Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 47 (14.11.1853)
- Date
- 1853-11-14
- Page
- Seite 598 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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598 Petersburg eine englische Buchhandlung, die in dem kurzen Zeiträume von zwei Zähren eines der blühendsten und ergiebigsten Geschäfte wurde. Auch ihn trieb der bekannte UkaS von 1830 aus dem russischen Reiche; doch wurde ihm sowohl, als dem literarischen Publikum Deutschlands, dieses Unglück ein Dortheil, indem er, während er einerseits der englischen Literatur in Deutschland einen Markt schuf, wie sie ihn bis dahin nicht im Auslände gehabt, andrerseits das Seinige dazu beitrug, theils durch seine Stellung zum brittischen Museum, theils durch seine geschäftliche Verbindung mit der großen deutschen und klassischen Buchhandlung von D. Nutt in London, dem bisher stets im Steigen begriffenen Bedürfnisse deutscher Literatur in England zu genügen. Bei seiner Vorliebe für England und der geschäftlichen Verbindung mit dem britischen Museum und D. Nutt erscheint es natürlich, daß er seit 1829 jedes 3ahr von drei Wochen bis drei Monate in London verlebte. Diese wenigen Bemerkungen werden hinreichen zu beweisen, daß wir dem Manne, der sich um den geistigen Verkehr und Austausch der beiden so innig verwandten, künstlich entftemdeteu und jetzt sich wieder nähernden Hauptvölker Europas so unleugbar bedeutende Verdienste erwarb, als Denkmal eine ihm gebührende Anerkennung sichern helfen möchten. Wenn große geistige Schöpfungen des Genius und der Wissenschaft zu den ersten Verdiensten und Ehren der Völker gehören, so darf man das Verdienst derer, welche den Austausch dieser Schöpfungen zu ihrer Lebensaufgabe machen, gewiß auch nicht gering anschlagen. Ideale und wissenschaftliche Schöpfungen gehören der ganzen Welt. Jeder, der dieselben in ihrer kosmischen Richtung unterstützt, erwirbt sich ein Verdienst, das man weit über die geschäftliche Sphäre ansdehnen muß, um es in seiner Wahrheit sehen und würdigen zu können. — Das londoner Athenäum vom 8. Oktober enthält einen ziemlich vollständigen Nekrolog mir der Ueberschrift „Ar. Adolphus Asher.“ Charakteristisch ist besonders folgender PassuS: „Man brauchte dem Verstorbenen nur ein Verzeichniß der Bücher zu geben, die man sich aus irgend einem Winkel Europa's wünschte — von Griechenland bis nach Finnland, von Island bis nach Portugal — und man konnte sicher sein, daß er alle ihm zu Gebote stehende, mannigfaltige Mittel in Bewegung setzte, um diese Bücher in die Räume des British Museum zu schaffen. Dieses Institut darf sich jetzt rühmen, trotz seiner immer noch großen Lücken, in jeder europäischen Sprache eine bessere Büchersammlung zu besitzen, als irgendwo, außerhalb des Landes, wo diese Sprache zu Hause ist, gefunden werden kann, und diesen Ruhm hat eS hauptsächlich den Bemühungen de- Herrn Asher zu verdanken." qq. Korrespondenz. ^Reiseberichte. (SchlvD.) Magdeburg, 1. November. Es ist höchst bemerkenSwerth, daß, während in den norddeutschen Großstädten sich kaum für die Armen die jüdischen Schulen aus Gemeindemitteln erhalten, während z. B. in Berlin jüdische Erziehungsanstalten für die begüterte Zugend gar nicht vorhanden sind — in Wien mehrere, sehr ansehnliche in bedeutendem Aufschwung begriffen sind. Hat nicht Berlin eben so gut Provinzen, wie Wien? Es deutet dies in der Tiefe doch auf einen verschiedenen Geist, der nicht zu übersehen ist. Die Gebrüder Szanto haben eine Lehr- und Erziehungsanstalt für israelitische Knaben, dann eine für Mädchen gegründet, die erstere besteht seit 5 Zähren, die letztere seit 3 Zähren, die erstere zählt jetzt circa 90 Schüler, wovon 50 zugleich Pensionäre, die letztere 50 Schülerinnen, von denen wohl 30 daS Pensionat besuchen. Da diese Zahlen in den vollbrachten Jahren stetig wuchsen, so ist anzunehmen, daß sie ihre Höhe noch nicht erreicht haben. Und dieS ist eS, waS wir ihnen von Herzen wünschen. Die Herren Szanto bringen die möglichsten Opfer, verfolgen ihren Weg im liberalsten Sinne, und werden — wir müßten uns sehr irren — gerade dadurch auch zu eigenem Vortheil gelangen. Die Schul- und Penfionsräumlichkeiten find sehr geräumig, voll Lichts, luftig, fürsorglich geordnet; für jede beider Anstalten ist ein ganzes Haus besonders eingerichtet; es ist eine große Anzahl der besten Lehrkräfte angestellt; öffentliche Prüfungen und gastliche Ausnahme jedes Besuchenden zeigen, daß die Anstalten daS Licht nicht scheuen; der Unterricht zielt nach jenem schönen Maße zwischen Zuviel und Zuwenig; die Erziehung ist eine israelitisch-religiöse, aber keine jüdisch-ftömmelnde; die Ordnung streng, aber die Behandlung väterlich; die Aufsicht unermüdlich, ohne fesselnd zu werden. Wir haben, zu diesem Zwecke unvorhergesehen, angestellten Prüfungen beigewohnt und die Häuser ganz durchwandert, aber wir haben überall in den Kenntnissen ein zufriedenstellendes Resultat in dem Wesen