Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1853)
- Date
- 1853-10-31
- Page
- Seite 566 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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566 sein nicht erlischt, unsere seelischen Tätigkeiten nicht aufhören, sondern unsere Seele, da fie eine besondere Existenz ist, die, im Leben auf Erden mit dem Körper verbunden, mit diesem in Wechselwirkung steht, dennoch ohne ihn weiter zu eristiren vermag, auch nach dem Tode weiter eristirt. Za, wir geben dem Herrn R. L. S. M. zu, daß diejenigen, welche unter Unsterblichkeit der Seele ein Aufgehen der Seele in eine sogenannte Weltseele verstehen, keinen Begriff mit der Unsterblichkeit verbinden. Wir aber, die wir unter Unsterblichkeit die individuelle Fortdauer, oder bester die Fortdauer der Individualität (gewöhnlich „persönliche Fortdauer" genannt), wie fie seelisch ist, verstehen — wir haben allerdings einen bestimmten Begriff, wenn wir uns auch nicht unterfangen, eine anatomische oder physikalische Beschreibung der Seele in dieser Fortdauer nach dem Tode zu geben. Ja, wir gehen noch weiter und behaupten: es ist nicht allein nicht wahr, daß man mit Unsterblichkeit keinen Begriff verbände, sondern im Gegentheil: es ist nicht wahr, -aß -er Mensch den Begriff -er Nicht-Unsterblichkeit zu fasten vermochte, denn das. Ich kann in seinem Selbstbewußtsein sein Nicht-Sein gar nicht fasse»! Dies schleudern wir allen unseren Gegnern in's Angesicht, trotz ihren gegentheiligen Versicherungen. Aber wir wollen ja nicht mit Herrn R. L. S. M. philosophiren, kehren wir zum Zudenthume zurück. Der Genannte wünscht zunächst auS der Schrift die UnsterblichkeitSlehre möglichst zu radiren, dann würfelt er auS Talmud und Midrasch Stellen zusammen, um Unsterblichkeit, Auferstehung und Mesfiasreich so unter einander zu mengen, daß Eines in's Andre aufgehe, und endlich sucht er die Anfichleu der bedeutendsten Rabbinen als wirr und wüst darzustellen. Wir geben recht gern zu, daß SaadiaS, MaimonideS u. s. w., indem fie über Unsterblichkeit philosophirten und sich den ModuS derselben vorstellbar zu machen suchten, eigenthümliche Ansichten aussprachen, eben so wie manche Weisen des Talmuds und Midrasch zu demselben Zwecke absonderliche Bilder und Ausdrücke hcranbrachten. Aber hierauf kommt es im Zudenthume nicht an. Wer nur einen Blick in die Schriften der Rabbinen wirft, wer Talmud und Midrasch kennt, der weiß, wie fie Alle «271 übi27i und 71171 vbi27i stets trennen, und mit «27r 2bi27i das Leben itad? dem Tode verstanden. Führen wir nur einfach die Worte des KuSri an (Hl, 1.): v'v-n ma^iNi 2bi2n 27:1« n2irn 71212 spor> To« bai 82H 2bi27i im» nrpa »irres 8277 Dbirb 7U11» nba1' „Der wahre Gottesdiencr liebt die Welt und ein langes Leben, weil es ihm zum Erwerb des künftigen Lebens verhilft, indem er, je mehr GuteS er ausübt, eine Stufe höher zum künftigen Leben steigt." Vgl. insonders V, 12 ad fin.: „wenn sich die Seele vom Körper trennt (im Tode), so ist fie frei, ledig des Verlustes, den fie möglicher Weise erleiden konnte ff." Oder die Worte inBechai'S Chob. ha-l’bab. ■pnaar: 120: ->N8 rtmsrws p2»3 tpssbran rmixa tsern aissnts man r»m ‘■PHTm TpimtSE nsisa ernesnb mrai nmpm 7N71 abi3?2 2"2i2 st*«:?» „Nach dem Tode, wo die Seele zur Wesenheit der Engel zurückkehrt, wo sie einfach und geisterhaft wird, und verklärt ihre irdische Hülle beseitigt, nachdem fie durch ihre frommen Handlungen in diesem Weltlebcn erleuchtet wurde." (cd. Stern S. 234.) Oder Bedarschi'S in Bechiu. Olano XXV.: raD-in 7in8 «'71 nbisrr - nip1 m-ii - nbses 71-15 2«i3 1212« m*ii«7ab nn-Tii nb?ob und wie viele wir noch anzuführen vermöchten. — Gehen wir nun weiter zurück, fo brauchen wir nur zu verweisen auf die bekannten Stellen in Aböl 4, 21 und 22, um die Lehre vom diesvnd jenseitigen Leben deutlich ausgesprochen zu haben, Und zwar als rein geistiges Dasein, z. B. Berach. 17, 1.: 7t«:e> »bi rrnss «bi nb'o« «b 12 p« «27i dbvrr br 271-7112221 2-221- 2-p—ix «b« riiinri «bi 7i«dp «bi 71--3271 1-72 2-577-1 271-2«1' (Ausdrücklich wird vbi27i «27i von der Mesfiaszeit unterschieden, z.B. Erachin 13, 2.) Nicht minder in den Apokryphen, fo 2. Makk. 7, 29: „leide den Tod, damit ich dich mir deinen Brüdern wiederfindc." 36: ,,fic find nach kurzer Todesqual dem Bunde Gottes zum ewigen Leben anheimgefallcn." Vgl. Tob. 3, 6. WeiSH. Sal. 2, 23: „Gott hat den Menschen geschaffen zur Unvcrgänglichkeit." Vgl. 6, 18. 15, 3. So wurzelt auch bei Jo scphuS und Philo die Lehre von der Unsterblichkeit tief, mögen fie sich auch die Seligkeit der Frommen und das Unheil der Vösewichter in verschiedener Weise vorstrllen. Kommen wir so rückwärts zur heiligen Schrift, so kann auch Herr R. L. S. M. nicht leugnen, daß sich „Spuren, Fingerzeige, Andeutungen" u. f. w. von der Unsterblichkeit der Seele in der Schrift genug finden, die aber nirgends zur „objektiven Sicherheit" werden. Wir können aber auch hier die Sache umdrehen, und sagen: gerade die „objektive Sicherheit" besteht darin, daß diese Lehre nicht speziell und konkret in der Schrrft ausgesprochen ist — aber in der Tiefe baut sich die ganze Lehre und das ganze Gesetz auf diese BafiS auf. Und woher sollen denn die „Fingerzeige," die „Andeutungen" kom-