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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-10 · Heft 42 (10.10.1853) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 42 (10.10.1853)
Date
1853-10-10
Page
Seite 527 (sequence 3)
Language
German
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527 Ztg. des Judenth." und das „jüdische VolkSblatt" bilden ein treffliches Arsenal, benutzt es, verbreitet sie und unterstützt fie durch Eure Arbeiten! DieS ist der Ruf, den wir immer wiederholt an Euch richten.... W i r verlieren den Muth nicht. Wir wiffen sehr wohl, daß jetzt die eine «Hälfte der Juden nichts mehr vom Judenthume, von Religion überhaupt wiffen will, und daß die andere Hälfte eben nur im einmal überkommenen Judenthum dahin vegetiren will. Aber wir wiffen auch, daß mitten inne doch noch ein Kern vorhanden, in dem wirklich Leben ist, dessen Herz noch pulfirt, leidet und sich freut am Judenthum. Dieser Kern muß immer mehr unser werden, und dieser Kern muß immer mehr wachsen. Und da mag dieser nach Hunderten, oder Tausenden zählen; die Zahl hat's niemals im Judenthume gemacht.... Wir streben, und werden erreichen — nicht Alles (wer vermöchte dies?), doch Vieles.... Wir verlieren den Muth nicht, denn eS hat noch viel schlimmere Phasen in der Geschichte des JudenthumS gegeben, und eine Zeit der dumpfen Versteinerung halten wir für eine solche. Dem lebendigen Baume können ganze Zweige abgerissen werden, er ersetzt eS, aber der todte, erstarrte niemals.... Wir verlieren den Muth nicht, denn der echte Bekenner des Judenchums kennet den Gott, in Dessen Händen die Leitung, und dieser Gott läßt die Geschichte niemals sich selbst in's Angesicht schlagen.... Dogmen oder nicht? III. Wie weit die Unverschämtheit des Herrn R. L. S. M. geht, mögen diese Buchstaben nun eine wirkliche Gestalt, oder eine satyrisch-ironische bezeichnen sollen, wird dem Leser daraus hervorgehen, daß er unter Anderm behauptet (S. 6) die Unkörperlichkeit Gottes sei nicht biblisch begründet. Wenn Gott im ersten Verse der Schrift die ganze Welt erschafft (denn und zusammen find die ganze Welt); wenn im zweiten Vers „der Geist Gottes" über dem chaottschen Durcheinander (die ganze Masse des Körperlichen) vorhanden ist, und darauf wirkt; wenn Gott 1. M. 21, 33. der Gott der „Ewigkeit" (abi» ba) genannt wird; wenn Gott 2. M. 3, 14. definitt wird tcn und 6,2. *n wenn im zweiten der Zehnworte die Abbildung Gottes in irgend einer Gestalt auf das Schärfste verboten wird, weil er 'n ist (2. M. 20, 5.), wenn es 2. M. 33, 20. heißt: ''Ni Nb •’B, 23. ir*y» Nb wenn 5.M. 4, 12. 15. die Israeliten verwarnt werden, daß fie auf Horeb „keine Gestalt gesehen" (rwran ba örPN-i Nb), wenn Gott 4. M. 16, 22. 27, 16. nrmrt •’S-sbN bN ->W2 bah „Gott der Geister in allem Fleische" (T32 ba für „alle Menschen" 1. M. 6, 12. 5. M. 5, 23.) genannt wird — so find dies aus den fünf Büchern Moscheh allein die Stellen, die uns im Augenblicke einfallen, und welche schwerlich einen Ausspruch wie „Gott ist kein Körper" nothwendig machen, um die Unkörperlichkeit Gottes zu lehren. Denn in der Thal hat Moscheh wohl schwerlich vorausgesetzt, daß Jemand bei der ganzen Beschaffenheit und der darin ausgeprägten Anschauung in den heiligen Büchern die Forderung an die Schrift stellen wnd, daß gesagt werde „Gott ist kein Körper," um die Un» körperlichkcit GotteS „biblisch begründet" zu finden. Jeder Körper ist ein Werk Gottes, ist ein geschaffenes, und der Schöpfer und ein Geschaffnes ist der Schrift vollständiger Gegensatz. Eben so gern möchte der Verfasser der Broschüre „was muß der Jude glauben?" der heiligen Schrift die Materialität der Seele infinuiren, (S. 9) „den Geist als etwas mit der Organisation Verbundenes anzusehen und keinen Unterschied zwischen unseren geistigen Lebensäußerungen und denen der niederen Thiere zu machen" und da eS ihm insbesondere darum zu thun ist, die Unsterblichkeitslehre gründlich auS der Schrift zu radiren, so gehen wir zuvörderst mit Wenigem hierauf ein. Der Verfasser legt zwar die Materialttät der Seele als „fast allgemeine Ansicht" den Naturforschern unter — wir haben aber erst vor Km^em in diesen Blättern gesehen, daß dies unwahr ist, daß nur einige radikale Herren sich darin herumtummeln, daß eine viel größere Zahl der bedeutendsten Naturforscher unsrer Zeit Dem schnurstracks gegenüberstehen, und daß unter den Besonnenen Diejenigen, die am weitesten gehen, nicht weiter gehen als zu sagen: „Es kann kein physikalischer Beweis weder für, noch gegen gegeben werden." Nun, auf physikalische Beweise für die Jmmaterialität der Seele, so wie für Unsterblichkeit der Seele durch Froschschenkel und Kupferdrähte wollen wir auch einstweilen verzichten. Aber die Lehre der Schrift tastet uns nicht an. Diese beharret vom Anfang bis zu Ende auf der Lehre vom Dualismus des Menschen — Körper und Geist, und wenn in Kohelet und Jjob die Frage aufgeworfen, der Zweifel ausgesprochen wird, so geschieht dies nur, um diese zweifelnde Frage zurückzuweisen, wie es in Koheler 12, 7. der Verf.

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