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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-07 · Heft 46 (7.11.1853) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 46 (7.11.1853)
Date
1853-11-07
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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583 mir darstellt. — Es dürste wohl nur wenige Leser geben, denen die Berichte über die Riesenfortschritte der hiesigen Gemeinde in dieser Zeitschrift, wie in den wiener Jahrbüchern ganz unbekannt geblieben waren; doch will ich zum Ueberfluffe auch in diesem Aufsätze über die enormen Leistungen unserS wackern Vorstandes skizzirend zurückzeigen. Binnen einer sehr kurzen Frist seines Wirkens wurde die Talmudtoraschule organifirt, daS Waisenhaus gegründet, die Kleinkinderbewahranstalt eingerichtet, der gottselige Kohn als Prediger berufen, der Tempelbau in Angriff genommen und die Hauptschule inS Leben gerufen. Ich war zu jener Zeit Lehrer in Lomnitz, wo ich so Manches für die Regelung deS Gottesdienstes in der Synagoge zu dulden hatte. Dank den biederen Proßnitzern, welche bald dem guten Beispiele folgten, wenn eS auch von einer kleinen Gemeinde gegeben wurde, daS rettete mich vor Verfolgung; denn zur selben Zeit konnte der würdige Chorin in Boskowitz noch öffentlich insultirt werden. Mir war wie einem gefangenen Soldaten zu Muthe, der von den siegreichen Fortschritten seiner Kameraden hört, während er thatenloS verschmachten muß. Könnte ich doch nur auch ein Steinchen zu diesem immensen Baue beitragen, dachte ich. — Die Kreuzerscheibe jenes Bettlers schwebte mir vor — und siehe, mein sehnlichster Wunsch ging in Erfüllung, ich und meine Gattin fanden durch Herrn Philipp Broch, damaligem Profeffor beim hiesigen Mufikverein, Anstellungen bei der hiesigen Hauptschule. Nun wurde auch mir von Seiten meiner Verwandten und Freunde Furcht vor dem Bärenlande eingejagt, selbst der gottselige Kohn fand eS bedenklich, daß ich meinen frühern Posten zu Gewitsch gegen den hiesigen vertausche; aber mein Muth und mein Vertrauen zur guten Sache blieben unerschüttert, und wurde durch ein Schreiben des Herrn LandeSadvokaten Dr. Blumenfeld noch mehr angefacht. Zur Vorsicht unternahm ich die Reise nach Lemberg um daS Terrän kennen zu lernen. Am 12. September 1845 langte ich hier an, und auch hier wollten einige mich bewegen wieder heimzukehren, und wirklich sah eS in einer Beziehung recht bedenklich auS; denn bei meinem Gehalte von 400 Fl. C.-M. und dem meiner .Gattin von 150 Fl. C.-M. hätte ich mit meiner Familie nur äußerst dürftig leben können, und der besorgte Familienvater fing wirklich an zu wanken. Nun aber wohnte ich der ersten Prüfung an der Hauptschule bei, wo Herr Dr. Sternberg (jetziger Direktor der Schule), Herr Lodner, Herr Schlesinger und andere wackere Männer an der Seite des seligen Kohn in so kurzer Zeit so Erstaunliches und Gediegenes leisteten und das bei einer Schüleranzahl von 500 bis 606 Knaben und Mädchen. Mein Entschluß stand nun fest, ich konnte nicht mehr von dannen — und der Wahrheit ihr Rocht, es hat noch keine Periode gegeben, wo ich es bereut hätte, Mähren verlassen zu haben; ich habe eine theure Heimath und gar liebe Freunde auch hier gefunden sowohl im Rock als in der Radziwiolka. Des seligen Kohns Tod war daS Werk deS Jahres 1848. Wien, Prag, Pesth u. a. a. O. haben in jener Periode der Gesetzlosigkeit ähnliche, noch grausenhaftere Szenen mit angesehen, und könnte man auch anderwärts von sich behaupten trror 12^2 a-'xsn 1222 minn ns bvtt» 1222 so fällt doch die ‘nsob mbra weg. ES ist jedeSwegs unzart einer Gemeinde die diesen unersetzlichen Verlust so sehr empfindet, die das Andenken dieses Frommen verehrt und heiligt, die noch nicht verharschte Wunde austureißen, und würdige Bewerber zurückzuschrecken. Doch man muß entschuldigen, war ich doch selbst Anfangs der irrigen Meinung, als sei dieser grausenhaste Mord von einer Partei veranlaßt worden. Wie viel sich aber noch seil dieser Zeit geändert hat, kann man daraus entnehmen: Jede Familie hat bereits ihr Kontingent zur Tempelgemeinde gestellt, 8 bis 900 Kinder besuchen unsre Schule, 200 die Kleinkinderbewahranstalt, 9/m dieser Kinder find aus den Hausern der Orthodoxen und Chasfidim, gegen 200 hiesige Jünglinge besuchen die Gymnasien und die Realschule ohne jene, welche höhere Anstalten besuchen. Unsre Schule wird dieses Jahr um 2 oder gar 4 Nebenklassen erweitert werden, und mit Nächstem treten 2 Trivialschulen inS Leben. Freilich treten Mängel und Schwachen auf allen Seiten uns entgegen; aber gerade da ordnend und schaffend eingreifen zu können bei einer Gemeinde von 24—30,000 Seelen, die so unverkennbares Streben und Ringen nach dem Bessern an den Tag legt, muß reizen, soll an und für sich als eine hohe Gunst der Vorsehung betrachtet werden; steilich, wemS darum geht zu wirken, und da denkt der brave Mann an sich selbst zuletzt; wer'S aber bequem haben will, ziehe sich die Schlafmütze über die Ohren, bleibe hübsch zu Hause und — fürchte sich — -w«: r-.v

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