Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1853)
- Date
- 1853-10-31
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
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570 lichen Verordnung vom 2. Dezember geführt hat» soll durch eine Petition an Se. Majestät den Kaiser hervorgerufen worden sein, die von einem angesehenen Theile der Bevölkerung von Tirol überreicht und worin gegen die Grundbefitzerwerbung eines Israeliten Einsprache erhoben wurde. Diese Petition war übrigens der letzte Znstanzengang einer schon längere Zeit bei dem Justizministerium anhängig gewesenen Verhandlung, und als auch der oberste Gerichts- und Kassationshof sich auf Grund der noch in Kraft bestandenen Gesetze zu Gunsten' der Israeliten entschieden, geschah die Berufung an'den Thron. Weitere Bedenken wurden übrigens schon früher durch die bedeutenden Güierankäufe in Ungarn und Galizien angeregt. Vorzugsweise hat die Stellung der Juden in Galiziar die Befitzerwerbungen ungemein erleichtert; denn rS ist bekannt, daß der galizifche Adel seit zwanzig Jahren sehr in Schulden gerathen, und daß die Juden dessen .Hauptgläubiger waren. Als nun die Verhältnisse zu Gunsten der- Israeliten sich geändert, fielen mehrere Realitäten in deren Hände oder wurden auf ungewöhnlich schnelle Weise erworben. Dadurch geriethen aber auch die Bauern in eine bestimmte Abhängigkeit von den Israeliten, und letztere nahmen einen größern moralischen Einfluß auf diesen Stand, als eS die Regierung zu wünschen schien. Wiewohl die kaiserl. Verordnung vom 2. Oktober in keiner Beziehung über die fernere staatsbürgerliche Stellung der Juden eine Andeutung giebt^ sondern hierüber auf eine später erscheinende Verordnung hinweist, so sollen schon jetzt mehrere Gemeindevertretungen Miene machen, alle Aufnahmen von Israeliten in den Gemeindeverband zu sistiren, in der Voraussetzung, daß die Regierung im Sinne hat, künftig die Stellung der Israeliten in jeder Beziehung auf jenes Maaß zurückzuführen, wie dies vor dem Jcchre 1848 in Uebung gewesen, worunter auch die Reaktivirung der Toleranz verstanden sein würde. Eine solche Muthmaaßung dürfte aber doch etwas gewagt sein, und wie uns versichert wird, liegt eS auch keineswegs in der Intention der Regierung, die persönliche Stellung der Israeliten so weil zu beschränken. Lemberg, 16. Oktober. (Privatmitth.) Entgegengesetzten Bemerkungen gegenüber kann ich, ein Deutscher, nur sagen, daß der Herr Oberrabbiner Löw nicht anstehen sollte, hierher zu gehen. Ich bin von Seiten der polnisch-gekleideten Partei unangefochten geblieben, und bei seinem einnehmenden Betragen müßte er sie gewinnen. Gefährlich sind sie lange nicht mehr, in ihrem Lager tritt der JndifferentiömuS noch greller hervor, von Zusammenwirken ist keine Spur, und der Einzelne hat weder Much noch Kraft. — Nachtheilig für die Juden, aber noch nach^theiliger für VaS ganze Land werden die Folgen des Verbots des GülerankaufS durch Juden fein. Durch die Aufhebung der Robot liegt über die Hälfte deS Bodens brach, nun wird noch dem Ackerbau der.Zuzug so mancher Kapitalien, so mancher thätigen Hände und spekulativer Köpfe vorenthalten. Mkagdeburg, 26. Oktober. ES ist uns unmöglich, die ausführliche Beschreibung aller, jetzt vorkommenden Synagogeneinweihungen aufzunehmen; wir haben jüngst ein halbes Dutzend bei Seite legen müssen. So ist dies uns auch nicht hinsichtlich der Weihe zu S ko tschau im teschener Kreise möglich, die unter großer Betheiligung, namentlich des k. k. Beamtenstandes, und unter schöner Mitwirkung deS Kreisrabbinen Dr. Gugenheimer vor sich gegangen. Frankreich. StraHbnrg, 10. Oktober. (Privatmitth.) Am Sabbat s-h begaben sich zehn Herren aus der Gemeinde, worunter auch Mitglieder des Konsistoriums, zu dessen Präsidenten, Herrn Louis RatiSbonne, und überreichten ihm einen Ehrenpokal von außerordentlicher Schönheit mit der Inschrift: „Die Gemeinde Straßbueg Herrn Ratisbonne, Präsident deS Konsistoriums" und auf dem Deckel: „Arbeitsschule. Hospital." Herr S. Weil, Mitglied deS Konsistoriums, sprach bei der Ueberreichung sehr herzliche Worte, mit denen er die Verdienste deS würdigen Greifes besprach. Dieser war so gerührt, da eS ein ganz überraschender und unerwarteter Akt war, daß er kaum Worte fand, mit denen er seine guten Werke als nur von der Schuldigkeit geboten darstellte. Dennoch fühlte er die Anerkennung sehr tief, und sprach eS aus, daß dies der schönste Tag seines Lebens sei. Herr Ratisbonne konnte diese Festtage nicht den Tempel besuchen, er hielt Minjan in seinem Hause, und