Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-21 · Heft 48 (21.11.1853) · p. Seite 607

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 48 (21.11.1853)
Date
1853-11-21
Page
Seite 607 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225871--13511-3299837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

607 ist dieS eine besondere Lehranstalt, über die wir augenblicklich kein Urtheil haben. Aber wissen wir denn nicht, waS eS heißt, den Schüler einer Schule, den vielbeschäftigten und vielbeanspruchten, noch eine andere Schule nebenbei besuchen zu lassen? Wir fragen: wie viel einheimische und wie viel fremde Schüler besuchen dieses rrs? Nein, an einer jüdischen Schule müssen die Unterrichtsgegenstände organisch verbunden sein, und eS thut uns also sehr, sehr leid, nicht berichtigt worden zu sein. Daß Herr vr. Phrlippson bei seinen Pensionären tüchtig nachhilft, find wir überzeugt. Preußen. Berlin, im Novbr. (Privatmitth.) So schnell, wie in Nro. 46 Ihres Blattes vorausgesetzt wird, kommt eS hier zur Errichtung einer ordentlichen Religionsschule nun wohl nicht. Vor Allem wird es ankommen auf den Ausfall der bevorstehenden Borstandswahlen. Man vermuthet, daß die Mitglieder der Reformgenossenschast Mann für Mann zum Abstimmen kommen werden; die Zahl der Orthodoren ist verhältnißmäßig nur gering, und die Männer der goldenen Mitte werden, wie überall, denken — eS geht ohne Dich doch, und wegbleibcn. Kommen Männer der Reform an das Ruder, so ist nicht abzusehen , welchen Weg fie in der vorliegenden Frage einschlagen, und ob sie Jemanden bei der Gemeinde zu einem Amte berufen, der zu den Grundsätzen der Orthodoxie sich bekennt. Reine Orthodoren würden von einer Religionsschule gar nichts wissen wollen; spezifische SachSianer auch nicht, da ihr Herr und Meister nicht dabei bethätigt ist — und die große, naive Mehrzahl, diese hat ja in unsrer Zeit überhaupt daS Gewicht verloren, da man weiß, wie schnell fie sich wieder beruhigt. Meine Hoffnung ist daher für daS projektirte Unternehmen gering. Und allerdings ist auch die Ausführung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die großen Entfernungen in der Stadt, die Verschiedenheit der Bildungsstufen, die Mannichfaltigkeit der religiösen Ansichten und desfallsigen Forderungen, und dazu die schon bestehenden >, Parteiungen schaffen einem Institute der beabsichtigten Art sehr viele Hindernisse. Zuletzt könnte eS doch nur für eine Fraktion bestehen. Allein dies darf nicht abschrecken. Sollte eine Anstalt nicht genügen, nun, so wird eine zweite geschaffen daneben. Offen gesagt, etwas Rivalität und Parteiung schadet in solchen Dingen gar nicht. Man sieht es doch in Frankfurt am Main. Wie lange konnte dies zu keiner ordentlichen Synagoge kommen. Kaum haben sich zwei Parteien äußerlich getrennt, nachdem sie innerlich seit langer Zeit bestanden, und sie bauen zwei große Synagogen/ haben zwei Schulen rc. Bis jetzt haben sich in Berlin nur die Reformer fruchtbar gezeigt, und so sehr diese durch ihr grelles Benehmen abstoßen und darum an Zahl nicht gewonnen haben, so haben sie doch eifrige Anhänger, die einen Ehrenpunkr in die Erhaltung ihrer Genossenschaft setzen. Sie bauen jetzt einen prächtigen Tempel. Ich fürchte, der Enthusiasmus der ,,goldnen Mitte" wird bald wieder verraucht sein, und einmal wieder Alle kompromittirt haben, die sich mit ihr abgeben. Brilon, 8. Novbr. (Privatmitth.) Bei den an Akademien und Universitäten zur Feier des Allerhöchsten Geburtstags Sr. Majestät des Königs stattsindenden PreiSvertheilungen sind auch in diesem Jahre Juden vielfach als Sieger aus dem literarisch-künstlerischen Kampfe hervorgegangen. So hat die Akademie der Künste in Berlin den erst 22 Jahre allen Bildhauer Ludwig Sußmann, der schon 1851 den Preis gewann, auch diesmal gekrönt. In Halle hat die medizinische Fakultät den srühcrn Prediger zu Münster, jetzigem Kandidaten der Medizin, Dr. Salomon Friedländer von hier, unter mehren Konkurrenten den ersten Preis für die gelungene Lösung der äußerst schwierigen Frage zuerkannr: „situs, magniludo et forma oculorum, in aliis animalibus alia. quam vim in vis um habeant, demonstretur, d. h. welchen Einfluß haben Lage, Größe und Gestalt des AugeS, die bei verschiedenen Thieren verschieden sind, auf daS Gesicht? — Wir bemerken dazu, daß der Gekrönte vor 8 Jahren in Heidelberg von der theologischen Fakultät als Sieger proklamirt wurde. — In der hiesigen im Fache der hebräischen Literatur thäligen M. Friedländischen Offizin erscheint demnächst: die Psalmen in Uebersetzung, Betrachtungen und Gebeten. Ein Buch zur häuslichen Andacht für Israeliten von vr. D- Rothschild, Rabbiner in Aachen. — Von der neuen Gemeindeorganisation nach dem Gesetze von 1847 ist eS hier still, obschon die Vorversammlungen zur Bildung der Synagogenbe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.