Gesetze. Er gestand selber beiden obbenannten Herren, daß er so Manches begangen, von dem man nichts weiß. Er ging ruhig in den Tod und der Gedanke, der ihn bewegte, war Weib und Kind. Vom sozialen Standpunkte will ich blos bemerken, der Verbrecher war schon früher auf dem Spielberge, und dann als ihn die menschliche Gesellschaft von sich wies, verlegte er sich auf Diebstahl. Es wäre daher die Frage, wie diejenigen, die in Srrafhäuser kommen, wirklich zu bessern wären, und welche Mittel ihnen an die Hand zu geben sind, nachdem sie die Freiheit er-

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