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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-26 · Heft 40 (26.9.1853) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 40 (26.9.1853)
Date
1853-09-26
Page
Seite 508 (sequence 8)
Language
German
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508 eine Persönlichkeit, die weder Schauspieler, Tänzerin rc. die Achtung und die Liebe Aller in solchem Maße sich "erworben hätte, als eben der Herr Redakteur. Alle bedauern es, daß er so schnell abgereist ist, alle trösten sich mit dem Gedanken, daß Sie vielleicht wieder einmal Wien heimsuchen werden. — Was Ihr Korrespondent dabei denkt „Kordelia liebt und schweigt." Kommen Sie nicht nach Wien, nun. so suche ich Sie, so eS Gott will, in Magdburg auf, mitten in der Gemeinde, wo Sie Ihr gottseliges Wirken haben, die sich rühmen kann, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten an ihrer Spitze zu haben. Gott gebe Ihnen ferner Gedeihen, und möge die Reise dazu beigelragen haben, Ihre Kraft aufs Neue zu stählen und zu stärken für das Wohl Ihrer Gemeinde, für das Wohl Ihres Volkes thätig zu fein. Von hier will ich mir erlauben nur Einiges mitzutheilen. Bekanntlich wurde von Seite des Ministeriums dcS Innern die Frage, wie es mit der Emanzipation stehe an die oberste Justiz gewiesen, und dieselbe entschied, daß der §. 1 der Konstitution vom Jahre 1849 zu Rechte bestehe, und nicht aufgehoben sei. In neuester Zeit geschah eS nun, daß ein Jude in Tirol sich einen Besitz kaufte, um da eine Fabrik anzulegen. Das katholische Tirol erhob Einsprache dagegen und die oberste Justiz verwies auf die früher gefällte Entscheidung. Sie sehen also, daß die Juden in Oesterreich gottlob recht gut stehen, und daß es nur von ihnen abhängen wird, den Namen Jude aufs Neue zu Ehren zu bringen, damit ihn feine Brüder preisen. — Bei dieser Gelegenheit sei eS auch bemerkt, daß zwei jüdische Handwerker von dem hiesigen Handwerkerverein, ein Tischler und ein Schlosser, etablirt sind, und allseitig Achtung und Anerkennung genießen. In Betreff des neuen TempelbaueS erheben sich viele Stimmen gegen den Bau in der Leopoldstadt, indessen ging eS wohl doch schwer an in der Stadt zu bauen, da die Kosten sich auf eine Million belaufen hätten. Uebrigens fragt es sich bloS, wie der neue Tempel eingerichtet sein wird, und welche Kräfte für ihn gewonnen werden. Von diesen ist das Blühen und Gedeihen und daS — Rentiren abhängig. Am 12. d. M. war die Prüfung im Mädcheninstitute der Frau Karol. Szanto. Her Prediger vr. Salomon aus Hamburg, der dabei anwesend war, sprach zum Schlüsse einige anerkennende herzliche Worte. Srklos (Ungarn), im September. (Privatmitth.) „Betet nicht um einen neuen Zerore," wurde jüngst in diesen Blättern abgehandelt Wir werden bald auch sagen können: „betet nicht um einen neuen Rav." In der Gemeinde Baja ist nach dem Tode deS, in einem Alter von 92 Jahren verstorbenen, aber nicht bloS des Alters wegen ehrwürdigen Rabbinen Götz Schwerin ein junger Rabbiner Namens Nascher angestellt worden. Man hegte große Hoffnungen von ihm, daß er bei wahrer Frömmigkeit.die Veredlung und Bildung seiner Gemeinde in's Auge fassen und kräftigst fördern werde. In wie weit diese Hoffnungen in Erfüllung gehen werden, ist unS letzthin durch zwei Thatsachen eröffnet worden: 1) daß der Rabbi Nascher jüngst plötzlich ohne Weiteres bei einer Trauung, als die Frauen die Braut wie gewöhnlich zur Chuppa führen wollten, alle Frauen aus dem Tempel hinauswieS, mit der alleinigen Ausnahme der — Braut; 2) daß er sich während der sogenannten 9 Tage (vor Tischea Beaf) den Schlüssel zur Fleischbank bringen und bei Strafe der Kassation dem Schächter daS Schächten verbot — ausgenommen welche ein ärztliches Zeugniß (NB. auf Stempelpapier) brachten. Die, sehr gebildeten Frauen Baja'S haben den Herrn Rabbiner Nascher per petitionem gebeten, doch alle solche „Neuerungen" zu unterlassen, da sein Vorgänger , der wirklich orthodoxe Schwerin r>"Lt, dergleichen nie gethan, aber — sie wurden barsch abgewiesen. WaS die zweite Neuerung betrifft, so soll sie den christlichen Gastwirthen sehr zu gute gekommen sein. Wie wahr ist also unser Sprüchwort! Schulhoff, prakt. Arzt. Korrespondenzen. Kultusreform. (Fortsetzung.) Lengsfeld, im August. Vergleicht man nun, diese frankfurter Gottesdienstordnung mit der unsrigen, der Sachsen-Weimarschen, so finden wir, daß dieselbe von gleichen- Grundsätzen getragen wird. In der Praxis aber weichen beide von einander ab; indem die Eine da, die Andere dort mehr oder weniger konsequent in der Durchführung dieses und jenes Grundsatzes geblieben ist, oder je nachdem die anders gestalteten Verhältnisse es so oder anders geboten. Im

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