Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 48 (21.11.1853)
- Date
- 1853-11-21
- Page
- Seite 606 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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606 der Geschichte deS Volkes, dessen religiöse Selbständigkeit nimmer verloren gehen kann, das Geringste zu wissen. — Die Wahrheit dieser Behauptung ist in dem leitenden Artikel No. 42 auf daS Schärfste auseinandergesetzt und wird seine Wirkung gewiß nicht verfehlen. Bei dieser klaren Auseinandersetzung in dem genannten Artikel, thut eS uns leid, auf einen Jrrthum aufmerksam machen zu müssen, dessen sich die sonst so umsichtige Redaktion schuldig gemacht hat. ES heißt in demselben wörtlch: „So lockt die Dessauer Handlungsschule", die ehemalige Franzschule noch jetzt auS allen Gegenden jüdische Schüler und doch darf an ihr kein Wort Hebräisch, kein Wort vom jüdischen Rituale gelehrt werden! Im Interesse jener erwähnten, blühenden Anstalt ist es nothwendig, jenen Jrrthum näher nachzuweisen. — Schon der Ausdruck, als ob jene Handelsschule die Schüler auS fernen Gegenden heranlocke, hat etwas Verletzendes, das wohl nur der wohlbegründete Eifer für die heilige Sache der Religion eingegeben hat und wollen wir deshalb denselben übergehen und uns mehr an daS Wesen der Anstalt selbst halten. DaS Herzogliche Staatsministerium hat bei der Reorganisation der Franzschule, zur eigentlichen Handelsschule, dieser Anstalt in Bezug auf die Religion seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Die jüdische Schule hörte auf und eine Staatsanstalt sollte geschaffen, eine Handelsschule gegründet werden. Die Handelswissenschaften müssen also natürlich die Grundlage dieses neuen Institutes bilden. Die ehemalige Franzschule hatte eigentlich immer diese Richtung verfolgt, nur daß die vielen hebräischen Unterrichtsgegenstände die Ausführung dieser Tendenz verhinderten. ES war also zuerst nothwendig, diese Unterrichtsgegenstände und noch andere zu entfernen. So leicht die Entfernung auch war, so viel Schwierigkeiten zeigten sich, bei der Frage um den Religionsunterricht. Die Lösung dieser Frage wurde durch die weise Vermittelung unseres würdigen Schulraths und Gymnasialdirektors vr. Ritter, so wie durch die israelitische Kultusgemeinde auf folgende Weise herbeigesührt. ES wird in der neu gegründeten Handelsschule auch der israelitische Religionsunterricht von dem Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde ertheilt. Unterrichtsgegenstände sind: israelitische Glaubenslehre, Pfüchtenlehre und biblische Geschichte. Damit nun aber den israelitischen Schülern der Handelsschule die Gelegenheit bleibe, 'ich im Hebräischen und im jüdischen Rituale auszubilden, verpfichtet sich dieisraelitische Gemeinde, alle diese Schüler, ob Ftemb oder einheimisch, in ihr Gymnasium (vr^-mn n->n) zuzulasen, und erhält unter dieser alleinigen Bedingung das früher zur Franzschule gehörende crrnsr? rra als Eigenthum für diese geordnete Religionsschule zurück. Dieser Religionsunterricht wird mit dem größten Eifer sowohl von dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde, als auch von unserem wackeren Direktor vr. Gustav RaSmuS (in der Schule) beaufsichtigt. Wenn also jener ausgesprochene Borwurf in dem leitenden Artikel Nro. 42 der A. Z. d. I. über den Religionsunterricht manche Gemeinden trifft, so müssen wir ihn entschieden in Bezug auf unsere Handelsschule, ehemalige Franzschule, zurückweisen, vr. Gustav Philippson, Lehrer der Herzog!. Handelsschule (Franzschule) und Prediger deS deutsch-israelitischen Gottesdienstes zu Leipzig. Nachbemerkung der Redaktion. Wir nahmen die obige Erwiederung gern auf; es thut unS aber sehr leid, daß wir diese Erwiederung auS persönlich sehr lieber Hand durchaus nicht als Berichtigung ansehen können. Thatsache ist, daß die jetzige Handelsschule in Dessau auS der frühem Franzschule hervorging, d. h. auS einer rein jüdischen Schule, die sicherlich zu aller Zeit Bedeutendes geleistet hat. Wenn in derselben auch nicht alle Schüler viel Hebräisch lernten, so lernten doch alle Etwas, und gingen nicht leer aus. Thatsache ist ferner, daß die jetzige Handelsschule zu Dessau ihre fremden Schüler zu gröHter Zahl auS der jüdischen Jugend zieht, weil sie eben noch als dessauer Franzschule den Ruf bei den Juden hat. Thatsache ist ferner, daß an ihr zwei Stunden wöchentlich israelitische Religionslehre gegeben werden, aber grundsätzlich weder Hebräisch, noch Liturgie, noch sonst etwas JudenthümlicheS gelehrt werden. Alles Dies haben wir aus der autenthischesten Quelle; alles Dies wird auch nicht bestritten, also auch nicht berichtigt. Vielmehr wird uns nur gesagt, daß eS den fremden Schülern frei steht, daS «matt rvo zu besuchen , worin jene Gegenstände gelehrt werden. ES