Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 46 (7.11.1853)
- Date
- 1853-11-07
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Herren Vertretern kurz nach seinem glorreichen Regierungsantritte zu sagen, daß „gleiche Lasten auch gleiche Rechte" bedinge. Er geruhte sogar huldvollst den Vertretern aufzutragen, das ihren Glaubensgenossen mitzutheilen. Die Juden strebten nun sich als gleichberechtigte Bürger auszubilden, die Jugend ward auf die neue Bahn geführt k. — Es ist seit der Zeit so viel geschehen, daß man hoffen durfte, es werde neues Leben kommen. Die Juden sind sich nicht bewußt, irgend etwas begangen zu haben, das ihnen diese Gnade verwirken sollte. Sie weisen ferner darauf hin, wie Se. Majestät zurückhalte TodeSurtheile zu unterschreiben und verurtheilten Personen die konsiszirten Güter wieder zurückstellen lasse. Die Vertreter hoffen daher, Se. Majestät werde nach dem provisorischen Zustande wieder die bisherigen Verhältnisse eintreten lassen, wo die Juden sich Seiner Huld und Gnade zu erfreuen hatten. ES haben sich mehrere Gemeinden an die hiesige gewendet um gemeinschaftlich Schritte zu machen, aber der hiesige Vorstand hat es abgelehnt, und zwar weil eS ein illegaler Vorgang gewesen wäre. Das PetitionSrecht ist hier nicht in dem Maße gestattet. Aus dem Grunde war eS auch der Beschluß des Vorstandes, nichts von der Petition zu veröffentlichen, (?in anderer Grund waltete noch dabei ob, weil der hiesige Vorstand mit Recht die anderen Gemeinden darauf hinwieS, es habe jedes Kronland eigenthümliche Dinge zu seiner Vertheidigung anzuführen, die in Corpore nicht gesagt werden können. So z. B. kann Wien, daS Niederösterreich vertreten soll, nicht das anführen, daß eS den Ackerbau kultivirt habe. — Auch höre ich, daß bereits die Gemeinden zu Prag, Pesth, Preßburg, Lemberg, Brody, Brünn rc. ihre eigenen Petitionen verfertigen. Nachdem ich den Bericht schließen will, höre ich, daß die Herren Vertreter heute die Ehre hatten, eine Privataudienz zu erhalten. Se. Majestät nahm sie gnädig auf, und Herr Leop. v. Wertheimstein führte das Wort, warm und beredt, und wies darauf hin, welch ein Riß bei dieser Kunde in 800,000 Menschen kam, und er legte die Bitte ein, es möge Se. Majestät geruhen, seiner treuen Unterthanen, wenn daS Provisorium zu Ende ist, mit seiner frühem Gnade bedenken zu wollen. Se. Majestät geruhte hierauf beiläufig Folgendes zu erwiedem: „Wie Sie selber sagen, ist das fetzige Gesetz provisorisch. Ich habe bereits den Befehl gegeben, mir das Gesetz schnellstens vvrzulegen. Sie können versichert sein, es wird auf Ihre billigen Wünsche Rücksicht genommen werden." Hoffen wir also, daß sich noch Alles so viel als möglich zum Guten lenkt. Vorige Woche erging übrigens eine Kurrenda von Seiten des hiesigen Statthalters an die Redaktionen, weil sich einige erlaubten die Gelegenheit zu benutzen, um gegen die Juden zu schimpfen, wo sie gewamt werden, sich in den Schranken zu halten. UebrigenS sei es zur Ehre der Journalistik gesagt, daß kein honnetteS Blatt judenfeindlich ist, es find daS bloS einige Winkelblätter, deren Namen ich nicht nennen mag, weil sie daS Papier besudeln. Lemberg, 20. Oktober. (Privatmitth') ES ist zwar nicht selten der Fall, daß wir von Wien auS erfahren, was eS hier eigentlich Neues gebe, aber diesmal muß ich die Mittheilung vom 2. Oktober in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 42 berichtigen. Herr Löw hat bis zur Stunde die hiesige Predigerstelle nicht angenommen, ja er hat jedem Anträge entschieden ausgewichen, und unsre Hoffnung, ihn einmal zu besitzen, hat bis jetzt noch keinen sichern Boden gewonnen. Aber daß der Enthusiasmus, den seine eminenten Talente und Fähigkeit hervorgebracht und daß fein einnehmendes und würdevolles Wesen, welches ihm die Herzen aller Parteien gewonnen, unermüdlich anspornen alles Mögliche daran zu setzen, ihn für die Gemeinde zu gewinnen, ist unleugbare Thatsache.— Andrerseits ist der Eindruck, den die Gemeinde auf Herrn Löw gemacht, meines WiffenS ein derartiger, daß ihn nur unüberwindliche Familienverhältniffe von der Annahme deS fraglichen Postens zurückhalten dürften. Doch den Ausdruck „sich in das Gewühl einer Gemeinde zu stürzen, wo sein Vorgänger so schrecklich untergegangen," was gleichsam die Vergiftung des seligen KohnS der Gemeinde als solcher zur Last wirft, fühle ich mich verpflichtet im Interesse der Wahrheit, zur Ehrenrettung der Gemeinde und zur Darnachrichtung künftiger Bewerber, wenn Herr Löw den Posten nicht annimmt, entschieden und zwar etwas umständlich entgegenzutreten, und bitte bloS zu entschuldigen, wenn meine Wenigkeit zuweilen in dem Vordergrund erscheint; ich gebe die Sache wie sie sich