Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 40 (26.9.1853)
- Date
- 1853-09-26
- Page
- Seite 507 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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507 und Selig Cassel, der als Redakteur in Erfurt weilt,! widmet auch dort seine Muße der jüdischen Literatur, wie das erste Heft der Berichte der erfurter Akademie bezeugt, das von ihm einen langem Aufsatz über den salomonischen Thron enthält. — Von Dr. Grätz, der zu Ostem nach Breslau geht, um an dem dort zu errichtenden Seminar neben vr. Frankel und Dr. BerneyS, jetzigem Privatdozent in Bonn, als ordentlicher Lehrer zu fungiren, ist kürzlich der vierte Band einer Geschichte der Juden, welcher vom Untergänge deS jüdischen Staates dis zum Abschlüsse deS Talmuds reicht, erschienen. — LandShut ist mit einer Bearbeitung deS Machsor in ähnlicher Weise wie er früher fein ab ■jrar: nrß bearbeitet hat, beschäftigt. — Senior Sachs, von dem in der letzten Zeit mehrere Schriften in hebräischer Sprache erschienen find, setzt, fortwährend mit der drückendsten Armuth kämpfend, feine Arbeit rnnrin, wie auch die früher von Goldenthal edirte hebräische Zeitschrift “ran a-o, fort, von der wir also nächstens dem achten Bande entgegensetzen dürfen. Ich schließe die Mustemng der auf dem Felde der jüdischen Literatur thätigen Literaten Berlins mit einem Manne, dessen Name früher vielfach genannt wurde und dem unsre Literatur auch manche schätzbare Entdeckung verdankt , der aber jetzt durch körperliche Leiden verhindert ist, literarisch eben so thatig zu sein, wie früher. Ich meine Leb recht. Derselbe gedenkt indeß nächstens eine Arbeit über Mendelssohn*) zu veröffentlichen, in der er unter *) Ad vocem Mendelssohn theile ich Ihnen aus dem Leben desselben einen Vorfall mit, den ich aus dem Munde einer glaubwürdigen, sehr achtbaren Dame, der Madame Lea Cohen in Hannover, weiß und der wohl geeignet ist, den Charakter des jüdischen Philosophen wie den seines Freundes, des berühmten Kritikers Lesfing, im schönsten Lichte darzustellen. Wenn Mendelssohn nach Wolfenbüttel kam, stieg er dort in dem elterlichen Hause der Madame Cohen, bei der Familie Samson ab, wo ihn Lesfing oft zu besuchen pflegte. Einstmals, als dieser fich von Mendelssohn entfernt hatte, trat er in das Zimmer der Familie Samson und erwiederte auf die Frage, was dem Herrn Hvfrath gefällig wäre: ich habe nichts als eine Bitte. Wenn ich nämlich in Zukunft unfern Moses besuche, dann wollen Sie höchstens eine halbe Flasche Wein auf seine Stube schicken, denn sobald ich den Wein berührt habe, trinkt unser Moses nicht mehr davon. Wahrlich, man weiß hier nicht: soll man mehr die Glaubens- Irene des denkenden Philosophen oder die Toleranz deS christlichen Freundes bewundern? Korresp. Anderm auch die Gewissenlofigkeit Nachweisen wird, mit welcher bei der letzten Edition der Werke Mendelssohns, zu welcher der verstorbene Joseph Mendelssohn Hierselbst 10,000 Rthlr. hergegeben hatte, verfahren wurde. Nicht einmal fämmtliche Ausgaben von Mendelssohns Werken find in dieser Edition genannt! — Mehrere jüdische Einwohner Berlins haben, weil der 1. Oktober auf einen Sonnabend, der 2. auf einen Sonntag, der 3. und 4. aber auf die Neujahrstage der Juden fällt, fie beim Wohnungswechsel also entweder gegen ihre Religion oder gegen die polizeilichen Verordnungen verstoßen müßten, eine Bittschrift um Berücksichtigung dieser Umstände bei Anordnung deS Termins für den Wohnungswechsel beim bevorstehenden Quartal an den Polizei- Präsidenten gerichtet. Oesterreichischer Kaiserstaat. ZVie»> 14. September. (Privatmitth.)*) Bor Allem muß ich Ihnen berichten, daß wir jüngst einen sehr interessanten Gast in unseren Mauern hatten; einen Mann, der wahrlich Herz, ein ganzes, volles Herz für Juden und Judenrhum hat; dessen Sinnen und Trachten eben nur dahin geht, das Volk aus seiner Versunkenheit und Verfallenheit zu heben und dort wieder eS zu kräftigen und mit sich zu tragen auf die Höhe, „wo die Berge mit goldenen Wolken gekrönt sind." Ein Mann, der eben so herzlich und liebevoll im Umgänge, wie herzhaft in der That ist, wo es gilt, etwas zu fördern. Ich glaube die Wiener werden bald errathen haben, welcher Persönlichkeit dieS ist, trotzdem ich nur die äußersten Umrisse gezeichnet habe; eS ist dies nämlich der vielgewandte, praktische und doch tief sehende und forschende Redakteur der „Allg. Ztg. d. Judenth." Herr Dr. L. Philippson. Ich muß auch zugleich den Herrn Redakteur bitten, ganz unbeirrt von der Persönlichkeit ein unparteiisches, objektives Urtheil, wie eS gang und gebe ist, aufnehmen zu wollen. Ich weiß mich nicht zu erinnern, daß in Wien, „dem Lande der Phäaken," *) Mein sehr werth geschätzter Korresondent in Wien setzt mir die Pistole auf die Brust, indem er in seinem Begleitschreiben partout den Abdruck dieser Zeilen verlangt. Was soll ich machen? One bonne raine au mauvais jeu? Dr. Philipp so n.