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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-17 · Heft 43 (17.10.1853) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 43 (17.10.1853)
Date
1853-10-17
Page
Seite 542 (sequence 6)
Language
German
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542 Neuschule sind vorhanden, welche wohl einige Hunderte, nicht aber die vielen Tausende von jüdischen Seelen, die dort hinströmen, um ihr Herz vor Gott auSzuschütten, fassen können. Erstere ist ein recht kellerartigeS Gemach; die Stellen stehen nord-, füd- und westwärts, untereinander, alle Einrichtungen sind noch aus dem grauesten Alterthume her, und der GotleSdienst, welcher daselbst abgehalten wird, kann auch blos die befriedigen, welche beim Alten streng verharren und nicht um einen Schritt weichen wollen. Der zweite Tempel, die Neuschule, verdient erst seit einigen Jahren diesen Namen, seitdem er neu formirt wurde. Der Gottesdienst ist der deS Alterthums, und mangelt es besonders an Ordnung, da der kleine Raum kaum die Hälfte der Hinftrömenden fassen kann. Ueberall erblickt man plaudernde Gruppen, die sich hinter der Menge desto besser verstecken können. — Wenn eS also an den gewöhnlichen Sabbaten an Raum für die nach dem Tempel eilenden Juden gebricht, wie erst an den heiligen Feiertagen?! — Da wird hier mit dem Gottesdienste Schacher getrieben, indem Privatleute Salons miethen und sie zu Gotteshäusern umgestalten. Aber welche Andachtslosigkeir herrsch: in solchen Heiligthümern! Da wo noch Abende vorher Menschen niedrer Klasse in wirbelden Kreisen sich herumdrehten, wo selten der Fuß eines ordentlichen Mannes das Getäfel betritt, wo man ringS um sich her nur Laster und Ausschweifungen erblickt, von solcher Stätte aus wird das Gebet zu Gott hinaufgescndet, und hier soll seine Heiligkeit einziehen?! — Die vielen Götter und Göttinnen die man an den Wanden erblickt, die verschiedenen Verzierungen des Orchesters und deS ganzen Saales und der Vorderer selbst, der nicht im Geringsten dazu befähigt, für Geld, die Abhaltung deS Gottesdienstes übernimmt; ziehen nur daS Auge und das Herz des Menschen von der Andacht ad. — Kaum das fh Fest zu Ende ist, werden Stühle, Tische und Alles, waS heilig ist, hinausgeworfen, und noch an selbigem Abend hört man schöne Musik vom Orchester schallen und auf dem Boden, wo einige Stunden vorher die Gemeinde Israels in Demuth vor Gott da lag, drehen sich Knechte und Dienstmädchen taumelnd umher, und jede Spur von Heiligkeit ist verschwunden bis zum ^-Feft, an welchem Tage der Tanzsal wieder zum Berlokal umgeschaffen wird. Solchem Treiben können die Juden hier ruhig zusehen. die, wenn eS gelten möchte, eine kleine Zeremonie abzuschaffen, mit aller Energie dagegen auftreten würden. Und die Juden sollen frourw genannt werden?! Schöne Frömmigkeit!! — Möchte ihr Streben lieber dahin gerichtet sein, ein schönes Gotteshaus zu errichten und durch einen geregelten, feierlichen Gottesdienst das Herz des Menschen zu erbauen; o gewiß! eher würden sie den Segen GotteS und der Menschen erlangen, als dadurch, daß sie sich immer fester und fester in den dunkeln Mantel der Zeremonie hüllen, und alles von sich stoßen, was ihren Ansichten (!!!) nicht entspricht. N. R. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 5. Oktober. (Privatmitth.) Die Toleranz unserS ritterlichen Kaisers hat sich schon wieder durch einen schönen Zug argumentirt. — Seil einigen Wochen weilt in unsrer Mitte der Rabbiner Joseph Schwarz aus Jerusalem, rühmlichst bekannt durch seine wissenschaftlichen Forschungen über die Geographie und Topographie Palästina'S. Derselbe hat Sr. Majestät dem Kaiser ein Eremplar seines von seinem Neffen, dem Rabbiner Dr, Jsr. Schwarz in Bayreuth, deutsch bearbeiteten Werkes „das heilige Land" überreicht, und darauf die goldene Medaille erhalten. Diese Medaille zeigt auf der einen Seite das Bild des Kaisers, auf der andern die Worte Liter« et Artibus. Dem gelehrten Orientalen wird noch überdies die hohe Ehre zu Theil werden, in besonderer Audienz dem gütigen Monarchen vorgestellt zu werden. —. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Wien hat dem Dr. Salomon für seine jüngst hier gehaltene Predigt eine goldene Dose überreicht. ZVien, im Oktober. Die „Augsb. Allg. Ztg." erzählt Folgendes: Aus dem Lager von Olmütz erfährt man folgenden schönen Zug unserS Kaisers: .Bei der Musterung eines Kavallerieregiments bemerkte der Kaiser einen Wachtmeister, dessen Brust die Tapferkeitsmedaille zierte. „Wo haben Sie dies Ehrenzeichen erhallen?" fragte der Kaiser. „„Bei Custozza, Eure Majestät!" " „Wie kommt eS, daß dieser Wachtmeister noch nicht zum Offizier befördert wurde?" fragte hierauf der Kaiser den daneben stehenden Obersten. Etwas verlegen erwiderte dieser, daß im Regiment weniger offene Stellen als Offiziersaspiranten

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