Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1853)
- Date
- 1853-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 4L xm Zahrzanz. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ciu unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Phrlrppson, Dr. B Meyer, Rabbiner za Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 31. Oktober 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselbe» die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis autzerst niedrig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate—22*/» Ngr. (18 g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. 2llle Buchhandlungen. Postämter und Zeituags-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Ieitungs-Erpeditio» allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Dogmen oder nicht? IV. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Kiel, Altona. Preußen: aus der Provinz Posen. Oesterreichischer Kaiserstaar: Wien, Lemberg, Magdeburg. Frankreich: Straßburg. Holland: Rotterdam. Rußland: Odessa. Nekrolog. Palästina: Jerusalem. Auszüge. Der Ghetto in Rom. Kuriosum. Leitender Artikel. Magdeburg, 21. Oktober. Dogmen oder nicht? IV. Was dem Verfasser der mehrfach bereglen Broschüre am meisten am Herzen liegt, das ist: dem Judenthum die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele abzusprechen. Sehr natürlich; denn mit dem Wegfall dieser kann die Jmmaterialität der Seele, mit dem Wegfall dieser die Unkörpcrlichkeit Gottes, mit dem Wegfall dieser die Außerweltlichkeit Gottes aufs leichteste weg eskamotirt werden, dafür mit einer leichten Taschenspielerkunst der Pantheismus, d. i. der Atheismus an die Stelle geschoben werden, und was ist dann Judenthum? Zunächst schüttet der Verfasser sein eigenes Herz aus, indem er behauptet: „Führen wir doch heute noch den Namen Unsterblichkeit nur im Munde, ohne einen Begriff damit verbinden oder einen physikalischen Beweis dafür geben zu können." Den „physikalischen Beweis" schenken wir ihm, denn erst müßte der Herr R. L. S. M. einen physikalischen Beweis liefern, daß er überhaupt denkt; kann er dies nicht, und er behauptet dennoch, daß er denkt, so wird er zugeben müssen, daß trotz dem Mangel eines physikalischen Beweises das waS in ihm denkt auch nach dem Tode fortdaüern könne; kann er den physikalischen Beweis ja liefern, nun so hat er ihn zugleich für diese Fortdauer mitgeliefert. Wir gehen aber weiter und sagen, mit dem ersten physikalischen Beweise, d. h. mit dem ersten Beweise auf wahrnehmbar körperlichem Gebiete wäre gerade gegen die Unsterblichkeit der erste Beweis geführt, und der Vers, weiß wahrscheinlich so wenig was in Wahrheit „physikalischer Beweis" ist, als er wußte was Dogma ist. Lassen wir dies also, so müssen wir doch ernstlich dagegen protestiren, daß man „den Namen Unsterblichkeit im Munde führe, ohne einen Begriff damit zu verbinden." Dem Verfasser vermag dies so zu gehen, ich habe aber, Gott sei Dank! sehr viele Menschen gekannt, die allerdings wußten, was sie bei diesem Gottgegebenen Worte zu denken hätten. Wie? haben wir keinen Begriff von unserm Selbstbcwußtsein? Haben wir keinen Begriff von unseren seelischen Thatigkeiten? Nun, die Unsterblichkeit heißt: daß, indem dieser Leib seine Lebensfunktionen einstellt, indem dieses Herz zu klopfen, dieses Blut zu zirkuliren, diese Lunge zu athmen, dieser Magen zu verdauen u. s. f. aufhört, indem diese Nerven ihre Thätigkeit nicht mehr auf die Muskeln und Sinnesorgane auSüben u. s. f., daß hiermit unser Selbstbewußt-