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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-31 · Heft 45 (31.10.1853) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 45 (31.10.1853)
Date
1853-10-31
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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571 rührend war eS, als er nach Vollendung deS sP» sich in patriarchalischer Weise mit seinen Minjanleuten zu Tische setzte und aß, was sie noch mehr erfreute, als die Zahlung, die sie daraus erhielten. — Der Gottesdienst wurde im hiesigen Tempel an den vergangenen Festen sehr würdig vollzogen, die Predigten waren kurz, aber sinnreich. — Jetzt fehlt unS hier nur noch ein Hospital. Nicht selten erfahrt man erst nach dem Tode, daß eS Israeliten waren, die in den öffentlichen Anstalten krank darniederlagen, und so ohne alle jüdische Umgebung, ohne das °7nrr unsrer Religion verstorben. - Wir erkennen dankbar die Verdienste der „barmherzigen Schwestern" an, aber dem Israeliten liegt eS doch nahe, in seinen letzten Stunden Glaubensgenossen um sich zu sehen. Holland. Rotterdam, im Oktober. (Privatmitth.) Am 23. Mai dieses Jahres ist in hiesiger Stadt eine Taubstummenanstalt mit 20 Zöglingen (12 Knaben und 8 Mädchen) eröffnet worden. Die sehr zweck mäßige und geräumige Lokalität kann 50 Zöglinge aufnehmen. Der Oberlehrer ist HerrD. H irsch (früher Taubstummenlehrer in Aachen), welcher von einem Hilfslehrer, einem Zeichnenlehrer, einem Turnlehrer und einer Lehrerin für die weiblichen Handarbeiten unterstützt wird. Als Oberlehrer und Mitglied der Verwaltung ist ihm die Leitung des Unterrichts im weitesten Sinne des Wortes übertragen. Die Kinder besuchen nur die Schule und wohnen übrigens bei ihren Eltern oder Pstegeeltern in der Stadt. Die Aufnahme der Zöglinge geschieht gewöhnlich mit dem 5. Jahre und die Dauer deS Unterrichts ist etwa 8 Jahre. Die Knaben treten während der letzten Schuljahre bei einem Meister in die Lehre, wo sie ein zweck mäßiges Handwerk, wie Hörende, vorschriftsmäßig erlernen. UeberdieS genießen sie noch in besonderen Stunden Unterricht und bleiben folglich bis zur be endigten Lehrzeit unter der Kontrolle der Anstalt. Die Artikulation ist die vorwiegende Form deS Un terrichts, wodurch sich die Methode wesentlich von der der gröningener Anstalt unterscheidet. Rach Verhältniß der Fortschritte der Zöglinge, und in wiefern sie die Fertigkeit im Absehen deS von Anderen Gesprochenen erlangt haben, wird der eigentliche Religionsunterricht demjenigen Geistlichen anvertraut, zu dessen Konfession die betreffenden Zöglinge gehören. Da Herr Hirsch ein Israelit ist, so genießen die jüdischen Kinder noch den besondern Vortheil, von ihm selbst in der israelitischen Religion und in der biblischen Geschichte unterrichtet zu werden. Zudem erlernen sie auch «nipn ^rab gleich Vollfinnigen ganz geläufig und deutlich lesen, richtig übersetzen und schreiben. Die ärztlichen Geschäfte besorgen der Medizinalrath SymonS, der zugleich als Gehörarzt und als Mitglied und Sekretär der Verwaltung fungirt, und der Direktor der städtischen Irrenanstalt hier, Dr. van Charante, der ebenfalls Mitglied der Verwaltung ist. Die Kosten der Anstalt werden vorläufig durch jährliche Beiträge eines Vereins bestritten, welcher sich zu diesem Zwecke in hiesiger Stadt und in mehreren anderen Städten deS Landes gebildet hat, und durch sonstige Liebesgaben, wie durch die Schulgelder von zahlenden Zöglingen. Die Unbemittelten genießen freien Unterricht rc. Präsident der Verwaltung deS Vereins ist vr. Molewater, Direktor deS hiesigen städtischen Hospitals und Lektor an der klinischen Schule. Zudem steht die Anstalt unter dem besondern Protektorate deS Bürgermeisters Hoffmann. Rußland. Nekrolog. Odessa, im September. Unsre Stadt hat am 3/15. August einen ihrer ehrbarsten und geachtetsten Bürger, die israelitische Gemeinde daselbst aber ihre, man kann sagen, größte Zelebrität verloren. Der auch in dem AuSlande wohlbekannte Direktor Stern, ein Mann von der edelsten Gesinnung, großer wissenschaftlicher Begabung und strengster Rechtlichkeit, ist nach einer langwierigen Krankheit gestorben. Wer den Seligen kannte, sein segensreiches Wirken im Kreise der Gemeinde und zum Vortheil seiner Glaubensgenossen, wird die Schwere der Unersetzlichkeit deS Verlustes zu würdigen wissen, den unsere Stadt an ihm erlitten. — BaziliuS Stern, geboren gegen Anfang dieses Jahrhunderts zu Tarnopol in Gallizien, bildete sich schon in frühester Jugend zu jener Reife des UrtheilS und Charakters, zu jener gediegenen Wissenschaftlichkeit auS, die ihn später in seinem neuen Vaterlande so wohlthatig wirken ließen. ES geschah dieS durch Selbststudium sowohl als unter

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