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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-10 · Heft 42 (10.10.1853) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 42 (10.10.1853)
Date
1853-10-10
Page
Seite 534 (sequence 10)
Language
German
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334 in deren Heimath ausfieht oder auSgesehen! Da vergesse man nicht, daß oft diejenigen, welche jetzt in Wien nach ihren polnischen und ungarischen, böhmischen und kroatischen Einrichtungen schreien, in ihrer alten Heimath zu den heftigsten Oponnenten dieser gehört haben — sehr natürlich, sie haben dort opponirt, und wollen hier auch vpponiren, wem ist ihnen sehr gleichgiltig! Unter solchen Umständen steht jeder leicht ein, daß, wenn daS jüdische Wien nicht einem weiland polnischen Reichstage gleichen soll, das allein Richtige ist: man hält von Dem fest, was die alte wiener Gemeinde gegründet und gebaut hat, erweitert und vergrößert dies, um die Masse der Ankömmlinge zu fassen, geht aber strickte keinen Schritt, rechts oder links davon ab! Wir werden beim Artikel „Gottesdienst" darauf zurückkommcn, weil hierin die Hauptfrage liegt. Diese Bemerkungen vorläufig, um unfern Ausspruch, daß die wiener Gemeinde großen Stürmen entgegenzugehen scheint, zu rechtferttgen, und daß denselben nur durch Festigkeir und Energie mit möglichster Berückfichtigung aller gerechten Forderungen zu begegnen sei, sonst — nicht apres nous, sondern noch in unsrer Gegenwart le äeluge!.... (Fortsetzung folgt.) Krrltrrsreforr». (Fortsetzung.) Lengsfeld, im August. Eine weitere Auslassung in der frankfurter Gottesdienstordnung, die in unsrer nicht stattfindet, ist erzielt in der Einrichtung des dreijährigen Zyklus bei der Vorlesung der Tora. Ein innerer Grund für die Beibehaltung der unverkürzten Verlesung der Wochenabschnitte läßt fich nicht anführen. Die großen Abschnitte, manchen Sabbat gar zwei, find wahre Sandbänke, auf welchen alle Andacht, und mit dieser Ruhe, Ordnung und Anstand scheitern. Die Reduzirung auf ein Drittel ist eine sehr weise Mäßigung. Die ältesten Kasuisten geben dafür einen historischen Anhalt. Allein in unseren Gemeinden würde diese Einrichtung vorerst noch großen Widerstand finden und neue Zerrüttungen herbeiführen. Jedoch die Zeit mag nicht sehr fern sein, wo man allgemeiner von der Nothwendigkeit dieser Reform überzeugt sein wird. Dieser wesentlichen Aenderung zuvor und solche vorbcreirend dürfte die Einführung des deklamatorischen VortragS der Toraabschnilte gehen, wie dieses in Frankfurt der Fall ist, statt der bisher üblichen geschmacklosen Modulation. Hier mag zu erwägen sein, ob es nicht an der Zeit wäre, schon jetzt damit zu beginnen. In der großherzogl. weimarischen Gottesdienstordnung find die Abkürzungen in den einleitenden Morgengebeten reichlicher ausgefallen. In Frankfurt verfuhr man bei der nun einmal nicht zu umgehenden Abkürzung mehr objektiv, bei uns aber mehr subjektiv. In Frankfurt bettachtete man daS Gebetstück, wenn es gefiel, durfte es bleiben, wenn eS mißfiel, wurde es beseitigt. Sogar das "p7ar> ■'*2 vor dem AuSheben der Tora wurde, weil sein Gehalt besonders ansprach, neu hinzugefügt. Bei uns fragte man fich auch bei dieser Revue der Gebetstücke, in welchem Ansehen stehen fie bei der Gemeinde? Die Antwort bestimmte die Entscheidung. Nun find die einleitenden Gebete bis -ieks) fns, wenn auch zu den besten ebräischen Gebetstücken zählend, und die darauf folgenden Psalmen und übrigen Gebetstücke bis mn»"’ doch als verlorne Posten zu bettachten. In sehr vielen Gemeinden find es nur wenige Stammgäste, die Eifer genug zeigen, fich so früh in der Synagoge einzufinden, um diese Gebete mitzusprechen. Ja es ist in Israel die unbegreistiche Unart eingeriffen, je gewichtiger der Mann in der Gemeinde ist, oder zu sein fich dünkt, um so später sich zum Morgengottesdienst einzustellen. Selbst die Rabbinen machen davon keine Ausnahme. Zudem können diese Gebete in der Privatandacht den ganzen Tag nachgeholt werden. Die Abkürzung findet daher hier den unbestrittensten Boden. — Hingegen war man wieder in Frankfurt bei der Abkürzung deS N22->2 122 am Feiertagabend bei der Hand. Es ist dies allerdings ein Gebiet, auf dem, ohne einem der aufgeführten Grundsätze zu nahe zu ttcten, etwas aufgeräumt werden kann. Doch würde eS nur dann rathsam erscheinen, wenn zu einer weitern Ausdehnung deS deutschen Elements später der Augenblick gekommen sein wird. Gegenwärtig ist für eine Abkürzung des ebräischen TheilS des FreitagabendgottesdienstcS keine Nothwendigkeit vorhanden. — Was die Zusammenziehung des leisen und lauten 272b (Schmone Esre) anbelangt, so ist diese vom Standpunkte der vernünftigen Auffassung, so wie der strengsten Kasuisten hinlänglich gerechtfertigt. Allein wenn auch nicht dem größtenTheile der Israeliten, doch dem größten Theile der ständigen Synagogenbesucher würde diese Neuerung ein großer Stein des Anstoßes sein. Was wäre auch bei weiterer Verkürzung gewonnen? Dem ständigen Synagogengänger dauert das jetzige Zeitmaß deS Gottesdienstes nicht zu lange, und diejenigen, die fich dabei

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