Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 47 (14.11.1853)
- Date
- 1853-11-14
- Page
- Seite 593 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 5. Nov. Die Fr. P. Z. enthält folgenden Artikel: „Bekanntlich ist im September d. I. die hiesige Bürgerschaft zur öffentlichen Abstimmung über einen von dem gesetzgebenden Körper vorgelegten und von diesem mit Majorität angenommenen Gesetzentwurf behufs Erweiterung der staatsbürgerlichen Rechte der Israeliten und Landbewohner aufgerufen worden. Nur etwa der achte oder neunte Theil der berechtigten Bürger stimmte ab, und zwar die überwiegende Mehrheit dieser Minorität zu Gunsten des Gesetzes. Namentlich Hane sich die konservative Partei der Abstimmung enthalten, von der Ansicht ausgehend, daß die Abstimmung einer eventuellen Minorität der stimmberechtigten Bürger kein gültiges Resultat haben könne. Diese Ansicht wurde indessen vom Senat nicht gelheilt, denn wenige Tage nach der oben erwähnten Abstimmung wurde das die politische Rechte der Israeliten und Landbewohner erweiternde Gesetz im Amtsblatt promulgirt. In Folge dessen hat die konservative Partei hiergegen bei der deutschen Bundesversammlung Reklamation erhoben, zugleich aber auch zu einer Motivirung dieses Schrittes, zu „einem Wort der Aufklärung an die Gesammtheit ihrer Mitbürger" sich veranlaßt gesehen. Zu letzterem Zweck hat sie heute ein Flugblatt ausgeben lassen." (Man sieht eS diesem Artikel an, daß die Fr. P. Z. wünscht, diese Männer mit ihrer Reklamation und ihrem Flugblatte möchten Recht, d. h. die Obmacht behalten. Aber mit welchem Rechte nennt sich daS eine „konservative Partei," die der Obrigkeit gegenüber so hartnäckig Opposition macht? mit welchem Rechte nennt sich das eine „konservative Partei," die aus der Enthaltung von der Abstimmung ein Gesetz oder eine Wahl verwerfen wollen? Warum habt Ihr Euch der Abstimmung enthalten? Seid Ihr nicht die Minorität unter denen, die sich der Abstimmung enthalten haben, weil die Mehrzahl nicht abstimmte, da sie sich für die Sache nicht interessirte? Denn wenn Ihr die Majorität wäret» warum habt Ihr nicht gestimmt und verworfen? Dann brauchtet Ihr doch nicht zu reklamiren und zu flugblättern? Man sieht, es ist bloße Schikane, es ist demokratische Schikane, eS ist der Wolf im Schafspelze, und nennt sich eben nur konservativ, weil eS gilt, den Juden einen schmalen Bissen RechtS wieder zu entreißen. Hütet Euch vor dem Mephisto, er nimmt allerlei Larven vor, manchmal auch den Judenhaß!... Red. der Allg. Zeitung d. Judenth.) Preußen. Pofen, 30. Oktober. (Privatmitth.) Am ersten Tage deS Laubhüttenfestes, den 17. Oktober, begann der Unterricht in der neuen Realschule. Um 8 Uhr Morgens begaben sich die Schüler kolonnenweise unter Begleitung des Religionslehrers nach einer der Konfession entsprechenden Kirche; die Juden nach einer kleinen Nebenschule?!! — Daselbst trug ein, dem Namen nach mir unbekannter Mann, das erhabene Gebet vor, aber so schlecht und so wenig von hebräischem Wissen' verrathend, daß ich darüber erstaunen mußte! Nach dem Gebete bestieg Herr vr. Deutsch, welcher den Religionsunterricht an dem neuen Institute übernommen hat, die Kanzel und hielt eine kräftige, ergreifende Ansprache an die versammelten Schüler. In derselben forderte er sie auf, auch in der neuen Anstalt den Ruhm des Fleißes und der Regsamkeit, welcher stets den jüdischen Schülern gezollt wird, zu bewahren und ihn in seinem schwierigen Amte, das ihm zu Theil geworden, durch Liebe und Fleiß zu unterstützen. Der Religionsunterricht beginnt mit biblischer Geschichte und sind für je zwei Klassen zwei Stunden wöchentlich festgesetzt. Mag auch diese Stundenzahl gering sein, wir find doch nun einen Schritt vorwärts: unsre Religion, sonst verdrängt auS den christlichen Schulen, hat in dem neuen Institute ihre Wohnung aufgeschlagen. Dank der edeln, humanen Denkungsweise des Herrn Oberbürgermeisters Naumann, dem wir dieses und noch viel Gutes zu verdanken haben. Außer dem Herrn vr. Deutsch wirkt auch Herr Oberlehrer Löwenthal, wenn auch interimistisch, an der Realschule. Wenn es auch der Stadt nicht gelingen konnte, dem würdigen und eifrigen Schulmanne eine definitive Anstellung zu verschaffen, so hat sie ihre Anerkennung in Betreff seiner Leistungen dadurch an den Tag gelegt, daß sie demselben, obgleich er Jude ist, eine Pensionsberechtigung nach 15jährigem Wirken bewilligt, und ist dieser Zug vom hiesigen Magistrate