Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 42 (10.10.1853)
- Date
- 1853-10-10
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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529 Die für diesen schönen Zweck vorgeschlagenen Mittel sind eben so lobenswerth, als jener selbst, und eS ist ganz begreiflich, daß das großherzogliche Bezirksamt die Statuten genehmigt hat. Alles dies gereicht aber gewiß der israelitischen Gemeinde Wangen zum großen Lobe, und vorzüglich ihrem würdigen Vorsteher, Herrn S. 3. Wolf, welcher für deren Bildung und sittliche Hebung bereits seit 20 Jahren eben so rastlos und energisch, wie umsichtig und wohlwollend thätig ist. Möchten doch alle diese Thatsachen auch anderwärts Nachahmung finden!" Preußen. Berlin, im September. (Privatmitth.) Ihr Korrespondent von hier in Nr. 4V hat einen sehr wunden Fleck berührt, der der hiesigen Gemeinde nicht allein zum Nachtheil, sondern auch zur Schande gereicht — der gänzliche Mangel an geordne- ReligionSunterrichte! Er hat ihn berührt, aber noch nicht genug gebrandmarkt! Ich kann aus eigener Erfahrung behaupten, daß von 7 Kindern der hiesigen Juden kaum Eines einen religiösen Unterricht, eine religiöse Belehrung erfahrt. Die hiesigen Judenkinder wachsen wie die Heiden auf, Christenthum wird negirt, Judenthum nicht gepflegt — was anders als „moderne Heiden" können hieraus hervorgehen? Bietet sich ja eine Gelegenheit dar, denn am Ende kann ein guter Lehrer auch privatim etwas wirken, so haben weder die Eltern, noch die Kinder Lust — kurz eS ist ein gräulicher Zustand, und diesem sieht die Gemeinde, sehen die Rabbiner, sehen die Gemeindevorsteher, sehen die Eltern, sieht Alles — ganz geduldig zu. Sie singen beständig das Lied: „Wer nur dm lieben Gott läßt walten!" Fürwahr, wenn ich Einer von diesen Allen wäre, ich schämte mich zu Tode, ich ließe ab vom Hochmuthe, und ging in Sack und Asche herum, bis ich zum Ziele wäre. So aber kann ich nur meinen Gram in Ihrem Blatte aussprechen, da ich nichts bin als ein sehr bescheidener Korrespondent. Bonn, 28. September. (Privatmitth.) Die'hiesige Zeitung läßt sich aus „Breslau, den 22. Sept." schreiben: Für das Rabbinerseminar haben die um die Gründung dieser Anstalt hochverdienten Fränkelschen TestamentSerekutoren außer den Doktoren Frankel und Grätz auch den Privatdozenten BernayS aus Bonn als Lehrer gewonnen. Wenn wir recht unterrichtet sind, so wird derselbe schon zum Beginn des bevorstehenden Wintersemesters hier eintreffen und an der hiesigen Universität sich als Privatdozent der Philologie habilitiren, während daS Seminar erst zu Ostern k. I. eröffnet werden soll. BernayS ist der Sohn des Chacham (OberrabbinerS) in Hamburg und hat sich in der philologischen Welt als Mitredakteur der vom Prof. Ritschl in Bonn herausgegebenen philologischen Zeitschrift einen rühmlichen Namen erworben. DaS Seminar, welches ohne mit der hiesigen Universitär in Berührung zu kommen, seinen Zöglingen eine vollständige Ausbildung auch in den weltlichen Disziplinen gewähren wird, garanrirt daher durch die Akquisition von BernayS eine gründliche Ausbildung in den philologischen Wiffenschasten." Wir können hiergegen bemerken, daß BernayS in dem Lektionskatalog der hiesigen Universität sürS Wintersemester zwar noch Vorlesungen angekündigt hat, daß dies jedoch kein Grund ist, die Richtigkeit jener Mittheilung zu bezweifeln, da das Wintersemester noch nicht begonnen, und ein Privardozenr in diesem Punkte bekanntlich keine Verpflichtung hat. Wenn jene Nachricht aus BreSlau auf Wahrheit beruhen sollte, so können wir dem künftigen breSlaucr Rabbinerseminar eine gute Zukunft prophezeien. Die philosophische Fakultät hiesiger Universität verliert an BernayS einen ihrer größten Gelehrten, dessen Abgang von hier dem Fache der altklassischen Literatur eine kaum auszufüllende Lücke herbeisühren würde. Eduard Wolffberg. Oesterreichischer Kaiserstaat. ZVien, 25. September. (Privatmitth.) Ich habe mir erlaubt, Ihnen schon einige Male von dem israelitischen Taubstummeninstilute zu schreiben; ich komme heute darauf zurück. ES war heute die Prüfung da, und ich kann Ihnen nichts mehr sagen, als daß die Resultate eben so glänzend, wie bei den früheren waren. Herr Deutsch gehört jedenfalls zu den hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiete der Pädagogik für Taubstumme. Andrerseits hebe ich mit wahrem Vergnügen hervor, daß der neugebildete Vorstand wirklich keine Mühe scheut, um das Institut zu heben und zu kräftigen. Insbesondere wollen wir