Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 42 (10.10.1853)
- Date
- 1853-10-10
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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531 daß irgend eine Autorität das Wort ergreife, oder daß der Herausgeber etwas Anderes als: „Friede, Friede! psch! psch! still! stört unfern Schlaf nicht!" ausrufe. Ein guter Witz ist, daß Einer die Ansprache deS „Sprechers" im Unterhause bei der Einführung Rothschilds und SalomonS' als gewählte Abgeordnete und die deS Sir MofeS beim Eintritt der vier Gentlemen, die er herauSbugfiren will, dann die Argumente deS Sir Robert Jnglis und die des Mr. Louis Cohen, der die AuSschließungSmotion stellte, neben einander abdrucken ließ. Sehr scharf werden die Herren gegeißelt, welche im dosrä sitzen und dabei sich jede Uebertretung gegen die Satzungen des JudenthumS erlauben, aber die Herren von der Margarethstreetgemeinde doch ausschließen wollen. — In der jüngsten Sitzung des koarll ist ein Konnte von 5 Inquisitoren wirklich gewählt worden. Ob die gedachte Gemeinde sich dazu bequemen wird? Man kann von ihr diese Inkonsequenz wohl erwarten, obgleich sie dadurch dem Prinzipe Alles vergiebt! Literarische Nachrichten. im September. (Ueberficht aus unserm Repofitorium noch nicht rezcnsirter Schriften.) Schon oft haben wir das kritische Handwerk aufgeben wollen, denn keines, selbst das ärztliche nicht, ist mit größerer Undankbarkeit verbunden. Jeder Autor will gelobt sein; gut, denn es läßt sich voraussetzen, daß er sein Werk in lobcnswerther Absicht unternommen und vollendet hat. Aber wenn man cs nun wirklich loben will, kann man denn einen Autor genug loben? werden ihm die überschwänglichsten Ausdrücke nicht zu schwach sein? Und wenn nur der Autor zufrieden ist, was sagt das Publikum dazu? Dem ist man entweder ein blinder oder ein bestochener Kritiker; man will einen Gegendienst; er gehört zur Klique oder Sippschaft u. dgl. m. Aber wenn man nun tadelt? Ha, die Wuth des Autors und der Seinen! und je besser der Kritiker es getroffen, desto größer die Wuth. Jeder getadelte Autor ein Feind zeitlebens, ein unversöhnlicher. Und das Publikum? Da sieht man den Neid, heißt es; der kann kein Verdienst anerkennen; der will keinen neben sich auskommen lassen, und solcher schönen Dinge mehr. Wohlan, wir wählen einen dritten Weg: wir mischen Lob und Tadel. Sich da, sagt man, er fangt mit Lob an, um dann desto tiefer zu stürzen; oder: schau 'mal, der tadelt ein klein wenig, damit sein Lob desto glänzender, desto unparteiischer scheinen soll. Wahrlich, man wird versucht, noch eine vierte Straße einzuschlagen, man „referirt" Llos, man giebt den Inhalt des Buches berichtweise, und damit Punktum. Aber halt! ruft man wiederum, was ist das für farbloses Zeug, entweder der Kritiker ist so unwissend, daß er kein Urtheil hat, oder er ist so geistlos, daß es keines zu geben versteht, das ennuyirt; der Autor ist nicht zufrieden, denn er will „die Mängel seines Buches (eben!) erfahren, um sie bet einer zweiten Auflage (hm! hm!) zw verbessern"-das Publikum, denn cs will eine „Meinung", eine „unparteiische" (au! au!) hören, um zu kaufen (du Schäker!) oder nicht zu kaufen (das Letztere glaub' ich!)-Alle diese Positionen haben wir in unsrer Laufbahn schon eingenommen, und alle diese Früchte haben wir schon geerntet. ES ist Alles wörtlich wahr, was wir da geschrieben haben. Wir haben gelobt, und wir wurden getadelt; wir haben getadelt, und wir wurden verdammt; wir lobten und tadellcn zugleich, und wurden geschimpft; wir referirten nur, und wir wurden mit Verachtung beladen — ja, endlich schwiegen wir ganz und gar, und da wurden wir erst recht mißhandelt: warum keine „literarischen Nachrichten?" warum dieses und dieses Buch nicht beurtheilt? Will er eS ignoriren? soll es dem größern Kreise verborgen bleiben? Das ist wider alle Redaktionspflicht. Wer einmal eine öffentliche Stellung einnimmt, muß ihr jedenfalls genügen... Unter solchen Verhältnissen habe Einer Lust, zu rezenfiren, zu referiren, zu kritisiren! Wie jener Knabe zornig auSrief: „Wer doch nur das Schreiben erfunden hat!" so rufen wir aus: „wer doch nur die „literarischen Nachrichten" erfunden hat! — Aber ging es denn auf keine andere Weise? — Wie, wenn man nur die Titel aller eingegangen Bücher mittheilte und ausführliche Rezensionen verspräche?.. Ob man sie dann wirklich gäbe, stünde dann doch bei uns.... Doch nein, daS läßt schon unser gutes Herz nicht zu, denn mit welcher Spannung würde dann jeder Autor der nächsten Nummer entgegen- und mit welchem gerechten Zorn sich getäuscht sehen?... Und dann, hat doch jeder Redakteur auch nur ein gewisses Pfund Kredit, und wenn er erst als schlechter Zahler bekannt ist, wird er bald auf dem Trocknen fitzen. — In dieser, wirklich ängstlichen Situation weiß ich keinen andern Rath, als — kommt Zeit, kommt Rath. Einstweilen war aber der letzte Gedanke in seiner ersten Hälfte so übel doch nicht. Vor Rausch haschono pflege ich gern