Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 47 (14.11.1853)
- Date
- 1853-11-14
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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591 Der Zweite. Streckst du dich, Wüste, ohn' Ende: behende Schießet mein Roß loS; Unter der Stute Füßen zerfließen Seh' ich Scholle auf Scholle — grolle. Denn mit dem Huf, dem geschwinden, überwinden Wcrd' ich dich dennoch noch, Und zu dem Ziel des Emiren führen Meine Kamele: Allah il Allah! Der Dritte. Gluth, Gluth ruht auf dem Sand. Himmel ist Sonne, Sonne das Land, Sonne die Luft, der Wind ist Brand. Gelblich flimmert der Ost. Horch, die Wüste erhebt sich und tost. Die Wüste wird laut. Schaut, schaut! Die Wüste erhebt sich zu Bergen, Zu reitenden, jagenden Bergen, Zu Bergen auf Bergen, Himmel und Wüste und Luft Sind Berge von wirbelndem Staub: Sie kommen, ste kommen. Erdrücken, begraben. Drunten, unter der Berge Lasten, rasten Die sie begraben haben, Männer, Kamele, ohn' Seele: Bis von Neuem aus Osten's Schooß bricht los Der Samum und die Berge trägt und jägt — Dann erblickst Du die bleichen Leichen, Der Knochen Kette, Skelete, Die vor Jahrhunderten sie begraben haben. Aber Allah il Allah! Kommet der Samum, Kamel, schnell Wirf dich nieder nach West, Ich bin bereit, mein Kleid, mein flatternd Kleid, Eh der Sturm es geraubt. Zieh ich über mein Haupt Und meine Stute, die gute, Werfe mich nieder zu Boden, Ziehe die Brust ein, daß kein Odem Ziehe zur Brust ein. Allah il Allah! Der Sturm braust dahin Und die Berge von Staub, begraben mich nicht, Licht, Licht Wird's in der Wüste wieder. Und es erheben fich frischer die Glieder. Allah il Allah! Der Vierte. Diele Tage zogen wir dahinnen Seit unsres Ziehen's Beginnen, Seit wir verließen des Schenken Zelt und die wasserreichen Tränken. Dürstest Du, meine Stute, die gute. Mein Kamel dürstest Du auch? Ach, Dein Herr, der arme Gauch, Schmachtet nicht minder, nicht linder. Seine Augen wirbeln, seine Stirn ist heiß, Seine Seele geht irre, leis, leis.... Ha! was ich seh'... dort schimmert ein See, Schau, beschattet von Palmen, Dort zur Linken der Höh', Schwer bekleidet von Halmen, Zelte und Hütten inmitten... Schnell, was braucht es noch Rath? Sag, was kümmert der Pfad — Ob er rechts fich wende ohn' Ende: Hier links ist der See, Der wellenschlagende, grünliche See, Und die Höh' mit Halmen Und die Palmen und Hütten inmitten... Komm, meine Stute, die gute, Mein Kamel, komm schnell. Ach, dein Herr, der arme Gauch, schmachtet auch... „Halt, Halt! und mackst Du nicht Halt, So gilt eS Gewalt! Kennest Du nicht den Wüstentrug, Den schändlichen Lug genug. Der Dir den See an der Höh' Zeiget mit Palmen und Halmen Und Hütten inmitten: Eilest, und lockt Dich, und eilest — Wenn Du weilest, Ist eS zerronnen und Sand, In den Gliedern der Brand. Deine Augen wirbeln. Deine Sttrn ist so heiß, Deine Seele geht irre, leis, leis..." Allah il Allah! Der treue Genoß Band mich und mein Roß; Ob ich schwur und fluchte. Zu entrinnen suchte; Sie zogen mit Rath Immer den Pfad — Mit dem Tag war der Trug verschwunden. Und der labende Quell gefunden. Allah il Allah