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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-24 · Heft 44 (24.10.1853) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 44 (24.10.1853)
Date
1853-10-24
Page
Seite 557 (sequence 5)
Language
German
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557 diesem Jahre gleichfalls für die Skulptur ausgesetzt war, hatte sich nur ein Bewerber gestellt. Doch da die Statuten dieser Stiftung eS zulassen und das eingesandte Kunstwerk von den Kuratoren für des Preises sehr würdig erkannt wurde, so empfing denselben der Bewerber, Bildhauer Ludwig Sußmann, jüdischer Religion, zweinndzwanzig Jahre alt, welcher schon im Jahre 1851 diesen Preis gewonnen hatte. Eine dreimalige Bewerbung ist gestattet. Der Künstler befindet sich in Rom und hatte sein Werk, einen trunkenen Faun, der sich an einen Baumstamm lehnt, in GypSmodell eingesendet. Leider hat die Figur (welche nebst den vier konkurrirenden Reliefs im Nebensaale zur Ansicht aufgestellt war) durch den Transport wesentliche Beschädigungen erlitten; die ausgezeichnete Schönheit deS Kunstwerks ist nichts destoweniger vollkommen erkennbar geblieben. Berlin, im Oktober. Es bestehen in Preußen in einzelnen Theilen der Monarchie für die Juden spezielle Familien- und erbrechtliche Gewohnheiten, die in dem jüdischen Ritualgesetze ihren Grund haben. Ob diese nach Emanation der Verfassungsurkunde noch Geltung haben, wird nächstens von dem Obertribunal in letzter Instanz entschieden werden. Ein westfälisches Appellationsgericht hat in der Sache be- , reitS erkannt und die Frage verneint. Die Angej legenheit ist einestheils für die bei unS in mancher Beziehung noch partikularistifchc Stellung der Juden, namentlich aber für das preußische VerfaffungSrecht von einer nicht geringen prinzipiellen Bedeutung. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, 16. Oktober. (Privatmitth.) Ich kann Ihnen nicht sagen, welche tiefe Niedergeschlagenheit im Publikum herrscht. Seit vier Jahren find die Vorbereitungen getroffen worden; um den Juden für das neue Leben zu bilden. Auch zeigte sich überall reges Leben. Bald sollte der Spruch der Propheten: eS soll kein Krämer mehr im Hause GotteS sein (die Haphtora von Sukkos) in Erfüllung gehen. Ganze Gemeinden bildeten sich für den Ackerbau und legten Scheere und Elle weg. Die Jugend wurde auf die neuen Wege geführt, um sie dem Staatsleben zuzuführen, und nun ist alles Nichts. — ES werden Vorbereitungen getroffen, um Petitionen an Se. Majestät zu überreichen. Das Gesuch für die wiener Gemeinde verfaßte Herr Jos. Wertheimer, und wie ich höre, soll es ausgezeichnet stilisirt sein. Dem werden sich dann andere Gemeinden anschließen. Hoffen wir, daß der milde Sinn deS Kaisers noch für das Wohl und Heil Israels stimmen möge. — Für den neuen Tempelbau sind 143,000 Fl. erngelaufen, und eS wird also begonnen zu bauen. — Der Zufall fügte es, daß ein Gedicht „Thau" von dem rühmlichst bekannten Dichter L. A. Frankl, der in der letzten Zeit auf dem G^>iete der Poesie sehr schweigsam geworden ist, welches er vor Jahren geschrieben hat, jetzt in dem Taschenbuche: „Gedenke mein" für 1854 erschienen ist. Ich glaube Ihren Lesern einen Gefallen zu erweisen, wenn ich eS mitlheile: Thau. Von Ludw. Aug. Frankl. Wie schön ist das Gebet, Wenn bei des Frühlings Nah'n Der Sohn aus Kanaan Um Thau zum Himmel sicht. Wenn sein Gesang beginnt Aus alter Tempel Bau: „Laß rieseln deinen Thau, Und wehen deinen Wind!" Wie rührend sein Erglüh n! Der Acker ist nicht sein. Die Wälder nicht, der Wein — Wenn sie nur Andern blüh'n. Das ruft und singt und bebt Zum Lenz hinaus so klar, Wie weißer Tauben Schaar Auf grünen Hügeln schwebt. Er hat ein solch Gemüth Der fromme Dichter auch: Ein jedes Lied ein Hauch, Von Menschenlieb durchglüht. Wie ist er hold beglückt, Ist auch nicht sein daS Land, Wenn Thau als Diamant Und Perle nur es schmückt. Wo auf dem Ambos roth Ein Herz in Qualen bricht,

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