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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-14 · Heft 47 (14.11.1853) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 47 (14.11.1853)
Date
1853-11-14
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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599 und Aussehen der Zöglinge Aagemeffenheit und Sicherheit — nicht jene militärische Disziplin, die die Jugend so schlecht kleidet, und gewöhnlich desto mehr ausartet, sobald das Auge, und noch mehr die Hand des Lehrers sich abwendet — sondern ein sittlich freies Gebühren beobachtet. Wir können nicht anders nlS das. steigende Gedeihen dieser Anstalt von Herzerr wünschen, und sie, namentlich den Aronländern, zu häufiger Benutzung dringend empfehlen. Ein Weiteres kann Jedermann auS den gedruckten Berichten und Statuten ersehen, die von den Dirigenten gern verabreicht werden. Wir wenden unS nur noch zu einigen wohlt hä Ligen Anstalten der israelitischen Gemeinde Wiens. Da lieget vor unS der „Jahresbericht deS Frauenvereins" von diesem Jahre. Der Zweck deS Vereins ist: zuvörderst und vorzüglich fixe jährliche Nnterstützungs beittäge an würdige herabgekommene Familie» und verschämte Hausarme, ferner momentane Abhilfe der dringendsten Noth bei kranken und Wöchnerinnen, durch Vertheilung von Holz und Medikamenten und durch sonstige, »ach Kräften möglichste Linderung vielfachen Elendes. Der Verein besitzt bereits 7000 Fl. Fond, hatte 1852 eine JahreSeinnahme von 5000 Fl. und verausgabte 4500 Fl., worunter wir 109 Fl. „Unterstütznng studirender Hebammen" hervorheben. — Ferner der „Ausweis deS israelitischen Armenvereins." Derselbe zeigt in seiner Bilanz die Summe von 16000 Fl., von denen jedoch 3500 Fl. für den Fond abgezogen werden müssen. Wir finden unter den Ausgaben: an Pensionen und Unterstützungen 4000 Fl. (mit Vergnügen sahen wir auch 180 Fl. Beiträge zu Rigorosen-Taren für Studirende), 1000 Fl. auf Osterbrod, 2400 Fl. für fremde Arme. — Neben dieser ist noch besonders rühmlich der „Verein zur Beförderung der Handwerke" hervorzuheben, über welchen wir jedoch erst im April dieses Jahres in diesem Blatte ausführlich berichtet haben. Der Verein läßt durch Herrn vr. G. Wolf sonntägliche Andachtsstunden für die Gesellen und Lehrlinge halten, die eiftig besucht werden, so wie alljährig eine Osterabendfeier.*) ES find bereits 101 Zöglinge deS Vereins zu Gesellen gesprochen, und 99 gegenwärtig in der Lehre. *) In diesen Andachtsstunden hält Herr Wolf Vorträge an die Jünglinge, welche eben so einfach wie eindringlich sind, nach den beiden Proben zu urtheilen, die unS vorliegen; eine Geistesfrische weht in ihnen, welche der Jugend sehr wohl thun muß — nicht gekünstelt, aber ergreifend und anregend. ES bleibt unS daher nur noch ein Gang nach dem „Jsraeliten-Spitale" über. Daffelbe verausgabte im verflossenen Jahre etwas über 10,000 Fl., wofür 468 Kranke behandelt wurden, von welchen 331 geheilt, 59 in gebessertem Zustande und 16 ungeheilt entlassen wurden; 36 starben und 26 verblieben. Es kostete — bei 14423 Verpflegungstagen — jeder Kranke pro Tag 45 Kreuzer (nach unserm Gelde 14 Ngr.). Außerdem erhielten 860 amkulirende Kranke ärztlichen Rath und Medikamente unentgeldlich in der Anstalt. Man ersieht hieraus schon, daß dieses Spital für Wien lange nicht ausreicht. Dafür fteilich hat es alle Vorzüge, die einer kleinen Anstalt auS der besonder« Fürsorge, die ihr bis in'S Detail gewidmet wird— und Herr vr. Wölfl er läßt sich diese sehr angelegen sein — ersprießen. Die größte Reinlichkeit, der gute Zustand aller Utensilien, die angemessenste Beschaffenheit der Speisen, Erfrischungen, Medikamente, die geordnete Aufsicht der Aerzte und Wärter, der Wegfall aller Ueberfüllung machen die Anstalt — insonders wenn man Gelegenheit hat die großen allgemeinen Krankenhäuser damit zu vergleichen — zu einer höchst annehmbaren Zuflucht für Leidende, die es da verspüren müssen, daß eS doch manchmal auch sein Gutes hat, Jude zu sein. Auch eine Synagoge ist im Spital', die auch von der Benachbarten benutzt wird, freilich aber etwas lieblicher sein könnte — und ein netter Garten für die Rekonvaleszenten. Dabei die Lage in der entfernten Vorstadt, und damit eine wohlthättge Ruhe, wenn nur das Eine nicht wäre, daß das HauS dem Austritt der Donau wie die ganze Roffau ausgesetzt ist. Neben dem Spital ist das Haus, welches zu einer AlterversorgungSanstalt legitt ist, aber — noch keine Bewohner hat. AuS diesem, fteilich.' unvollständigen Berichte wird der Leser ersehen, daß Wien, diese von Tag zu Tag wachsende Gemeinde, eine solche ist, in der schon manches Gute geschassen ist, und in der noch vieles Gute geschaffen werden wird, weil eS eben noch zu schassen ist; eine solche, in der weder alte Schulden zu bezahlen, noch alte, durch die Zeit unnütz gewordene Institute zu verdauen, 'oder vielmehr auszulösen find, in der aber auch eine Menge nützlicher Anstalten noch zu begründen, oder begründete zu befestigen sind, well Alles noch gar zu flottant ist. Es hat dies sein NachthelligeS, denn im Ganzen hat unsre Zeit keine große Befähigung zum Schaffen; man ist zu wenig begeisterungSfahig, und will jedes Ding gleich fertig sehen, mindestens gleich Früchte genießen, und sei es nur — die Ehre — aber eS hat auch

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