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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-24 · Heft 44 (24.10.1853) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 44 (24.10.1853)
Date
1853-10-24
Page
Seite 555 (sequence 3)
Language
German
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553 legenheit den Landbau mir zur Nebenbeschäftigung zu machen und brachte dieser Zdce zu lieb das Semester vom April bis September 1835 bei Fellenberg in Hofwyl*) zu. Ich veröffentlichte dieselbe durch das Organ des Füllhorns 1835, des Courier <lu bas Rhin in Straßburg gleichen Jahres, und der Zeitschrift von vr. Geiger 1836, in letzterer besonders mit einer Empfehlung von vr. Jost begleitet. — Im gleichen Jahre versammelte sich auf dem holet de ville zu Hüningen, unter dem Präfidio deS damals schon um Bildung und Aufklärung eifrig bemühten Rabbiners Nordmann von Hegenheim, ein Komite von Notabilitätcn christlicher und israelitischer Konfession aus Basel und Oberelsaß, welches die Realifirung dieser Idee durch Einrichtung einer landwirthschastlichen Schule für Israeliten auf dem Ochsenfelde zwischen Cernai und Thann zum Ziele hatte. Das Komite ging von dieser Idee hauptsächlich darum ab, weil cs deren Rcalifirung in zu großartigem Stile Vorhalle, wozu die Mittel fehlten. Die heute in Mühlhausen blühende ecole des arls et metiers der Israeliten hat nun ihre Entstehung diesem Komite zu verdanken. Die hohe aargauische Regierung, der ich um diese Zeit meine Idee mittheilte, ging sogleich darauf ein und war bereit Hand zu bieten, an deren Ausführung Familienverhältniffe und Schicksale mich verhinderten. Don der Ausführung meines Gedankens bin ich um so weniger abgegangen, da ich dieselbe bei weitem nicht so schwierig halte, als Mancher es glauben möchte, und so ich weit davon entfernt bin, mir dieselbe nach einem großartigen Plane vorzustellen. Ein bescheidenes Bauernhaus mit Scheune und Stallung, Garten und Baumgarten und einigen Jucharten Landes, welches groß genug, um daß sechs arme Kinder, welche dem Landbau gewidmet und für denselben erzogen werden, Wohnung finden, würde vor der Hand hinreichen, um eine Grundlage als Versuch einer solchen Anstalt zu bilden. Die ganze Oekonomie der Anstalt müßte aus folgendem bestehen: 3 Jucharten**) Mattland, um zwei Kühe zu erhalten, 1 - Kleeacker, 1 - für Kartoffeln, 2 - zum Getreidebau, V2 - zu Gemüse, *- Wahrscheinlich ist diese zur Zeit weltberühmte landwirthschafliche Anstalt bei Bern wohlbekannt. Kvrresp. **) 1 Juchart 32,000 pariser Quadralfuß. 1lz Juchart zu Raps, Vs - Gartenland. Also im Ganzen 8*/2 Jucharten. Spezielles über Aufnahme der Zöglinge möchte ich hier nicht anführen, so lange die Sache nicht mehr reclen Boden hat. Jedenfalls dürften die ersten Zöglinge, welche die Stammfamilie bilden sollen, nur solche sein, welche in sittlicher Beziehung nicht vernachlässigt find und in der Regel nur solche von 8—12 Jahren ausgenommen werden. Eine nur mäßige Unterstützung wohlgesinnter Menschenfteunde würde im Stande sein die materiellen Mittel zur Verwirklichung dieses Planes herbeizuführen. Denn sobald durch ein Komite oder anderweitige Verwendung hinlängliche Subskriptionen erzielt wären, um die Unterhaltungskosten von 6 Zöglingen auf 6 Jahre zu decken, so könnte ich mich unterstehen, auf eigene Kosten ein kleines für unfern Zweck entsprechendes Gut anzukaufen, und das um so mehr, da in gegenwärtigem Augenblicke eine sehr günstige Gelegenheit in meiner Nachbarschaft sich darbictet.*) In Beziehung des Unterrichts müßte sich unsere Anstalt an die israelitische Gemeindeschule dahier, eine gehobene Sukzesfivschule mit 3 Lehrern, welche zu den besseren Schulanstaltcn zählt, anschließen, wie dieses theilweise bei den ecoles des arts et wetiers zu Mühlhausen und Straßburg geschieht. Daß eine solche Anstalt Gutes wirken könnte, ist; leicht einzusehen für den, der die Agrikultur nach ihrem Werthe zu würdigen weiß. Es wäre schon etwas Gutes, wenn eine gewiße Anzahl Menschen dadurch befähigt würden für sich und die Ihrigen ihre Lebensmittel oder wenigstens einen Thcil derselben zu produziren. Meines Erachtens würde die Steigerung der Lebensmittelpreise nicht in dem Maße stattsindcn können, wie cs seit einigen Jahren der Fall ist, wenn nicht so viele Hände dem Landbau entzogen würden, statt daß jede Familie einen Theil ihrer Bedürfnisse selbst produziren sollte. Gewiß ist die Wirkung derartiger Anstalten auch darin eine heilsame, daß sie dem in materieller wie in sittlicher Beziehung *) Neben einem Hause am äußersten Ende des Dorfes steht isolirt ein einfaches aber großes Bauernhaus mit Scheune, Stallung, Waschhaus, Speicher und Baumgarten. Mit demselben ist das Recht verbunden die Erkremente der in hiesiger Metzge geschlachteten Thiere zu benützen, was wenigstens zur Düngung von 4 Jucharten Landes hinlänglich ist, um den Preis von 2000 Fl. K orrcsp ondent.

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