Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 43 (17.10.1853)
- Date
- 1853-10-17
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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545 einen Juden, der zu keiner andern Religion übergetreten und der fortwährend behauptet Jude zu sein, und von einer jüdischen Gemeinde, die der Herr Präsident selbst als solche erkennt, zu ihrem Vertreter gewählt worden, zu einem Nicht-Mehr-Jude erklären könne? Weder die Nichtfeier deS zweiten unmosaischen Festtags, noch das Beten um 10 Uhr Sabbats, noch daS Weglaffen eines Pijuts sind genügende Kriterien. — Jndeß wozu streiten, da Fanatismus und Intoleranz niemals Argumente anerkennen. — DaS mehrgedachte Konnte scheint übrigens Unglück zu haben, denn die ganze Untersuchung scheitert an einer Formalität. Der Präsident Sir Moses schreibt an I. L. Elkin, Esq., indem er ihn „Präsident der Margarethstreetgemeinde" titulirt, und I. L. Elkin replizirt, daß er Mittheilungen nur unter dem Titel „Präsident der West-London-Synagoge brittischer Juden" empfangen könne, da er eine „Margarethstreetgemeinde" gar nicht kenne. Sir MoseS geht in diese Falle nicht ein, und beruft sich auf die Resolution des board, wo nur von der Margarethstreetgemeinde die Rebe sei. Herr Elkin läßt sich auf nichts Anderes ein, und die Korrespondenz ist abgelaufen. Literarische Nachrichten. Ans Mähren, Mitte September. Literarische Skizzen. Es gewährt ein wahrhaft wohlthätiges und erhebendes Gefühl, bei der leider zu gerechten Klage von der fast gänzlichen Abnahme der Kenntniß der hebräischen Sprache im Judcnthumc, die edlen Bemühungen der Freunde der hebräischen Sprache von einem günstigen Erfolge gekrönt zu sehen. Noch zählt die hebräische Sprache und Poesie viele warme und geniale Vertreter, die ihr immer freundliche Aufnahme, beim freilich noch immer lauen Publikum, zu verschaffen bemüht find. Seitdem Delitzsch seine mit wahrer Begeisterung geschriebene Geschichte der jüdischen (neuhebräischen) Poesie, Leipzig 1836, herauSgegeben, ist diese Literatur mit so manchen trefflichen Gaben bereichert worden, die einen nicht unbedeutenden Fortschritt beurkunden. Am anerkanntesten sind hierin die edlen Bestrebungen des Herrn M. E. Stern in Wien, der mit wahrem Eifer für die heilige Sache sein Ziel verfolgt. Herr Stern giebt seit dem Jahre 1843 zu diesem Zwecke eine hebräische Zeitschrift in Heften unter dem Titel: Kochbe Iizchak (pnsr heraus, die sehr oft rühmlichst in diesen Blättern erwähnt wurde. Vor Kurzem ist nun das 18. Heft deS Kochbe Iizchak, Wien. 8. 96 S. erschienen, daS das beste Zeugniß von dem Gede.hen und dem lebensftischen Geiste (->'n y,:733) dieser Zeitschrift ablegt. Den vorwiegenden Theil derselben bilden, in allen 18 Heften, Poesien und Gedichte, dann exegetische, philologische und diverse Abhandlungen. Sie linden hier Italien und Polen, Ungarn und Mähren, Poeten aus dem Czechenwie aus den Deutschen-Landen vertreten. Herr Stern bat einen zahlreiche Mitarbeiterkreis, die sein Unternehmen uneigennützig fördern, um sich versammelt, worunter Sie meist jüngere Talente, aber auch rühmlichst bekannte Männer,;. B. Herr S.L. Lu;- zato, finden. Aber die Leser werden erstaunen, wenn ich ihnen sage, daß sie auch unter den Mitarbeitern das schöne Geschlecht vertreten finden. Die würdige geniale Vertreterin des zarten Geschlechtes auf dem Gebiete der hebräischen Poesie ist: Rachel Marpurgo, geborne Luzzato aus Triest, deren witzigen und geistreichen Arbeiten: Sonnrtte, Episteln, Gelegenheitsgedichte wir in den meisten Heften begegnen und den Kochbe Zizchak's zur wahren Zierde gereichen. Rachel Marpurgo verräth eine solche Gewandtheit in der hebräischen Sprache, eine solche auSgebreitete Kenntniß der Literatur derselben, sogar des Sohar, die wahrhaft Bewunderung verdient und gewiß zu den seltensten Erscheinungen gehört. *) — Nicht unwürdig der trefflichen Italienerin, die schon in vorgerückten Jahren sein soll, zur Seite, steht nun ihre jüngere Schwester aus Polen, nämlich: Zetty Wohllern er, von welcher Heft 18 ein Schreiben veröffentlicht ist, worin sich die edelste weibliche Gesinnung ausspricht. Herr A. Langbank, der erwähntes Schreiben mitgetheilt, forderte Frau Wohllerner auf, die Früchte ihrer Muse der Oeffentlichkeit zu übergeben. Frau Wohllerner weist nun dieses Anfinnen mit Bescheidenheit zurück, indem sie jetzt als Gattin und Mutter heiligere Pflichten habe und die Beschäftigung mit der hebräischen Poesie aufgegcben u. dgl. Das Schreiben tragt das Gepräge inniger Vertrautheit mit dem Geiste des HebräismuS und eines feinen Gefühls, das auf viel Talent und Geist der Schrciberin schließen läßt. Herr Langbank und Herr Stern in einer Anmerkung laden nun Ietty Wohllerner ein, ihre Schüchternheit abzulegen und ihre Arbeiten zu veröffentlichen, die Letzterer in seiner Zeitschrift gerne auf- *) Schade, daß sie sich jüngst dem Kabbalismus zu sehr in die Arme geworfen. Redakt. 43*