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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-31 · Heft 45 (31.10.1853) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 45 (31.10.1853)
Date
1853-10-31
Page
Seite 569 (sequence 5)
Language
German
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569 Nichts mehr, als durch Euern Jndifferentisrnus! DaS ist ein Borwurf, der Euch Alle trifft, und der so gerecht ist, wie cS noch Keiner gewesen ist von allen, die man Euch bisher gemacht hat. — Man hat Euch der Modesucht, der Selbstsucht, des Dünkels, der Aengstlichkeit, der Bedenklichkeitskrämerei u. s. w. geziehen: eS war dies AlleS mehr oder minder begründet, mehr oder minder allgemein. Aber der Vorwurf: „indifferent zu fein" trifft Euch am meisten und trifft Euch Alle. — Sagt, was thun Eure Rabbinen — die alten wie die neuen— für die Hebung deS Jugendunterrichts? Sorgen sie dafür, daß Religionsschulen gegründet, daß Eure Kinder im Hebräischen unterrichtet, daß der weiblichen Jugend unter Euch wenigstens die wichtigsten Glaubenssätze und Zeremonien verständlich gemacht werden? Oder sind es etwa die Vorsteher Eurer Gemeinden, die sich dieses und Aehnliches angelegen sein lassen? Oder giebtS vielleicht Private unter Euch, denen das geistige Wohl Eurer Jugend nahe am Herzen liegt, so daß sie im Stande wären, für dasselbe ein großes Opfer zu bringen? — Die Hand aufs Herz und antwortet! — Ner«! Doch was helfen am Ende Vorwürfe? Lassen Sie mich für heute von diesem Gegenstände abbrechen, und gestatten Sie mir, Ihnen einige Mittheilungen andrer Art zu machen. Die Brüdergemeinde zu Posen denkt mit Ernst daran, die erledigte Previgerstelle wieder zu besetzen, und haben in ihrem Tempel bereits mehrere Bewerber, wie Dr. Caro aus Schwetz, Dr. Heß aus Eisenach, Dr. Fürst aus Heidelberg — und zuletzt auch Dr. Jolowitz aus Königsberg — Probereden gehalten. Wer von diesen Kandidaten die meiste Aussicht hat, die Stelle zu bekommen, vermag ich Ihnen für jetzt noch nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Wenigstens sehen Sie, daß, wenn in unsrer Provinz eine Kanzel offen, auS allen Ecken und Enden Deutschlands Theologen herbeikommen, um, so zu sagen, ihr Glück zu probiren. Um noch einmal auf die posener Realschule zurückzukommen, muß ich bemerken, wie den Juden, welche das Glück gehabt haben, ihre Kinder in der genannten Anstalt anzubringen, wenigstens darin einige Rechnung getragen wird, daß dem Dr. Deutsch in Posen gestattet worden, den Realschülern jüdischen Bekenntnisses einige Stunden wöchentlich Religionsunterricht zu ertheilen. Derselbe hat auch am 17. d. M. mir den jüdischen Realschülern die sogen, kirchliche Eröffnungsfeier abgehalten. In Liffa ist eS neulich schon wieder einmal vorgekommen, daß die Mitglieder deS RabbinatS (Dajanim) es gegen ihr frommes Gewissen hielten, einer Hochzeitsfeier beizuwohnen, deren Veranstalter — wie soll ich sagen? — litt ff genug gewesen war, den ehrwürdigen Rabbinen, Herrn M. Löwenstamm aus Fraustadt, zur Einsegnung deS EhebündniffeS und Abhaltung einer deutschen Traurede nach Liffa kommen zu lassen. WaS soll ich noch hinzusügen? Schlimm genug, daß, wenn in einer Gemeinde wie Liffa Jemand sein Kind zeitgemäß will trauen lassen, er jetzt noch genöthigt sein muß, den Kopulator von anders woher sich zu verschreiben. Zur Gründung des Blindeninstituts, welches neulich zur Wollstein inS Leben getreten, haben auch die dortigen Juden sehr viel beigetragen, und ist sogar Einer von ihnen mit in den Vorstand der neuen Anstalt gewählt worden. Der jüdische Lesevercin zu Pinne hat am jüngsten Ereb Rosch Haschana (2. d. M.) 7 arme Kinder vollständig bekleidet. An demselben Tage hat der „Verein zur Bekleidung israelitischer Armenschüler" in Wittkowo 18 arme (größtentheilS verwaiste) Schulknaben mit vollständigen Winteranzügen beschenkt. In Rakel ist die Lauigkeit deS Vorstandes — und vielleicht noch Etwas — daran Schuld, daß die dritte Schulklasse, einBedürfniß, welches schon seit 10 Jahren dringend gefühlt wird, noch immer nicht gebildet ist. In Gnesen hat die Aufnahme eines neuen ChasanS (der alten Schule angehörig) die Gemeinde in zwei Lager gespalten, von denen das eine pro, das andre contra auftritt. Bromberg, Wittkowo, Schneidemühl, Liffa, Rawicz, Fraustadt, Schrimm, Buk und Meseritz gehören zu denjenigen Gemeinden unsrer Provinz, von welchen ich gehört habe, daß sie den 15. d. M., als den Geburtstag unserS Landesherrn, theilS durch Synagogen-, theilS durch Schulfeierlichkeiten festlich begangen haben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Oktober. Die „Voss. Z." berichtet: Der erste Anstoß, welcher zur Publikation der kaiser-

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