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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-24 · Heft 44 (24.10.1853) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 44 (24.10.1853)
Date
1853-10-24
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 Da betet er und spricht: „Gieß Thau in seine Noth!" Wo eines Auges Gluth In Glück, in Schmerzen flammt, Ucbt er sein Beteramt: „Gieb ihm der Thränen Fluch!" O frommes Dichterherz! Du darbst beim reichen Mahl, Und bist fiir jeden Strahl Ein tönend Memnonserz. Die Schweiz. Aus dem Aargau, im September. Der „Schweizerbote" enthält folgenden Artikel: In Betreff daß die aargauischen Israeliten als Angehörige der Eidgenossenschaft angesehen werden und als solche sich geltend machen, daher so gut wie die christlichen Glaubensgenoffen an der Feier des eidgenössischen BettageS Theil nehmen und sich jedes Geschäftsbetriebes und geräuschvollen Treibens enthalten sollen, hat der RegierungSrath beschlossen, es haben sich fortan die im Kanton aufhaltenden Israeliten allen, die Begehung des eidgenössischen Betrages beschlagenden, polizeilichen Vorschriften zu unterziehen und eS feien die beiden israelitischen Vorfteherschaften angewiesen, sich mit der Erziehungsdirektion über eine künftige, angemeffene kirchliche Feier nach mosaischem RituS in Einverständiß zu setzen und alsdann dem RegierungSrathwieder Bericht zu erstatten. Frankreich. Paris, im Okwber. (Nach den srcd. isr. äe kr.) Am 29. September fand im Konsistorialtempel die Installation des Großrabbinen desZentralkonfistoriums, des Herrn Ulmann, feierlichst statt. Unter Orgelklang wurde das Konsistorium eingeführt, es war vertreten durch Herrn Oberst Mar Cerfberr, Präsident, mit dem Kommandeurkreuz der Ehrenlegion geschmückt; Professor Franck, die Herren AnSpach und Javal. Der Oberst Cerfberr sprach zuerstund zwar über die Wahl selbst, die Herr Ulmann durchaus nicht afpirirt hat. Dann drückte er sich folgendermaßen auS: „Unser uralter Glaube, ewig und | unveränderlich wie die Wahrheit, hat nichts von der I Zeit zu fürchten, hat nichts zu erwarten von ihr.*) Alle Religionen jüngern Ursprungs, haben geschöpft auS ihm. Er aber war nur aus dem göttlichen Gedanken geschöpft: dies ist das ganze Geheimniß seines unbefieglichen Widerstandes. Vereinigend die Weihe der Jahrhunderte mit der natürlichen Evidenz, und die. erhabensten Inspirationen mit der Stimme der Vernunft, empfängt er unter seinen wohlthätigen Schutz die ganze menschliche Seele mit allen ihren Eigenschaften; bereitet sie für alle Lagen und alle Verhältnisse der Gesellschaft; läßr sie Alles wissen, was sie erheben und unterstützen kann. Das Dasein eines unkörperlichen GotteS, unendlichen Schöpfers der Welt und Vorsehung; die Einheit des menschlichen Geschlechts, abftammend von demselben Paare und auf immer eine Familie bildend; die göttliche Vorschrift „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst," als den Kern des Gesetzes betrachtet; vas tröstliche Dogma von der Unsterblichkeit der Seele und der dereinstigen Vereinigung aller Menschen, das Ende der Gewalt und deS Krieges, dies ist es waS zum ersten Male lehrten unsere Ueberlieferungen und unsere Schriften, unsere Lehrer und unsere Propheten. — Aber diese heiligen Lehren, stets gegenwärtig dem Geiste unsrer höheren Geister, waren lange Zeit in der Menge verdunkelt, unter dem Gewichte der Schmach und der Duldung. Die schlimmen Tage unsrer Geschichte hatten auf ihnen wie eine Wolke zurückgelaffen, welche die ernsten Belehrungen unsrer Seelsorger, die ausdauernden Anstrengungen unserer Administrationen, der heilsame Einfluß unserer Jugendlehrer und die ausgezeichneten Vorbilder noch nicht ganz zu zerstreuen vermochten wahrend 60 Jahre der freien Bewegung und ununterbrochener Fortschritte." Der Redner, der außerordentlichen Beifall fand, rechnet daher auf den neuen Großrabbinen. Man kann leicht einsehen, waS Cerfberr meinte — er will, daß der Menge die Wichtigkeit der Lehre und Moral vor der Maffeuhaftigkeit der bloßen Form gelehrt werde. Der neue Großrabbine sprach seinerseits; so wie aber seine Stimme nicht ausreichend ist, so daß ihn die Mehrzahl der An- *) Dies ist nur von gewissem Standpunkte wahr — hat es keine Zeiten der Jerobcams gegeben? und findet im Zuventhume gar keine Entwickelung statt? lebt sich das Zudenchum nicht immer mehr am Menschlichen dar, und soll dies nach den Aussprüchen der Propheten? Red. d. A. Z. d. Judenth.

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