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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-07 · Heft 46 (7.11.1853) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 46 (7.11.1853)
Date
1853-11-07
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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584 man“» ‘jiro yim ■ns bby. Wer aber Liebe für seine Brüder im Herzen trägt, wer von heiligem Eifer für unfern alten väterlichen Glauben beseelt ist, wer sich befähigt fühlt in Schule und Tempel das Herz der indifferenten Jugend und der alten Kinder an dem eigenen religiösen Feuer zu erwärmen, findet hier einen Wirkungskreis, wie er sich in unsrer ganzen Monarchie und vielleicht in ganz Europa nicht darbietet. Michael Wolfs. Italien. Nekrolog. P«rd»a, 11. Oktober. Es kann kein besseres Zeugniß für den Verdienst eines Israeliten geben, als wenn Juden und Christen in sein Lob einstimmen, und seinen Hintritt bedauern. Dieses war der Fall bei dem jungen Rechtsgelehrten vr. Marco Bolaffio aus Görz, den ein frühzeitiger Tod den 28. letztverfloffenen August hinraffte. Am Ende des Jahres 1825 auS einer der ältesten und geachtetsten Familien der dortigen israelitischen Gemeinde geboren, machte er die . Elementar- und die Gymnasialsiudien in den deutschen vaterländischen Schulen, und hatte mit großen Hindernissen zu kämpfen, um seinem unwiderstehlichen Hange zur Wissenschaft folgen zu können. Da ihm übrigens in seiner Heimath die Gelegenheit fehlte, seine ausgezeichneten Fähigkeiten zu entwickeln, zog er im Jahre 1843 nach Padua, wo ihm der Unterzeichnete, dessen Schwager er war, und der ihn wie einen Sohn liebte, zu sich nahm und in der Literatur unterrichtete, und wo er (nur ein Jahr brachte er zu Wien zu) Philosophie und Recht studirte. Sein ernster Sinn führte ihn aber sehr ftüh zu den philosophischen und historischen Wissenschaften, und er war noch nicht zwanzig Jahre alt, als er bereits mehrere Abhandlungen verfaßt hatte, in welchen er sich,schon als ein gründlicher Denker bewährte, deutsche Tiefe mit italienischer Klarheit paarend. Nachdem er im Jahre 1850 die Doktorwürde erlangt hatte, kehrte er nach feiner Vaterstadt zurück, wo ihm die neueingeführte mündliche Kriminalprozedur die Gelegenheit bot, die erworbenen Kenntnisse an den Tag zu legen. Er verschaffte sich nämlich in den gerichtlichen Debatten einen schönen Ruf durch seine gefeierten und oft in Anspruch genommenen VertheidigungSreden, in welchen er mehr durch einen bündigen Stil und eine strenge, folgerechte Auffassung der Thatsachen als durch schöne Sprecherei, mehr durch den Inhalt als durch die Form glänzte, und deren einige im Druck erschienen, wie auch ein Handbuch für die Geschworenen, ein philosophisch-geschichtlicher Versuch über den Einfluß des Glaubens und des Zweifels auf daS Leben der Einzelnen und der Völker, und einige Aufsätze. Er vernachlässigte darüber nicht seine Lieblingsstudien, denen er seine ganze Muße widmete. Es zeigt sein reichhaltiger literarischer Nachlaß (von dem „die Wissenschaft der Menschheit," „Eine Einleitung zum Studium der Moralwissenschaften/' „Ein psychologisch-physiologischer Versuch" und „Die politische und die religiöse Reform im gegenwärtigen Judenthume" Erwähnung verdienen) , wie er die wenigen Stunden, die ihm seine Berufsgeschäfte übrig ließen, zu benützen wußte. Aber nicht nur als Gelehrter, sondern auch als Mensch verdiente er die Achtung und die Liebe seiner Mitbürger. Bescheiden und anspruchloS, rechtschaffen und uneigennützig, einnehmend und freundlich, zeichnete er sich besonders auS durch seine kindliche Pietät gegen seine hochbejahrten schwergeprüften Ellern. Allgemein war die Theilnahme während seiner Krankheit, allgemein die Trauer nach seinem Ableben. Den feierlichen Leichenzug führte der Oberrabbiner in amtlicher Tracht, der eine Grabrede hielt, eine ganz neue Erscheinung in Italien, und folgten außer der ganzen Gemeinde auch fast sämmtliche christlichen Behörden, die Körperschaft der Advokaten, viele Rechtsgelehrte und Beamte und andere angesehene Personen: ein unerhörtes Beispiel hier zu Lande, und noch mehr in einer kleinen Stadt wie Görz, wo viele Vorurtheile noch herrschen. Mögen die ftommen tiefgebeugten Eltern, die binnen wenigen Monaten eine Tochter (die unvergeßliche Gattin deS Unterzeichneten) und zwei Söhne nach einander verloren, in ihrer religiösen Ergebung Stärke und Trost finden! Möge der feste Glaube und die Gewißheit einer jenseitigen Wiedervereinigung mit ihren Lieben ihre zerrütteten Seelen beruhigen, und ihre namenlosen Schmerzen lindern! Professor Lelio della Torre.

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