Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 48 (21.11.1853)
- Date
- 1853-11-21
- Page
- Seite 605 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225871--13509-3299835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
605 bemühen sich jene Erzieherinnen, ihren Gebeten und Zeremonicen bei den Kindern auf solche Weise den Vorzug abzugewinnen, daß selbst fromme Eltern durch sorgfältige Rücksicht es nicht wieder verlöschen können. Es ist dies Alles durch vielfältigste Erfahrung bewiesen. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß die Aufmerksamkeit jüdischer Erzieherinnen aus Deutschland auf hiesigen Platz gewendet würde; wenn erst einige Häuser mit dem Placement solcher Damen vorangegangen sein werden, wird es sicherlich Nachahmung finden, und jenen Ucbelständen abgeholfen." — Mit den letzten Worten hat der geschätzte Schreiber dieser Worte die Hauptsache berührt. Erst müssen die jüdischen Häuser in Warschau Nachfrage nach solchen Damen halten und ihnen Bedingungen stellen, welche annehmbar find, um Liese zu bewegen nach Warschau zu gehen. Glücklicher Weise wissen wir, daß gerade jetzt eine ziemliche Anzahl junger Jüdinnen sich dem Erziehfachc widmen; sowohl in Berlin als in den Provinzen, junge Damen, die in allen Stücken sich mit den Besten jedes Glaubens messen können. Es wird daher in Balve sehr erwünscht sein, wenn sich für einige Dieser gute Aussichten in Warschau und an anderen Plätzen erössnetcn. An und für sich aber ist die Angelegenheit, die hier berührt ist, eine sehr wichtige. An Orten, an welchen cs für junge Mädchen, namentlich jüdischen Glaubens — denn unter allen aristokratischen Dingen sind die Mädchenschulen die aristokratischesten, oft bis zum Erzeß und Ekel — an Anstalten zu angemessener Erziehung fehlt, sind Bonnen und Gouvernanten eine höchst wichtige Klasse, deren Einfluß von großer Bedeutung ist. Nun weiß man, wie jüdische Herrschaften geneigt sind, sich von christlichen Hausgenossen beeinflussen zu lassen, — doch der Korrespondent hat darüber schon vollständig sich ausgesprochen. Dabei sind es aber gerade die begütertsten Familien, in denen die Kinder so schon genug antireligiösen Einwirkungen ausgesetzt find. So wie die Sache liegt, ist vorauszusetzen, daß in unsrer Zeit die Lehrer überhaupt, noch mehr die Lehrerinnen eine pietistische Richtung nehmen werden. Dabei ist das weibliche Geschlecht besonders geneigt, Proselyten zu machen — gerade, je weniger es sich Rechenschaft zu geben vermag, warum. Es ist daher von der größten Wichtigkeit — nicht bloß in Warschau, sondern aller Orten — dahin zu wirken, daß überall jüdische Erzieherinnen angenommen werden, und deshalb auch, daß sich recht viele junge Damen der Pädagogik widmen . . . Man sage ja nicht, daß wir partikularistischen Zwecken huldigen — aber sollte eine Religion, auf die alle möglichen feindlichen Angriffe geschehen, sich gar nicht vcrtheidigen sollen? Nein, die Welt hat die humanistischen Gesinnungen und Ansichten von sich gewiesen und verjagt — so müssen auch wir uns zu salviren suchen! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt, 28. October. Die hiesige israelitische Gemeindeverwaltung hat gestern in gemeinschaftlicher Sitzung des Vorstandes und Ausschusses den entscheidenden Beschluß gefaßt, mit dem Hauptsynagogenneubaue nunmehr ernstlich voranzugehen, und zu diesem Behufe die in der Gemeinde mit vieler Bereitwilligkeit gezeichneten Gelder, unter denen bekanntlich 20,000 Gulden von Seiten des Herrn B. H. Goldschmidt und 20,000 Gulden von Seiten des Herrn von Rothschild als Geschenke obenan stehen, einzukassiren. Durch diesen bevorstehenden Bau wird unsere Stadt um ein schönes öffentliches Gebäude bereichert und findet ein dringendes religiöses Bedürfniß bei einer namhaften und achtbaren Anzahl unserer Mitbürger endlich seine Befriedigung, weshalb man ein Recht hat, sich jenes Beschlusses doppelt zu freuen. Harnburg, im Novbr. (Berichtigung.) Im Art. in No. 45 muß es heißen, daß die hiesige portugiesische Gemeinde aus 20 Familien, nicht aber 20 Seelen bestehe. Dessau, 13. Novbr. (Erwiederung.) Eine der wichtigsten Fragen auf dem Felde des JudenthumS ist gewiß der Religionsunterricht, die Religionsschule und die Redaktion der A. Ztg. d. I. machet diese Frage mit Recht zum Gegenstände ihrer besondern Aufmerksamkeit beim Beginn deS Jahres. Man möchte fast die Behauptung aufstellen, daß eS die Pflicht eines jeden israelitischen Geistlichen sei, in allen ihren Predigten dieses Thema vorherrschen zu lassen. WaS nützen alle die talmudischen Erläuterungen, alle die herrlichen Predigten unserer großen Homiletiker, wenn die Jugend verwahrloset wird, wenn die Kindlein heranwachsen, ohne den Glauben zu kennen, ohne vor