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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-03 · Heft 41 (3.10.1853) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 41 (3.10.1853)
Date
1853-10-03
Page
Seite 521 (sequence 9)
Language
German
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521 dem Wunsche, daß es ihm recht bald vergönnt sein möge, seine versprochenen Arbeiten über R. Salomo ben Gabirol und über die weltliche Poefie der maurisch-spanischen Juden zu veröffentlichen, die gewiß zur Bereicherung der jüdischen Wissenschaft beitragen werden. vr. M. Wiener. Korrespondenz. Neiseberichle. (Fortsetzung.) Magdeburg, 9. September. Es war mir für Prag nur noch ein Vormittagsgang vergönnt, denn Nachmittags sollte der Dampfer mich durch Böhmen, Mähren, Oesterreich nach der großen Residenz an der Donau führen. Ich benutzte ihn unter kundiger Leitung sehr wohl. Ueber den Diehmarkt, wo die großen, städtischen Wohlthätigkeitsanstalten einen Augenblick die Aufmerksamkeit fesselten, über die herrliche Kettenbrücke zum Lorenzoberge hinauf, um von diesem, mit Kirche und kirchlichen Anstalten gerüsteten höchsten Punkte die Stadt abermals mit noch größerer Umschau zu überblicken. Dann wieder hinunter die ganze Kleinseite durchstrichen, wo das Lobkowitzer Palais so angenehm auffällt, hinauf zum Hradschin, um die kaiserliche Burg, wenn auch nur in ihrer äußern Gestalt, den Dom mir seinen überreichen Kostbarkeiten u. s. w. zu besehen, und dann — unermeßlicher Gegensatz — den berüchtigten „Tandelmarkr" zu durchwandeln. Aber sonderbar, eS war mir einmal bestimmt, in Prag von den jüdischen Merkwürdigkeiten in unerwarteter Weise überrascht zu werden, und dies geschah auch vom „Tandelmarkt", aber in sehr erfteulicher. Wer die ftüheren Beschreibungen des „Tandesmarks" in Prag, wie dereinst Charisi führt, seine Werke bald hier bald dort und zwar zumeist auf seine eigenen Kosten gedruckt worden find, so ist eS jetzt schwer, sich dieselben zu verschaffen, seine Beittäge zur Geschichte der Auslegung und Spracherklärung des alten Testaments und seine rabbinische Blumenlese abgerechnet, die auf dem Wege des Buchhandels zu beziehen find, und wir ersuchen bei dieser Gelegenheit diejenigen, durch welche seine Ehrensäulen, sein Moses b.-Esra, sein zur Kenntniß der ncuhebräischcn Poefie, seine Sprache der Mischna, sein mS73n onarip, sein t b? ymp, seine mit Edelmann gemeinschaftlich edirten "t^svper •'t:> und sein zur rabbinischen Spruchkunde zu erlangen find, dies in diesen Blättern anzrigen zu wollen. wer die Schilderungen des gar nicht zu schildernden Wesens und Treibens auf ihm gelesen — der findet jetzt kaum noch einen bedeutenden Ueberrest davon. Der „Tandelmarkt" ist im Absterben begriffen; zwar schüttelt und streckt er seine langen, spindeldürren Glieder noch gewalttg, aber er hat doch schon die hippokratischen Züge angenommen, und ein Theil seines Körpers liegt schon eiskalt. Ich bin durch alle Theile des Tandelmarkts gegangen, ohne ein einziges Mal angerufen oder angegriffen zu werden; ja, die Leute haben und nehmen sich schon die Zeit, den gaffenden Fremden ihrerseits anzugaffcn; ich bin hindurchgegangen, ohne gestoßen und gezerrt zu werben, auch zankren die Leute sich nicht, sondern schrieen sich nur etwas laut die Neuigkeiten des TageS zu. Der „Tandelmarkt" ist nichts weniger als ein „Markt"; er ist ein Gewirre der engsten, engsten Gassen mit zahlreichen Höfen und Durchgängen, und allüberall sind da Bouriken und Kramläden und Gewölbe, und endlich eine etwas breitere Straße, wo hölzerne Buden auf Rollen stehen. Den Hauptplatz nimmt hier der Trödel ein, und man glaubt die Trümmerreste der ganzen europäischen Herrlichkeit hier zusammenzehäuft. Frägst du nach altem Möbel, aber auf letzter Linie, Bergehoch ist das alte Bretterwerk aufzestapelr; nach altem Eisen: Ketten und Töpfe, Tiegel und Blechlöffel; nach alten Kleidern: nun, eine Sündfluth bis auf das alte zerknitterte Haubenband oder den zerrissenen Hosenträger. Mehr noch intercsfitten mich die Gestalten und Gesichter, und es war mir eine sehr angenehme Wahrnehmung, daß diese, wenigstens auf den Gaffen und in den Buden des TandelmarkrS, in ungeheurer Mehrzahl der altern Generation angehörten, und nur hie und da eine junge Frau auS der Nähe der Dreißig erschien. Ha! aber was für Erscheinungen! weniger die alten Weiber, die doch noch immer ihr Bischen Gewandung Zusammenhalten, aber die bekannten jüdischen Formen und Gesichter der Männer in Lumpen, wie sic mir bei Juden in Norddeutschland, und auch in Frankfurt am Main nie vorgekommen.... 2m Allgemeinen muß ich sagen, daß in Prag auf Straßen und Wegen lange nicht das jüdische Element so stark hervortritt, wie ich es erwartet hatte. Abgesehen von der Joscphsstadt, die natürlich noch lange, lange vorzugsweise der Schauplatz des jüdischen Lebens in Prag fein wird, bemerkt man jenes nur angemessen verthcilt, und repräsentirt sich in der Regel so, daß man es kaum wahrnimmt. In Wien z. B. macht es sich viel, viel mehr bcmerklich. Es that mir leid, nicht nur so bald 41*

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