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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-14 · Heft 47 (14.11.1853) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 47 (14.11.1853)
Date
1853-11-14
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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600 fein Gutes, denn erstens ist es fröhlicher zu bauen als zu konserviren, und zweitens braucht man nicht einzureißen — und es ist fabelhaft, wie sehr sich die Welt täuscht, wenn sie glaubt, daß „Einreißen" ffr leicht sei! Zch habe aus Erfahrung, daß eS viel leichter ist, zu bauen als einzureißen. Was die Zeit gekittet hat, da wird der Mörtel wie Stein! Nun wohlan! möge ein gutes Geschick über diese Gemeinde walten, ihr die tüchtigsten Rüstzeuge gewähren, und diesen Rüstzeugen Mittel und Wege! ES thut mir wahrlich leid, lieber Leser, daß eS sich an diesem Orte gar nicht schickt, die Herrlichkeiten Wien's zu beschreiben. Soll ich Dich einladen, die Theater Wien'S mit mir zu besuchen? — und ich gestehe offen, daß ich die Darstellung der Personen dort besser gefunden habe, alS irgendwo, während der Glanz in Gebäude, Szenerie, Kostüm u. dgl. weit unter Erwartung blieb. — Oder soll ich Dich einladen mit mir eine Fahrt nach Larenburg, Baden, durch daS Helenenthal und die Brühl zu machen? — nun, ich wünsche Dir da nur einen Gastfteund, wie ich ihn an dem ehrwürdigen Schlesinger gesunden, so daß eS nur ftaglich bleibt, ob Kunst, Natur oder Mensch am meisten interesfirte? sicher jedoch nicht ftaglich, daß ein so seltener Verein von Genüssen freilich so übermüthig machen kann, daß ein ernster Mann sich in die Studienjahre zurückversetzt glaubte. — Oder willst Du mich nach den Kunstsammlungen begleiten? Zch wette, es geht Dir wie mir, daß Du über die beiden Raphael's in Belvedere — die Madonna im Grünen und die heil. Ruhe — die ganze Bildergallerie mit ihren außerordentlichen Schätzen und die Ambrassammlung dazu vergißest. — Oder willst Du — halt! Achtung! — die k. Bibliothek durchmustern — ach! es ist ein eigenes Gefühl, daS Gebetbuch Karls des Großen, oder ein Manuskript Montezuma's, oder Torquato Taffo's Autvgraphie vor sich zu haben, um nur Einiges zu erwähnen. — Oder ziehst Du eS vor, unter kundiger Leitung das Josephinum zu durchschreiten, und die ausgezeichnetsten anatomischen Präparate in Wachsabdrücken (halb angezogen, helb abgestoßen) zu bewundern — oder ziehst Du einfür allemal das Leben vor, und willst lieber die k. Menagerie in Schönbrunn und eine Victoria regia zum Uebersiuß betrachten? -Nun, guter Leser, da mir alles Dies und noch vieles Andere, und zwar in bester, liebster Gesellschaft wurde, so gönne ich eS Dir von Herren, und sei Du ja nicht neidisch auf mich, daß ich es genossen, so wie ich nicht neidisch sein will, daß Du eS genießen sollst.... Aber — die Stunde des Abschiedes ist gekommen, und so wenig neün Tage eine Ewigkeit, ja nur ein genügender Aufenchalt für Wien find, so wenig darf mein Bericht zu lang werden. Zch werde mich hüten, hier alle die guten und ausgezeichneten Menschen zu nennen, die mir so freundlich entgegenkamen — ich könnte in die Sünde verfallen, Einen zu vergessen-daher nur noch ein Wort über die jüdischen Literaten, die ich kennen lernte. Am nächsten kam ich hier dem Herrn M. E. S t e r n, dessen unermüdliche und aufopfernde Anstrengung für die neuhebräische Literatur sicher hochzuschätzen ist. Aus dem Jahre 1853 allein liegen mir vor: das 18. Heft seiner pNL'' ^2212, seine Ausgabe und Uebersetzung der Cho« Lot ha-Fbabot (m22brt m2in), die zweite Auflage seiner Ausgabe und Uebersetzung von Bechinot Olam (m^na öbi*), seine Ausgabe und Uebersetzung von n»bA rirr2N. Zch werde daS liebevolle Entgegenkommen des verdienten Mannes nicht vergessen. Dann Herr Dr. M. Letreris, mit dem ein leidiges Geschick mich nur in den flüchtigtigsten Augenblicken zusammentreffen ließ, indem wir unS jedes Mal versäumten. DaS mir verehrte Exemplar seiner Ausgabe des «22N pvs des ssn-iri 1N2N *|öt '*i ■JV’S'H« vsä ist mir ein traurig-ansprechendes Erinnerungszeichen. Ein tüchtiger Arbeiter ist auch Herr S. G. Stern, der in der Druckerei von Adalbert della Torre, dem Nachfolger von Anton und Franz Edlen von Schmid, thätig ist. — Als einen ganz besondern Gewinn erachte ich es, einige Tage mit dem geistvollen Kollegen, Herrn Oberrabbiner Löw, zusammen gewesen zu sein, so wie die Bekanntschaft des verdienstvollen Herrn Joseph Wertheim wieder erneut zu haben. Doch genug. Ist eS auch verführerisch, von so vielen trefflichen Personen und Dingen dem fteundlichen Leser zu «zählen, so muß doch einmal geendet werden. Darum, lebe wohl, du reiches Wien, möge der Gedanke an dich immer so erfteulich und belebend bleiben, wie jetzt die Erinnerung an die dort verlebten Tage erfrischt und erheitert. Die Rückreise ging sehr hurtig vor sich und endete — mit Regen. Er konnte nun immerhin kommen.

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