Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1853)
- Date
- 1853-10-31
- Page
- Seite 568 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Sprechet Euch aus, wie Ihr wollet, nur aber keine Spiegelfechterei, keine Laschenspielerei! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Oktober. (Privatmitth.) Die hiesige „Reuner-Kowission" hatte in Beziehung auf die neue Verfassung eine Differenz mit dem Senat, indem erstere — aus Furcht vor frankfurter Amönitäten — die Nichtbefähigung der Juden zum Senat einschalten wollte, was der Senat, der wie es scheint, sich höchlich auf jüdische Mitglieder freut, doch nicht zugab. Inzwischen giebt die jüdische Gemeinde ihre herkömmliche Befugniß „kontribuirenden Fremden" gegen eine jährliche Abgabe das Recht zu eigenen Geschäften zu verleihen, freiwillig auf. Zwischen beiden hiesigen Gemeinden ist ein Zivilprozeß eröffnet, da die.sehr zusammengeschmolzene portugiesische (höchstens 20 Seelen) noch immer wie ehemals den vierten Theil deS Ertrages der Koscherfleischauflage zu beziehen verlangt. Kiek, 3. Oktober. Am tz. d. M. ist ein großer Eröffnungstag im Reiche, denn gleichzeitig in Kopenhagen, Flensburg und Itzehoe werben an demselben die Ständeversammlungen für die drei größten Länder der Monarchie inaugurirt. Die „W.-Z." erfährt, daß unter den Vorlagen auch eine wegen der Judenemanzipation sich befinden wird. In Dänemark wird schon lange zwischen christlichen und jüdischrn Gewissen kein Unterschied mehr gemacht, und auch in den Herzogthümern war vermöge der Reichs- und Landesverfassung die konfessionelle Gleichheit bereits erzielt, als Anfangs 1851 jenen von den Bundeskommissären v. Mensvorf und v. Thümen durch Straßenanschlag die Rechtsgiltigkeit gekündigt wurde, und damit auch diese zu Boden fiel. Die angestrebte Einheit deS Gesammtstaats macht nun aber eben die gleiche Behandlung der Israeliten zum Gebote, und man schlägt hier um so bereitwilliger den lieberalen Weg ein, als man dadurch der „Loyalität" einen neuen Zuwachs zuzuführen hofft. —. 13. Oktober. Ganz entgegengesetzt wird berichtet, daß das neue Wahlgesetz die Juden zu Wählern macht, aber nicht wählbar. Altona, 5. Oktober. (Fr. I.) Zum Direktor des dänischen Staatslelegraphen in Hamburg ist ein hiesiger Israelit, Herr Charles Heine, der erst kürzlich Ritter vom Danebrog geworden, ernannt. Herr Heine hat diese Ernennung nur seinm ausgezeichneten Kenntnissen im national-ökonomischen Fache, wie seiner wissenschaftlichen Bildung und seinem achtungSwerthen Charakter zu verdanken. ES ist dies der erste Israelit in Holstein, der eine Staatsanstellung erhalten. Preußen. Aus der Provinz Pose», 23. Oktober. (Privatmitth.) Die neue Realschule zu Posen ist eröffnet. Trotzdem an derselben auch nicht ein Jude als Lehrer angestellt worden, so befinden sich doch unter den vierhundert Schülern, welche ausgenommen wurden, über Einhundert und fünfzig Kinder jüdischer Eltern. Vergeblich möchte ich versuchen, die Ungeduld und Angst zu schildern, mit welcher die Juden Posens und anderer Gemeinden der Provinz sich dazu drängten, ihre Söhne in die neueUnterrichtsanstalt zu bringen. Es war wirklich spaßhaft, das Treiben mit anzusehen. — Und glauben Sie, daß die Juden deS GroßherzogthumS nicht im Stande wären, selbst eine Realschule in dem ausgedehntesten Maßstabe zu gründen? — O, die Juden der Stadt Posen könnten allein dies schon — und noch weit mehr, wenn sie nur wollten. Sie könnten auch — an Mitteln fehlt es ihnen wahrlich! nicht — ein „Seminar zur Ausbildung jüdischer Lehrer" errichten, und dies wäre vor der Hand noch viel nöthiger. Denn da in das posener katholische Schullehrerseminar jüdische junge Leute nicht einmal mehr als Hospitanten zugelaffen werden, so wird es nur zu bald an jüdischen Lehrern Mangel haben — und was dann anfangen? Etwa die jüdischen Schulen eingehen lassen? und auch in den kleineren Städten der Provinz die jüdischen Kinder in die christlichen Elementarschulen schicken? — Wahrlich! ich hätte große'Lust zu glauben, daß auch dieses unseren Juden keine zu große Ueberwindung kosten dürfte; daß sie Anfangs zwar etwas murren und knurren und in den Bart brummen, sich aber dann doch ganz geduldig in die — leider! selbst verschuldete — Nothwendigkeit fügen würden. — „Selbst verschuldet" — wodurch? Ich sage Euch: durch