Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1853)
- Date
- 1853-10-31
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225868--13468-3299785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
567 men, wenn nicht auS dem Durchdrungensein und der Voraussetzung der Lehre? Zch kann nicht andeuten, ich kann nicht fingerzeigen, ohne daß ich voraussetze, die Sache ist vollkommen bekannt, auf die ich hindeute. Oder einfach gesagt: wir können in der Thal eine Menge Ausdrücke und Stellen der heiligen Schrift nicht anders verstehen, als mit der Voraussetzung der Unsterblichkeitslehre. Die vollständige Aussage in der bekannten Stelle Kohelet 12, 7. giebt der Vers, selbst zu, aber im Buch 2job leugnet er fie ganz und gar. Nun ist aber gerade bei der Stelle von Kohclet zu bedenken, daß sie zwar den Geist forteristiren laßt, aber über das Wie der Unsterblichkeit keine Ansicht ausspricht, weder über die Sondereristenz des Geistes als Individuum, noch über das Aufgehen des Geistes in Go». Es kehrt vielmehr mit diesem Ausspruche die Lehre am Schlüsse der großen Entwickelung durch die Bücher der heiligen Schrift hindurch zu ihrem Anfänge 1. Mos. 2, 7. zurück. (S. unser Bibclwcrk HI. S. 741 und 750.) WaS aber das Buch Jjob betrifft, so können wir setzt wohl als erwiesen anschen, daß nicht das Naturgemälde in Kap. 38—41. die eigentliche Lösung der im ganzen Buche Jjob vcntilirten Frage bringt, sondern die Rede Elihus K. 32—37., deren Hauptsatz ist: das Unglück, das Leiden ist das Erziehmirrel Gottes für den Menschen, ihn vor dem Bösen zu bewahren und zum Recht und Licht zu führen, so daß also Elihu als das Motiv der göttlichen Waltung die Erziehung des Menschen, der Völker, des Menschengeschlechts zum Guten und Besten aufstcllt 33, 17. 18. 29. 30. Vgl. K. 35. Hierzu tritt nun das Naturgemälde als ein Erweis, indem auf die Zweckmäßigkeit aller Schöpftmgen Gottes und den Selbstzweck aller Geschöpfe hingewiesen wird. (S. unser Bibeltttrf 111. S. 577 ff. 624 ff.) Jeder Tieferschaucnde wird aber einsehcn, daß bei dieser Anschauung von dem höchsten Motiv der Menschenschicksale die Unsterblichkeit eine wesentliche Voraussetzung, nicht aber um in der Unsterblichkeit, wie es gewöhnlich geschieht, eine Ausgleichung für das Dogma der strengen Vergeltung zu sindcn, sondern weil hiermit für den Menschengeist ein Endzweck gesetzt ist, „zum Lichte des Lebens zu kommen," der über die Grenzen des ErdenlebenS hinausreichet. Und so finden wir fie auch ausgesprochen. Zuerst K. 14., wo zuerst (D. 7—12.) über die Trostlosigkeit des durch den Tod endenden Lebens ausgesprochen wird; „Jjob fühlt aber den Widerspruch zu einem unendlichen Bruch sich dehnen, er ringt nach einer Lösung, er sucht nach einem Gedanken, welche den Zwiespalt in eine Harmonie auflösen würde. Da erhebt sich in feinem kämpfenden Geiste die Vorstellung:. wie anders wäre es, wenn der Mensch in das Leben noch einmal zurückkehrte, wenn er im Grabe nur so lange läge, bis der Zorn Gottes sich gelegt, und Gott dann nach bestimmter Zeit seiner wieder gedächte, um ihn iu's Leben zurückkehren zu laffen? (V. 13.) Nun noch einem Schritt, weiter : Jjob macht sich von dieser Wiederkehr dieses irdischen Lebens frei, und erhebt sich zu dem klaren Gedanken der Unsterblichkeit (V. 14.): „Oder, wenn der Mevsch stirbt, lebt er darm noch?" fprm ma1 OK* Diese einfache Frage ist von ungeheurer Wirkung. Dem künstlichen Gebäu, dem verworrenen Knäuel der streitenden Gedanken tritt die fung in drei Wetten nahe." (S. unser Bibelwerk III. S. 520.) Und mit noch größerer Zuversicht 19, 25—27. wir setzen nur unsre Uebersetzung her: 25. „Doch ich weiß, eS lebet mein Erlöser, und später über meinem Staub ersteht er; 26. Nach meinem Leib — zerschlagen ist er schon — und ohne Körper werd' ich Gott schau'n, 27. Ihn werd' ich schau'n, (zum Heile) mtt, ihn werden meine Augen seh'n und nicht als Gegner — eS verehren meine Nieren sich in meinemSchooße." Den Erweis sehe man in unfcrm Bibelw. HI. S. 536. DaS Resultat ist: die heilige Schrift hat die Unsterblichkeit nirgends als Bonbonniere für die Guten und Sttaftuthc für die Bösen hinsteüen wollen, fie hat nirgend Aufschluß über das Wie der Unsterblichkeit geben und den wvhlrhärigen Schleier vor dem Jenseits lüften wollen — aber durch und durch lehn sie: Deine im Ebenbilbe Gottes geschaffene Seele ist unsterblich, um im Jenseits Gott näher zu kommen als hienieden („Gott schauen"). Diese Lehre wurde in der Entwickelung des Judenrhums immer stärker erfaßt, und immer integrttendcr zu ihm gehörend gemacht. DieS im Kurzen und Allgemeinen über den schon oft und viel verhandelten Gegenstand. Wtt gingen daraus ein im Sinne unsrer Weisen: arwriES n» sh, und schließen mit den Wonen. die wir schon öfter aussprachen: eS ist Zeit, daß sich die Meinungen und Richtungen klar aussprechen und sondern, die Gegensätze zu vertuschen und zu verkleistern ist nutzlos, wtt wissen, daß wir eine jetzt wieder vielbekämpfte Weltanschauung rragcn, aber durch den Kampf tttten wtt dem Siege nähn: — darum verfälscht uns unser Iuventhum nicht!