Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 42 (10.10.1853)
- Date
- 1853-10-10
- Page
- Seite 532 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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532 alle meine Schulden zu bezahlen. Zu meinen für mich drückendsten Schulden gehören aber unbeantwortete Briefe — o das große Heer! — und unrezensirte Bücher — trübe, mahnende Schatten oft aus jahrelanger Vergessenheit! So will ich denn vor dem heiligen Feste Folgendes thun. Zuerst dem Publikum gegenüber feierlich Protest einlegen gegen all die bösen Voraussetzungen und Abfichten, die meinen Kritiken unterlegt werden. Ich kann es vor Gott versichern, daß ich, so wie ich ein Buch zum Rczcnfiren in die Hand nehme, jede persönliche Beziehung zu vergessen suche. Ich gebe zu, daß auch ein Rezensent ein Mensch ist, und daß er daher Influenzen ausgesetzt ist — aber bewußter Absichten bin ich mir nicht bewußt. Ich kann cs auch erweisen, ich habe die Schriften solcher, die sich mir ziemlich abgeneigt erwiesen, vielleicht nachsichtiger angesehen, als ich es sonst gethan hätte; und Bücher, von denen ich weiß, daß ich sie hart tadeln muß, habe ich deshalb Jahrlang liegen lassen. Nein, es ist für mich stets sehr süß, mich in recht eifrigem Lobe ergehen zu können. Daher protestirc ich einfür allemal. Und dann will ich wirklich kurz über die vielen bereit liegenden Schriften berichten, mit dem Gelöbniß, baldigst ausführliche Kritiken über die Bücher zu geben, welche es — verdienen. — Ueber daS israelitische Recht liegen uns drei wcrthvolle Schriften vor: unter diesem Titel die Amtsredc des Professors Schnell zu Basel, die zweite Auflage des ,,mosaischen Rechts" von Saalschütz und „Umriß des biblisch-talmudischen Synagogenrechtes" von Duschak. In der That werten wir baldigst Ausführliches über beide Werke geben.'— Viel Aufmerksamkeit zieht die geistreiche Schrift des Prof. Ernst Meier über „die Form der hebräischen Poesie" auf sich. — Ein dicker Band „Religiöse Lieder für denkende GotteSVerehrer," rationalistisch-deistifchen Inhalts.— Zwei jüdische Volkskalender auf 5614 von Paschel es in Prag und von Liebermann in Brieg. — Schulbüchcr: Hebräische Lescsibel von Lewisohn, zweite Auflage. Handbüchlein für hebräische Leseschüler von Hecht, 3. Auflage. Mosaische Religionslehre von Kafka, 4. Aufl. Religionslehre für israelitische Schulen von Ziltz, 2. Aufl. Israelitische Religion»- und Sittrnlchre in Denkversen von Rosenmark, 2. Aufl. Deutsches Elementarlesebuch für die israelitische Jugend von Wunderbar. — Eine lange Reihe von Schriften dogmatischen Inhalts liegt in folgenden Werken vor unS: Weisheitslehre der Hebräer von Prof. Bruch, ruhig würdigend, mäßiger Kritik, etwas breit. Die Messiassagen des Morgenlandes, von Carl Scholl, seichte Kompilation in hhperkritischem Sinne, wohl jetzt schon ver-„schvll"-en. — II Giudaismo illustrato del Prof. 8. v. Luzzatc. Fase. I., wozu wir gleich dessen historisches Werk fügen: Eezioni di sloria giudaica als Fase. II. des ii giud. illustr. — Religion und Philosophie von Dr. Caro. Fortsetzung. — Hinzu Ausgaben alter Autoren: Das Buch Kusa ri übers, und komm, von Dr. David Cassel. Dritte, vierte und Schlußlieferung. Chabot Halbabot mit wortgetreuer Uebersetzung von M. E. Stern. Eben so dessen Ausgabe und Ueber-- setzung des Bechinot Olam in zweiter Auflage. — Historisches , literär-historischeS und Archäologisches: Estudios sobre los Judios de Espana pos de Los Rios.— Ueber den Ursprung und die ftüheste Beschaffenheit unserer musikalischen Instrumente von Saal schütz, so wie von demselben „zur Kritik Manetho's. — Die Minhagim von Meschelssohn. Des h. Agobard Abhandlungen wider die Juden von E. Samostz. — Der Vorsängerdienst der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwickelung von Emanuel Hecht. — 822N p?35> von R. Joseph Hacohen (der Arzt), mit kritischen Noten von vr.M. Letter is. — Außerdem noch ein Konvulut kleiner Broschüren. — Rühmlichst heben wir zum Schlüsse die in zwanglosen Heften (bereits 17) erscheinende hebräische Zeitschrift prisr» ■>2213 des Herrn M. E. Stern hervor. (Die Zeitschrift yTbnr:, die in Galizien erscheint, haben wir weder in Prag, noch in Wien auffinden können.) Korrespondenzen. Reiseberichte. lForssetzung.) Magdeburg, 9. September. Der fteundliche Leser hat uns sogleich auf einem kleinen Gange durch die Stadt begleitet, und fühlt sich gewiß mit mir schon heimisch in der schönen Kaiserstadt. Und dies ist der Hauptvo^ug von Wien; dies war auch der unmittelbare Eindruck, den die Stadt sammt den Bewohnern auf mich machte: daß es sofort so „gemüthlich" erscheint, daß man sich alsbald eben heimisch fühlt. Negativ mag dies daher kommen, daß in Wien jene großen, unabsehbar langen, geradlinigen Straßen mit viereckigen Plätzen und ebenmäßigen massenhaften Palästen fehlen, welche z. B. Berlin dem Fremden so fremd, so kalt, so steif erscheinen lassen, und daß andrerseits Wien dennoch