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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-10 · Heft 42 (10.10.1853) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 42 (10.10.1853)
Date
1853-10-10
Page
Seite 526 (sequence 2)
Language
German
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526 gelehrt wird. So lockt die dessauer „Handlungsschule", die ehemalige Franzschule, noch jetzt aus allen Gegenden jüdische Schüler au, und doch darf an ihr grundsätzlich kein Wort Hebräisch, kein Wort vom jüdischen Rituale gelehrt werden! Man sollte es freilich nicht glauben, daß es möglich sei, daß ganze Gemeinden von Juden ihre Kinder ganz ohne Religionsunterricht aufwachsen lassen — man sollte nicht glauben, daß Menschen, die doch in ihrer Religion beharren, diese dennoch ihren Kindern nicht lehren lassen — man sollte nicht glauben, daß Menschen so pflichtvergessen gegen ihre Kinder sein können, daß fle fie von aller Kenntniß deS Religionsmateriale fern halten, und irgend einen Sprachunterricht, in welchem fie es kaum zum Stammeln bringen, oder Tanzunterricht für weit unentbehrlicher halten — man sollte es nicht glauben — aber es ist so, ja es ist bei der Mehrzahl so! So heruntergekommen ist die jüdische Masse.... Nun sollte man aber doch voraussetzen, daß wenigstens die Rabbinen dafür Kopf und Kragen einsetzen, um die jüdische Jugend diesem heidnischen Wesen zu entziehen, daß fle nicht bloS den Religionsunterricht mit ihrem Wort eifrigst empfehlen^ sondern selbst ertheilen, oder wenigstens einige Zeit die Woche darauf verwenden .... Allein auch diese Voraussetzung trifft wenig zu, und der Hochmuth und die Trägheit find viel zu groß, als daß man selbst die persönliche Rücksicht in's Auge fasse, daß vermittelst der Kinder das Band mit den Familien, mittelst der Jugend daS Band mir der Zukunft enger geknüpft wird... Und Ihr, Religionslehrer?... „Der Religionslehrer muß seine Anstrengungen immerfort erhöhen; er muß Geduld, Ausdauer, Konsequenz in unerschütterlicher Weise üben; Undankbarkeit, Verkennung, immerwährender Tadel müssen ihm gleichgiltig sein; wenn seine liebsten Schüler seine Richtung verlassen, so darf auch dies ihn nimmer beirren; in ihm muß stets der Gedanke wachen: dich hat die göttliche Vorsehung auf einen sehr vorgerückten Wachtposten gestellt; du dienest nicht diesen Eltern und Kindern, nicht dieser Gemeinde und Zeit — sondern einer großen Vergangenheit und Zukunft! —" Für Preußen wollen wir auf den §. 62. des Gesetzes vom 23. Juli 1847 aufmerksam machen, das jetzt überall zur Geltung kommt. ES heißt darin: „Eine jede Synagogengemeinde ist verbunden, solche Einrichtungen zu treffen, daß es keinem jüdischen Kinde während deS schulpflichtigen Alters an dem erforderlichen Religionsunterrichte fehlt." Auf Grund dieses §. kann in jeder Gemeinde, wo der „erforderliche Religionsunterricht fehlt", durch Beschwerde an die Regierung die Gemeinde gezwungen werden, die nöthigen „Einrichtungen" zu treffen. Fraglich ist es, ob auS den obigen Worten diePflichtigkeit an diesen „Einrichtungen" Theil zu nehmen fiir die Kinder während deS schulpflichtigen Alters deduzirt werden kann. Das jüdische Volksblatt. Die Leser der „Allg. Ztg. des Judenth." haben fich durch die, unserm Blatte beigelegten Probenummern von der Tendenz und dem Inhalt des neuen „jüdischen VolksblatteS" einen ungefähren Begriff bilden können. Wir sagen „ungefähren" — denn es versteht fich, daß eine „Probenummer" nie die Idee und den Zweck vollständig charakterifiren können, nie alles Das vorzuführen vermögen, waS die Herausgeber bezwecken. Auch entwickelt und bildet fich aus ein solches Blatt erst im Fortlaufe. Dennoch glauben wir, daß man daraus das edle Motiv, aus dem diese neue Zeitschrift entsprungen ist, daS Ziel, dem fie nachstrebt, erkannt und gewürdigt haben wird. Ja, wir können versprechen, daß darin noch Vieles ersprießen wird, was jetzt kaum fich audeuten läßt. Um so mehr rechnen wir auf eine allgemeine Förderung, auf eine thättge Mitwirkung. Zwar können wir von dieser bei allen unseren bisherigen Arbeiten und Unternehmungen nicht zu viel Rühmens machen. Es war gerade immer so viel davon vorhanden, um dieselben, bei unermüdlicher Anstrengung unsrerseits, kräftig zu erhalten — nicht aber so viel, um die Wirksamkeit zu einer allgemeinen zu machen. Die Folgen find aber auch überall schon verspürbar. Die letzten zwei Dezennien hätten ganz anders benutzt werden sollen! Jetzt werden überall die Hände zusammengeschlagen über den wachsenden Jndiffercntismus, über gänzlichen Verfall u. s. w. Aber wie wenig ist geschehen, zur rechten Zeit geschehen, um Dem vorzubeugen! Wohlan, Ihr sehet, es rückt Euch schon ganz nahe auf den Leib — lasset uns überall Hand anlegrn! Die Presse ist daS, in unsrer Zeit kräftigste und nachhaltigste Mittel. Nicht die gelehrte Presse, welche stets verdienstvoll, doch nur inter prres wirkt, deren Einfluß erst mittelbar ist. Die populäre Presse — aber 1 diese muß auch in die Hände des Volkes gebracht werden — sonst ist fie noch eiteler als die gelehrte! Die „Allg.

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