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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-19 · Heft 73 (19.6.1838) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 73 (19.6.1838)
Date
1838-06-19
Page
Seite 295 (sequence 3)
Language
German
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295 33. dey Klägern von der stationären Klasse ein mit schärferer Dorn im Auge ist, al$ z. B. die Tempelprediger selbst, von denen sie für ihren Kreis nichts befürchten.— — Wenn aber unser naivfeinwollender Jronienwitterer die Thatigkeit B—'s, so wie wir sie beschrieben haben, ein Nichtsthun nennt, so ist es nur die Schuld seiner eigenen Kurzsichtigkeit. 3. Ob das Judenthum, d. h. das Aeußere desselben, einer Reform d. h. einer andern Form weiter als beim öffentlichen Gottesdienst bedürfe, das sollte kein Kundiger im Ernste fragen. Liebe zum Frieden und sonstige Rücksichten können wol bewirken, daß man die Hauptgegenstände für jetzt beruhen läßt; auch gibt es restgnirte Gemüther genug, die lieber mir dem Gros des Heeres langsam vorwärts marschiren als für ihre einzelne Person sich eine vorläufige 'Erleichterung verschaffen wollen; aber zu glauben, daß auch unsre Nachkommen noch eine Legalität bestehen lassen werden, in der z. B. eine anständige Dame vor einem anständigen Herrn in öffentlichen Versammlungen offiziell ausspeien muß, in der am 13. Nissan Schlüssel verkauft werden müssen u. s. w. das ist doch ein wenig stark! Die Verschönerung des Gesangs u. s. w. ist aber für das Wesentliche so unerheblich, und so wenig fähig die Jugend auf die Lange mit dem Ritualsystem zu befreunden, daß, wie die Sage geht, wir es nächstens erleben werden, daß ein bekannter Nebulist dergleichen einführt, ohne darum aufzuhören, für seine Person R. Tham's Tesillin anzulegen und seine Gemeinde saboatlich mitJnvektiven gegen die ganze Richtung unsrer Zeit, gegen die jungen Rabbinen u. s. w. zu regaliren. Gegen die vielen Erbauungsschriften, Katechismen u. s. w., aber hat sich Bernays bereits bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im „bibelschen Orient" nachdrücklich und mit subjectiv triftigen Gründen erklärt, die dort nachzulesen sind. 4. Was nun schließlich die pikante'Gegenfrage, wegen der rabbinischen und Fakultatsgrade betrifft, so gratutiren wir uns. Jemanden gefunden zu haben, der Morenu- und Doctor-Titel in unsrer Zeit noch für so achte Juwelen halt, daß ein Mann wie B. sie nicht hatte erlangen können, wenn es ihm darum zu thun gewesen wäre. Oder war die damalige Weigerung der Herren Binz, Scheuer und so fort etwas Andres als Furcht vor dem vermeinten Himmelsstürmer? Wenn aber eine der größten Gemeinden einen unbetitelten Geistlichen hat, und diesen Mangel in 20 Jahren nicht empfindet, so ergibt sich von selbst, was von der, vor wenigen Jahrhunderten erst gestifteten Semicha zu halten sei. M. Correspoudenzeu, Auszüge, Repliken. Kopenhagen, 15. Mai. Rede des vr. Wolfs. —. Ich erlaube mir heute, Ihnen die Rede, die der H. Vr. Wolfs, in der Prännengeseüschaft am 15. März gehalten, nunmehr gedruckt zu übersenden, und würden wol die in dem Exemplare bezeichneren Stellen zur Anführung in der Allg. Zeit. d. Iud. angemessen sein. Aus meiner Mittheilung vom 1. April *) werden Sie ersehen haben, unter welchen eigenthümlichen Verhältnissen diese Rede gehalten ward. Uebrigenö ersieht man aus einer Anmerkung, daß der Verein bereits 400 jüd. Knaben in die Lehre gegeben, wovon 320 bereits losgesprochen sind. Der Redner sprach über das Thema: „Wozu diese alljährliche Feierlichkeit dienen soll; 1. „zur Anerkennung der Würde des Handwerksstandes, II. der immer weiter schreitenden Entwickelung der menschlichen Kräfte, III. den Geist der Liebe und Wahrheit zu wecken, und unaufhörlich verjährte Vorurtheile binwegzuräumen." AuS diesem letztem Theile heben wir folgende Stellen heraus. „Menschen, die im Glauben von einander verschieden sind, haben nur gar zu leicht falsche Ansichten von den gegenseitigen religiösen Grundsätzen, als wäre in denen der anoern nicht in so vollem. Maße Biedersinn, Redlichkeit, Vaterlandsliebe, Tugend und allgemeine Menschenliebe begründet und zur heiligen Pflicht gemacht. Erst wenn sie naher mit einander in Berührung kommen, wenn man sich einander ins Herz zu blicken Gelegenheit hat, wenn brüderliche Gesinnung zwischen den Genossen der verschiedenen Kirche an den Tag tritt, da wird es heller in den von Vorurtheilen umnebelten Gemüthern. O es gibt nichts Herrlicheres, als wenn Jemand mit voller Seele die Lehre seiner Religion umfaßt, treu seinem Glauben anhangt und die Kraft desselben in der ungetheilten Liebe darlegt, mit der er Allen entgegen zu kommen sucht; nichts Höheres und Schöneres, als wo sich jene hohe Achtung ausspricht, mit der man oes Andern gläubige Ueberzeugung ehrt und schätzt, je mehr eben diese ihn zu einem edlen, tugendhaften, das Gemeinwohl fördernden Menschen gestaltet. Wo aber ein solcher Geist sich ausgesprochen, da muß er fortwährend unterhalten werden, und von Zeit zu Zeit, so manchen minder erfreulichen Bestrebungen gegenüber, das fromme Beispiel seines Wirkens zeigen, um unausgesetzt die Ueberreste verjährter Vorurtheile zu entfernen." „Ach, Vorurtheile, die ein ganzes Jahrtausend hindurch sich aufgehäuft haben, die lassen sich nicht in wenigen Jahrzehenden gänzlich hinwegraumen, die schlummern vielleicht nur unter der Decke des Eigennutzes, um dann desto gewal-! tiger hervorzubrechen, wenn ihnen nicht edlere Beispiele entgegenwirken. —' Wie oft ist es der Fall, daß in einer gewissen Zeit, reinere und edlere Gesinnungen sich Eingang ') S. No. 49. Red.

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