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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-17 · Heft 43 (17.10.1853) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 43 (17.10.1853)
Date
1853-10-17
Page
Seite 546 (sequence 10)
Language
German
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546 nehmen würde. — Daß Sie häufig UeLertragungen aus neueren Sprachen in diesen Heften begegnen, ist natürlich, da fie oft zur Uebung gemacht werden. Ucberhaupt ist es charakteristisch, während in Deutschland Uebcrtragungen aus hebräischen Gedichten mit vielem Fleiße gemacht wurden — und haben die Herren Sachs, Geiger, Kämpf u. dgl. Treffliches geleistet und die jüdischen Dichter des Mittelalters in die deutsche Literatur eingeführt; hat man in Oesterreich die deutschen, franzöfischen Dichter auf hebräischen Boden verpflanzt. ES bestätigt sich hier wieder die Bemerkung Delitzsch', daß die neuhebräische, poetische Literatur eine wahre Polyglotte ist, in der der Geist der Deutschen, Italiener, Franzosen und Slaven durchschimmert. — Zum Schluffe kann ich nicht eine neuere größere Erscheinung unerwähnt laffen, die kürzlich erst die Presse verlassen und worin mir die Einsicht auf wenige Augenblicke bloS gestattet war. Herr B. Kewall hat ein Epos, Josua, erscheinen lassen, das gewiß dieS so wenig betretene Gebiet der jüdischen Poesie bereichern wird. '■a 'im b&nc’ rn«33£ ND, ist der Titel des bei Schmidbauer und Holzwath in Wien cdirten epischen Gedichtes. Eine Charakteristik der hebräischen epischen Gedichte, die Wessely mit seinen rPissn begonnen und vollendet, denen sich dann “p: von S. Kohn und rPiNsn von Stern und jetzt rtDiSv von Kewall angeschlossen, dürfte nicht uninteressant sein und einen v ortheilhaften Uebcrblick gewähren. O p h. Korrespondenzen. Kultusreform. (Schluß.) Lengsfeld, im August. Den mufikaischen Theil des Gottesdienstes anlangcnd und die Manier deS Vortrags, habe ich dort die Ausbeute nicht gefunden, die ich mir versprochen hatte, wenn sie auch immerhin die Reise lohnte. Der Grund liegt darin, daß es dort noch an einem tüchtigen Vorbeter fehlt. Man hat schon seit Jahr und Tag die Vorbeterstelle mit Zusicherung eines bedeutenden Gehaltes ausgeschrieben, auch hat eS an Bewerbern nicht gefehlt; allein man hat doch den rechten Mann noch nicht finden können, llnd man thut wohl daran, sich darin vorzusehen. Man ist nämlich bezüglich der Dorbeter während der letzten 50 Jahre von einem Errrem ins andre verfallen. Don dem übermäßigen Werrhe, den man früher den eigentlichen Vorbeterleistungen beigelegt, ging man zur völligen Geringschätzung derselben über. War früher der Chasan Alles, der Lehrer Nichts, so wollte man später nur gute Lehrer, nach seinen Chasanleistungen. fragte man nicht. Und wo der Chasandienst eine selbstständige Stelle bildete,, betrachtete man fie als Versorgungsstellen für rninirte Bat Battim (schöne Berjer). So ist das Chasangeschlecht fast ganz ausgestorben. Wo was für den Gottesdienst geschehen sollte, begann man mit der Einrichtung eines Chores, mit der Einübung von Chorälen. Im ersten Eifer ging Alles vortreffliche Da strömte Alles, was. eine» Stimme hatte, und keine hatte, wer von Roten etwas verstand und wer nichts verstand, Reich und Arm, Jung: und Alt zu den Uebungcn, zu den Proben und Auffüh» rungen. Bald aber ward die Geschichte lahm. Die Dirigenten schimpften auf ihr Chorpersonal, das Chorpersonal auf ihre Dirigenten. Von den weithinschallrnden, vielstimmigen Gesängen blieben nur noch die schrillenden: Töne des. Diskants, mit dem sich ein Paar arme Schulkinder abmartctten. Diese Erscheinung, die in Deutschland so ziemlich allgemein sich gezeigt hat, erklärt sich unter Anderm daraus, weil dieser Gesangstil und die denselben untergelcgten Texte der Synagoge fremd sind. Tic erwachte Reform verglich den Anstand der Kirche und das Durcheinander der Svnazogc und glaubte dieser damit aufzuhclfen, wenn fie den Kirchcnstil der Synagoge aufpfropfte. Es will aber Alles nach seinem eigenen Leisten zugeschnitten, es will Alles charaktergemäß behandelt sein. Die Synagoge kennt kein Chor und keinen Choral. Sie hat nur das Solo des Vorbeters und das Tutti der Gemeinde. Diese haben lange einen unaussprechlichen Reiz auf die Synagogenbesucher geübt. Sie! würden es auch noch, wenn Beiden mehr Aufmerksamkeit zugewendet worden wäre. Für den Vorbeter ist durch den Schatz der vorhandenen Synagogenmelodien hinlänglich gesorgt. Dieser muß nur bestrebt sein, sich von den Auswüchsen und Schnörkeln derselben fern zu halten und das Bleibende mit Geschmack und Ausdruck vorzutragen. Das Tutti der Gemeinde kann fteilich in seiner alten Wildheit nicht mehr geduldet werden. Hier hat nun das Chor seine Bestimmung zu erfüllen und nur hier. ES soll bei dem Tutti der Gemeinde den Anhalt geben und den Takt und die Einstimmigkeit erhalten. Hier wäre auch noch ein Feld für tüchtige israelitische Komponisten, die für die Synagoge was zu thun bereit wären. Indem es für die Partien der Gemeinde an schönen und doch einfachen und leicht singbaren Melodien fehlt. WaS dar-

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