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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-07 · Heft 46 (7.11.1853) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 46 (7.11.1853)
Date
1853-11-07
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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585 Türkei. ßoisftattiittopel, im Oktober. Der CH ach am- Baschi, d. i. der Großrabbi der israelitischerr Gemeinde, G. Ben Jachar ist am 22. September in seinem 86. Lebensjahre während des Tischgebetes am Schlagstuffe gestorben. Korrespondenz. Reiseberichte. (Fortsetzung.) Magdeburg, 28. Oktober. An einem ziemlich heißen Vormittag »änderte ich mit Herrn Religionslehrer Breuer aus dessen Sommerwohnung in Penzing durch einen Theil des Schönbrunner Parkes, um nach Meidlingen zu gelangen. Daselbst brachte er mich in ein nettes Gehöft, zu dessen Seite fich ein einfaches, geräumiges Wohnhaus neben einem Gatten befand. Wir traten ein, und befanden uns in der israelitischen Taubstummenanstalt, welcherHerrDeutsch vorsteht. Die ganze äußere Einrichtung sprach mich an, es war nirgend- Ostenration, nirgends ein Gesuchtes, wie eS so oft in öffentlichen Anstalten die inneren Schäden und Mängel bedeckt, überall aber reinlich, geräumig, zweckmäßig. Wir kamen dem Herrn Deutsch ganz unangemeldet, und es waren nur einige Zöglinge in dem Lesezimmer. Auf unfern Wunsch nahm er einige Ucbungen mit urehreren Knaben und Mädchen vor. Bekanntlich wurde der Taubstummenunterricht durch den Abbe l'Epee, Pereira (Jude) und Anderen wesentlich auf eine Zeichensprache hingelenkt, und die supplementarische Nochwendigkeit einer solchen kann nicht geleugnet werden. Hett Deutsch verfolgt aber das ZiÄ: daß feine Zöglinge auf das geübteste dem Sprechenden die gesprochenen Worte vom Munde absehen, sie sofort wiederholen und beantworten können. Die Zöglinge Haben also Zwiefaches zu lernen, die Bewegungen des Mundes so genau zu kennen, daß fie aufs Schnellste wissen waS gesprochen worden, und selbst zu sprechen. Wird hierin ein günstiges Ziel erreicht, so sind die armen Wesen wieder in die Gemeinschaft der Menschen getreten, denn fie können sich-selbst mit solchen verständigen, welche die angenommene Zeichensprache nicht verstehen, und sobald sie nur, dem Sprecher in's Gesicht sehen können, bleibt chnen das Gesprochene nicht vorenthalten. Und stehe da.' daS bei Herrn Deutsch erreichte Resultat übertraf.alle. Erwartungen! Z. D. ich sprach sofott mit den anwesenden Taubstummen, wobei ich nur ein wenig langsamer sprach als gewöhnlich, und sie antworteten so ficher und bestimm^ daß ich fie sofott verstand. Zch sprach Wörter, die fie nie gehört hatten, z. B. Komposition, und fie sprachen eS sofott nach, hatten also die Töne richtig verstanden, ohne den Sinn zu kennen. DaS Maß der Kenn misse, welches die Zöglinge bei Herrn Deutsch eneichen, ist bewunderungswürdig. Sie lasen mir so geläufig und deutlich hebräisch vor, wie ich wünsche, daß alle nicht taubstummen Judenkinder möchten lesen können. Sie schreiben sehr fehlerlos; ich gab ihnen mehrere Regeln de Tri'S auf, und fie lösten sie sehr schnell. Ich gab meinen HeimathSott Magdeburg an, und, ein Mädchen gab sofott die Reiseroute an, die ich genommen, sowohl nach den Strömen als Eisenbahnen, die Länder und Städte, die ich passttt hatte. Ich srug nach den zehn Geboten, und fie sagten mir sie geläufig auf. — Ich versichere mit Einem Worte meine Leser, ich konnte die glücklichen Resultate des Herrn Deutsch nicht beobachten, ohne daß mir eine Thräne in die Augen nat, und ich ihn aufs Wärmste beglückwünschen mußte. Ich, trat hernach in die Speise- und Schlafräume der Zöglmge ein, und bewunderte hier das schöne Walten der Gattin des Hettu Deutsch, in den Gatten, und sah die Beete, die den einzelnen Zöglingen überwiesen find. Sehr viel Vergnügen machte mir ein lustiger taubstummer Bursche, der fich mir als „Schuster" vorstellte. Er lernt jetzt in der Stadt, ist aber wie alle ausgetretenen Zöglinge verpflichtet, die Sonntage in der Anstalt zuzubnngen, um das Gelernte zu wiederholen. Aber Ehre dem Ehre gebührt! Wenn Herr Deutsch um die Resultate der Anstalt, so ist ei« Andrer um die Gründung hochverdient, Herr H. Kolli sch. Dieser würdige Manu hat mit den größten Anstrengungen und Aufopferungen diese Anstalt in Nikolsburg begründet und von dort nach Wien versetzt. Gegenwärtig ist die Anstalt nunmehr als „allgemeines österreichisches israelitisches j Taubstummen-Jnstttut" begründet, fie hat gegenwättig 30 Zöglinge beiderlei Geschlechts, hat ein besonderes Kuratorium, an dessen Spitze der Gründer Hen Kollisch steht, und wird von Herrn Deutsch mit zwei Gehülfen geleitet. Ich stelle auS den amtlich bestätigten Statuten einige Hauptparagraphen hierher. §. 5. Der Unterricht erstreckt fich über folgende Ge- Gegenstände: 46*

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