Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 47 (14.11.1853)
- Date
- 1853-11-14
- Page
- Seite 590 (sequence 2)
- Language
- German
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590 Wie sich lagern die Basaltkuppen, 3n gewaltiger Flamme gerundet. Ringsum der Höhen zahlreiche Gruppen, Die daS Auge fernab erkundet! Aber drunter zu sicherem Grunde Ruht der Granit, der mächtige Träger, Den die Urzeit hob auS unendlichem Schlunde, Ueber die Erde schleudernd, ein Riesenbeweger. Also über einander sie steigen, Stufe auf Stuf, in gigantischem Reigen. Ob der Sturm sie umtost und unendlicher Regen, Ob der Sonne Gluthrn sich auf sie legen: Da sprießet nur einsame Tann' aus den Spalten, Und daS Moos verdecket des Felsen- Falten. II. Wenn durch die Haid' der Wandrer schritt, ES weckt das Laub sein rascher Tritt, DaS Laub, gefallen 3ahr für 3ahr; Der Wind zerzauset ihm daS Haar; Der Mond die Thrän' ihm weg nicht küßt. Die seinem Aug' vor'm Nord entfließt; Der Mond, der mit den Wolken ringt, Und sie im Kampfe nicht bezwingt; Kaum daß den Pfad sein Auge find't, Der vor den Schatten ihm verschwind't. Da bangt das Herz, gewaltig schlägt's — Doch plötzlich in der Brust sich regt'S: Den Schreck, den blaffen, auf, verscheuch'. Damit dein Fuß das Ziel erreich'! Er öfinet seinen Mund mit Macht, Und finget kräftig in die Nacht. Ziehe, Wandrer, ziehe, ziehe! Ziehst du auch nach kleinen Hütten; Oeffnet sich die schmale Pfotte, Hast Du heute auSgestritten. Fliehe, Wandrer, fliehe, fliehe! Flieh den Ort, wo Du gerastet; 3st die Flucht Dir auch beschwerlich. Bist des Alten doch entlastet. 3mmer ziehen, immer fliehen, Das ist alte Kraft verjüngen, Ruhe ist daS Grab deS Mannes, Leben heißet Weiterdringen. Fliehe, Wandrer, fliehe, fliehe! Schau, wie dann die Schatten schwinden, Hast Du Ziele auch erreichet. Mußt Du Dir doch neue finden. Darum ziehe, Wandrer, ziehe Rastlos bis zum neuen Morgen: Nur in schnellem Weiterziehen Bist Du wvhlgemuth geborgen. * * * Wenn in die Wüsk die Karawanen lenken, Verlassend ttüb' den frohen Ort des Schenken, Verlassend trüb' die Mägdlein und die Knaben, Wo kühle Becher heiße Sänger laben; Unüberschaulich ruht der Saum der Wüsten, Wie eines Weltmeers weitgestreckte Küsten: Da Wog' auf Wog', die kommen und zerschellen — Hier reiht Sandwelle sich an Sandwellen, Dort Meer und Himmel, Himmel hier und Sand, Nach Wasser flehst Du hier, und dort nach Land: Doch rauscht und rauscht und brandet eS im Meer — Die Wüste schweigt — kein Laut bewegt fich her. Trüb lenken ein zur Wüst' die Karawanen, Sie zu durchzieh'n auf zeichenlosen Bahnen. Es zagt das Herz, der Beduinen Herzen, Der Beduinen, die so gerne scheuen — ES senken ihre Köpfe die Kamelen. 3hr Fuß tritt trag', als ob er fürcht' zu fehlen. Da hebt den Sang laut an der erste Reiter, Der zweite hött'S, der dritte giebt eS weiter, 3n gleichem Takt — die Heerde stutzt das Ohr, Und hebt den Fuß in gleichem Takt empor. So ziehen durch die Wüst' die Karawanen, Pfeilschnell die weilen, zeichenlosen Bahnen. Der Eine. Klinge, Schelle, helle am Hals der Kamele, Glöcklein von Golde holde an deS Kameles Kehle! Wie sie klinget, singet mein Mund, und springet Meine Stute, die gute, leichtbeschwinger. Groß ist die Wüste, rüste Dich, listig. Meine Kamele ohn' Fehle find größer, weitbrüstig und rüstig, Aber am größten und besten ist Allah il Allah!