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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-14 · Heft 47 (14.11.1853) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 47 (14.11.1853)
Date
1853-11-14
Page
Seite 597 (sequence 9)
Language
German
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597 als „Orientalin" präsentirten. Gleichwohl läßt sich nicht leugnen, daß daS Buch des Herrn vr. Zolowicz wegen seiner geschickten Gruppirung der Hemden Nationalitäten, wozu eine nicht minder gewandte Nebeneinanderstellung der verschiedensten deutsche« Namen kommt, mit größerem Recht ein „Buch" genannt werden muß, als so mancheberühmte OpuS unsrer gelehrteste» Autoren. Hat man auch von diesem Buche keine irgend genügende Belehnmg über die Geschichte und die gegenwärtigen Zustände der vielgestaltigen orientalischen Poesie zu erwarten, so wird man doch mit Vergnügen darin blättern und auch hin und wieder, zur Auffrischung einer Erinnerung, gern einmal darin nachschlageu." — Dasselbe Blatt widmet an der Spitze seiner diesmaligen „Englischen Literaturbriefe" dem unlängst verstorbenen Buchhändler Asher einen Nachruf, in welchem die Verdienste desselben «m den Bücherverkehr zwischen England und Deutschland und die Bibliographie wie seine seltene Befähigung in rühmender Anerkennung gewürdigt worden. .Wir theilea jenen Artikel im Interesse der Leser dieser Zeitung im Auszuge mit. Der plötzliche in Venedig erfolgte Tod deS kenntnißreichen englische» Buchhändlers in Deutschland, Herrn Adolph Asher in Berlin, heißt eS dort, verpflichtet nuS, auf sein Leben und seine Verdienste um die englische Literatur in Deutschland zurückzublicken. Wenn man auch nicht sagen kann, er habe die englische Literatur in Deutschland introduzirt, so ist sein Verdienst doch nicht viel geringer; er hat sie dort zum Bedürfniß der höher» Stände gemacht und den Geschmack dafür unter ihnen verbreitet, da er eS verstand, durch gute Wahl die Aufmerksamkeit in Deutschland auf die neuen, artistischen und literarischen Erscheinungen Englands hinzulenken und durch immerwährend neue Zufuhr aus dem Gebiete der geistigen Produktion dieselbe rege zu erhalten. Dies war ihm nicht sowohl und huuptsachlich geschäftliche Angelegenheit, sondern als Anglomane fand er eine persönliche Genugthuung darin. Anglomanie mag nicht daS rechte Wort sein, da er mit einer allgemeinen, umfangreichen, wissenschaftlichen bibliographischen Kenntniß, worin Wenige ihm gleichzustellen, ein ganz besonderes Studium der englischen Literatur und Bibliographie verband. Seine Kenntnisse in dieser Sphäre grenzten in Umfang und Genauigkeit zum Theil an'S Fabelhafte. Bücher, die Gelehrte oft kaum dem Namen nach kannten, obgleich in ihre Sphäre gehörig, kannte er nach Inhalt, Format, Druckort u. f. w. so genau, daß er die Seite angeben konnte, wo ein bestimmter Gegenstand zu finden war. Die auf die speziellste Kenntniß deS englischen Bücherschatzes sich gründende Vorliebe für englische Literatur, dieses wirklich bibliographische Wiffen,kann man nicht mit jener pasfionirten Liebhaberei vergleichen, wie man sie unter Anglomanie verstehen würde. Asher gehörte zu den wenigen Bücherkennern, die eine Wissenschaft auS der Bibliographie machen. Besonders ausgezeichnet war er in der Kenntniß und Topographie literarischer und antiquarischer Seltenheiten und Manuskripte. Er wußte den Ort und die Bibliothek und den Platz in der Bibliothek, wo ein Buch oder eine alte Handschrift, die nur Einmal in der Welt eristirt, zu finden war und kannte deren Geschichte. Mit dieser Vorliebe für die Seltenheiten hing wohl auch seine schriftstellerische Thätigkeit zusammen, die begreiflicher Weise nur auf verhältnißmäßig wenige Bände beschränkt blieb. Er machte eines der seltsamsten Bücher der Welt zugänglich, nämich daS vielleicht erste Touristenwerk, die Reife deS Benjamin von Tudela. Benjamin war ein spanischer Jude, der in den Jahren 1159 bis 1173 von Saragossa über Italien und Griechenland nach Palästina reiste uud über Aegypten und Sizilien zurückkehrte. Er machte Handelsgeschäfte um reisen zu können, und reiste, um die Verhältnisse der zerstreuten Juden kennen zu lernen. Alle seine Erfahrungen und Forschungen trug er in kurzen statistischen Notizen und Bemerkungen in dem neuern Hebräisch (ohne Angabe der Vokalen) in ein Tagebuch zusammen, das, dann gedruckt, Jahrhunderte lang als ein Kuriosum voller Unwahrheiten und Uebertreibungen galt, im Ganzen aber unbekannt blieb. Asher gab sich nicht nur die Mühe, den Text zu vokalifiren und kritisch zu fichten, sondern auch inS Englische zu übertragen. (London, zwei Bände. 1841. Der zweite kritische Theil enthält Beiträge von Zunz, Rappoport, C. Ritter und Lebrecht). Schon vorher hatte er durch seine bibliographische Abhandlung über die von HulfiuS gesammelten Reisewerke („A Bibliographical Essay on the Collection of Voyages and Tourists edited and published by L. Hulsius and his successors from. 1598 to 1660.“ 4. Berlin 1839) den betreffenden Fachgelehrten seine reichen Kenntnisse und fein kritisches Talent bewiesen. Das Buch, damals -los in 120 Eremplaren gedruckt, ist längst vergriffen und nur noch unter den größten Seltenheiten bei einigen Antiquaren und in großen Bibliotheken zu finden. Sein letztes Werk giebt kritische und antiquarische Kunde von alten deutschen Historikern. Es führt den Titel: „A Bibliographical Essay on the Scriptores Kerum Germanicarum (4. 1845.). — Im Jahre 1837 etablirte er in 47*

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