Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 44 (24.10.1853)
- Date
- 1853-10-24
- Page
- Seite 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Sn Preußen kann man mit Recht sagen, daß der Jude seit 41 Jahren alles Bewußtsein eines partikularistischen Rechtes verloren hat, daß er, so konservativ er in religiöser Beziehung ist — denn der Kultus selbst iss in den preußischen Synagogen viel weniger reformirt als in irgend einem deutschen Lande — doch von einem partiellen jüdischen Recht nichts wiffen will. Sollen ihm dennoch partikularistische Rechte wieder aufgedrängt werden? Auch vom „Recht" ist cs, daß es, in seinem Grundelement immer daffclbige, doch aus dem durch die Verhältnisse der Zeit sich bildenden Bewußtsein immer anders hervorgeht, und „Recht" ist am Ende die Befriedigung Dessen, was für Recht gehalten wird. Die Beschränkung des GrnnderwerbeS ist in national-ökonomischer Beziehung schlimm. Nichts bedarf in unsrer, der Industrie und dem Geldhandel vorzugsweise zugewandten Zeit des Geldzujluffes so sehr als der Landbau, die Landeskultur. Es ist durchaus nicht gleichgiltig, ob die Kapitalien, die in jüdischen Händen find, auch auf den Grundbefitz verwendet werden können, oder ob sie gezwungen find, sich durchaus davon fern zu halten. Noch dazu in Ländern, wo der Bodenwerth noch lange nicht die Höhe erreicht hat, die er inne haben könnte. Eben so schlimm ist es für die Juden, denn am Ende ist der Grundbefitz die alleinige solide Grundlage alles Besitzes; er bringt das Bewußtsein, ein Vaterland zu haben, zum Abschluß... Ach, und es ist so schmerzlich zu verlieren, was man schon gehabt hat... Nun, haben wir noch nicht alle Hoffnung verloren) vielleicht regelt die hohe Regierung es so, daß diese Beschränkung nur für die Länder gilt, in welchen bis jetzt Juden nicht wohnen durften, hingegen für die wegfällt, in denen unsere Glaubensgenossen ihre uralten Sitze haben. Das jüdische Volksblatt. Mit Vergnügen, ja mit Freude bemerken wir, daß unsre Bitte und Hoffnung, die Herren Rabbinen und Lehrer werden sich der Verbreitung annehmcn, in Erfüllung zu gehen scheint. Herr Konfistorialoberrabbiner Bodenheimer in Krefeld hat in einem Zirkulär an alle Gemeinden seines Spreugels zum Abonnement aufgefordert und Probenummern gesandt. Herr Rabbiner vr. Schwab ach er in Schwerin an der Warthe und Umgegend hat daselbst und in der Umgegend durch seine Empfehlung eine große Zahl Subskriptionen bewirkt. Wir werden von noch vielen Seiten zu berichten haben. Der 'geeignetste Weg ist hierbei: der Herr Rabkine, Lehrer oder Gemeindevorsteher, der sich der Sache annehmen will, läßt sich eine genügende Anzahl Probenummern durch eine Buchhandlung ho.m Verleger, Herrn Baumgärtner in Leipzig, kommen, oder auch durch Brief von uns, die er gratis erhält, vertheilt sic mir einer Empfehlung durch einen Kolporteur, läßt dann durch denselben auf einem Subskriptionsbogen unterschreiben, und übergiebt dann letztere zur weitern Besorgung der subskribirten Eremplare einer prompten Buchhandlung. Diese wird die Kosten deS Kolporteurs gern tragen.*) Ober-Endingen im Aargau, 9. Oktober. Zrne Förderung des Landbaus. In Nr. 39 Ihres verchrlichen Blattes sprechen Sie als drittes Stück Ihres Programms den Wunsch aus: „Schaffet so viel konkrete Institute für das Judenthum, für die jüdische Masse, als möglich." In Bezugnahme auf diesen Wunsch bin ich so ftei, Ihnen die Idee zu einem Institute mitzurheilen, an welchem es meines Wissens dem Judenthume heutzutage noch mangelt, an dessen Einrichtung aber Israel gelegen sein sollte, nicht darum, weil in der christlichen Welt eine Menge solcher Anstalten eristiren; sondern weil es dem Zudenthum ersprießlich wäre. Ich meine ein Institut, worin israelitische Knaben Gelegenheit hätten zur praktischen und theoretischen Erlernung des Landbaues. Unter den idealen Bestrebungen meiner Jugend, in der Begeisterung für die Erziehung und sittliche Verbesserung unserS Volkes ist besonders dieses Projekt lebhaft in mir erwacht, von meinen intimsten Freunden mit Wärme gehegt worden und, aufgcmuntert durch diese, machte ich mir dasselbe zum Licblingsprojekte, von dem ich mich seither nicht ttennen konnte. Von Jugend auf hatte ich Ge- *) Mehrfach hat man uns bemerkt, daß das Eremplar der Probenummern, welches jedem Eremplar dieser Zeitung beigelegt worden, nicht mir angekommen sei. Es kann dies nur bei den durch die Post bezogenen Exemplaren geschehen sein, da die Post Beilagen, die nicht desselben Druckes und Papiers, wie das Blatt selbst, find, I mir Zeitungen nicht erpedirt.