Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 41 (3.10.1853)
- Date
- 1853-10-03
- Page
- Seite 517 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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517 Wien bei der Einweihung sein wird. — Ich habe Sie bereiteinigemal aufmerksam gemacht, welch eine erfurchtSvolle Anhänglichkeit bei den Juden für Se. Majestät den Kaiser herrscht. Es ist das ein Gefühl, welches durch die weise, huldvolle Regierung deS erhabenen Monarchen ganz gerechtfertigt ist; aber wir können eS doch nicht gut heißen, wenn, wie eS im Programme heißt, das Bild deS Kaisers vor dem Baldachin, worunter die ToraS sich befinden, getragen wird. Wir find auch überzeugt, daß man diese Hyperloyalität, die dem Judenthume widerspricht (haben doch die Juden nicht den Tempel deS Herodes gut heißen wollen, weil der römische Adler auf der Außenseite angebracht war), in den höchsten Kreisen nicht wünscht. — Ich muß überhaupt gestehen, wenn man von Wien, daS auf dem Lande nicht in dem Gerüche der Heiligkeit steht, auf das Land kommt, so findet man sich wahrlich von den Juden und dem Judenthume auf dem Lande — entschuldigen Sie den Ausdruck — von einem Ekel ergriffen. Da ist gar kein Aufschwung, keine Erhebung tsV* a1». Um die unbedeutendste Zeremonie wird gekämpft und um einen Groschen wird Jude und Judenthum und Gott verschachert. Ich hätte wirklich die unaussprechliche Arbeit deS Herkules beim Könige AugiaS zu thun, wollte ich da die Verhältneffe lüften. Lemberg, 18. September. (Bemerkung der Redaktion. Sowohl von anderen Orten, als auch von Lemberg durch eine Privatmittheilung wird uns über den tiefen Eindruck, welchen zwei vom Oberrabbinen Leopold Löw aus Szegedin in Lemberg gehaltene Vorträge gemacht, berichtet, von dem Enthusiasmus, der für ihn geweckt worden, von dem Wunsche, ihn an der Stelle deS sel. Abr. Kohn zu besitzen. Leider! ist der Artikel in so überschwänglichem Schwulste abgefaßt, daß wir ihn beim besten Willen nicht abdrucken laffen können. Doch lautet der Schluß deS Artikels verständlicher, nämlich folgendermaßen:) Die Zeit feit dem Tode KohnS ist nicht ohne Thätigkeit vorübergegangen, aber waS könnte nicht noch geschehen, wenn wir in Herrn Rabbiner Löw einen Vertreter hätten; besonders jetzt, da unser glorwürdiger Statthalter, Graf von Goluchowski, ganz besonders auf die zerrütteten Kultuszustände Galiziens seine Aufmerksamkeit richtet, besonders jetzt, da ein trefflicher Mann, wie Herr Kreisrath von Selig, daS Schulfach in Händen hat, besonders jetzt, da der tüchtige Herr Kreiskommissär von Philipp zum Oberaufseher israelitischer Schulen ernannt wurde, um die eingeschlichenen Mängel zu heilen. Es scheint überhaupt, daß es unsrer weisen Regierung nicht gleichgiltig ist, auf die normale Schulbildung der gallizischen Juden einigen Werth zu legen; denn der hiesige Jude, der im Gcschäftslcben, aus Mangel eines bessern Nahrungszweiges, gewöhnlich den Mäkler und Faktor abgiebt, bildet auch als Staatsbürger stets eine wichtige Mittelperson zwischen dem Deutschen und Polen hier zu Lande. Er spricht seinen Jargon, ein verderbtes Deutsch, und so sehr er in seinem rohen Zustande die Bornirtheit deS Verstandes repräsentirt und zu keiner gewerblichen Beschäftigung greift, so ist er dennoch bei einiger Bildung nur empfänglicher für deutsche Gesittung, Sprache und Lebensweise, und bleibt ein treuer, musterhafter Uuterthan des Staats, und ein mächtiger Hebel für daS deutsche Element in Galizien. Nach unserm Dafürhalten liegen also die unverkennbarsten Beweise vor, daß bei unseren Gemeinden Vieles brach und öde liegt, weil Niemand Hand ans Werk legt, weil eS an einem tüchtigen Vollstrecker der humanen Absichten unsrer weisen Regierung fehlt, wie es ein Josef Perl in Tarnepol, wie es ein Abraham Kohn gewesen, die den günstigen Moment erhaschend, die schönsten Ideale besserer Menschen und denkender Köpfe zur vollen Wirklichkeit gebracht, um heilsam für ihre Nation zu wirken. Wir wollen es hoffen, daß auch Herr Löw, der die dringende Pflichterfüllung unsers Jahrhunderts kennt, einen so schönen WirkungSkeis nicht verwerfen wird, wo er das Wohl seiner GlaubenSbrüder in unserm Kronlande befördern kann. Denn nur er könnte durch seine Beredtsamkeit die Grundirrthümer bei unserm Volke zerstreuen, durch einen wohleingerichteten Jugendunterricht die Wohlhabenheit unserer Gemeinden bewirken, um unserm Staate eine Menge nützlicher, treuer und glücklicher Unterthanen zuzuführen, waS sicherlich der Wille unsrer Regierung ist. Aus dem Süden Mährens, im September. (Privatmitth.) Lundenburg, daS bei 80 jüdischen Familien zählt, gehörte bis vor einem Dezennium zu den unbedeutenden Duodezgemeinden, von denen man nichts erwartete, und in denen auch wirk-