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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-26 · Heft 40 (26.9.1853) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 40 (26.9.1853)
Date
1853-09-26
Page
Seite 503 (sequence 3)
Language
German
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5*3 bringen, und ihnen für daS Brod der Erkenntniß den Stein einer Formel zu geben — müssen wir solche Versuche mit aller Strenge zurückwcisen. Gehet Ihr Eures Weges, wenn Zhr nicht anders könnet, aber lasset uns unser Judenthum, das wahrhaftig nicht die Geschlechter von vier Jahrtausenden an sich gefesselt hat durch — Nichts!... Diese Expektoration ist uns durch eine Broschüre veranlaßt worden, die jüngst uns per Post zugesandt worden, betitelt: „WaS muß der Jude glauben? Erster kritisch-dogmatischer Vortrag von R. L. S. M." Es machte gleich keinen angenehmen Eindruck, von einem Anonymus erfahren zu sollen, ,,was der Jude glauben muß," und wir errierhen ziemlich das Resultat durch die auf die Spitze getriebenen Ausdrücke „wasmuHdcr Jud e glauben?" nämlich: „Nichts" — wir kennen schon diese Art Auslassungen. Das ergab sich denn auch ziemlich bald, und der Herr R. L. S. M. wird cS uns nicht verargen, wenn wir gleich auS der letzten Seite <S. 22) seinen letzten Satz zitiren: „Das Resultat dieser Darstellung ist die von den ältesten Zeiten her wohlgekannte und gegefuhlte, aber noch nicht zur Geltung gekommene (banale Phrase, man wartete nur ein Paar Jahrtausende auf Herrn R. L. S. M.!) Wahrheit (???), daß das Judenthum außer der Lehre von dem Dasein und der Einheit Gottes keine Dogmen festgesetzt hat. Glaubet so viel oder so wenig ihr wollet; Glauben ist kein Verdienst und Zweifeln kein Verbrechen. Und so wie, nach dem Talmud, die skeptische Schrift Kohelet, welche die von der Kirche als Häresie verdammte Frage aufgeworfen hat, ob eS ein spezifischer Unterschied*) zwischen dem Geist im Menschen und in den Thieren gebe, unter den biblischen Schriften**) ausgenommen wurde, weil der Schlußsatz lautet: „Fürchte Gott und halte seine Gebote," so kann auch daS Judenthum jedes philosophische System in sich aufnehmen und hat so lange keinen Auflösungsprozeß zu fürchten, als der Endgedanke unwandelbar feststeht: „Fürchte Gott und hüte seine Gebotei" — So weit der Herr Anonymus; aber jedes Wort in diesem „Resultat dieser Darstellung" ein Widerspruch. Zunächst was den „Auflösungsprozeß" betrifft, so fürchten wir nicht im Geringsten, daß derselbe von irgend einem „philosophischen System" für daS Judenthum ausgehen könne. Denn philosophische Systeme haben bis jetzt, wie eine Mode die *) „Einen spezifischen Unterschied," Herr R. L. S. M.! **) „Unter die biblischen Schriften," Herr R. L. S. M. andere, nur gegenseitig sich stürzen können, nicht aber vermochten sie eine aus der Geschichte der Menschheit herausgewachsene und mit ihr verwachsene positive Religionslchre „aufznlösen." Wenn irgend eine solche Gefahr vorhanden wäre, so könnte diese nur in der gänzlichen „Auflösung" des Geistes in der jüdischen Masse liegen, daß diese alle Fassungsgabe und alles Herz für Selbstiändigkeir der religiösen Ueberzeugung verlöre — und diese Gefahr liegt doch wohl sehr fern... Dann: also jedes philosophische System könne das Judenthum in sich aufnehmen? also den Skeptizismus auch? den AtheismuS auch? den Pantheismus auch? Der Herr R. L. S. M. behauptet doch wohl ein wenig zu viel. Will er vielmehr die Geschichte beftagen — und er giebt sich überall gern den Schein — so wird er sehen, daß wo und wie irgend Etwas dieser „philosophischen Systeme" sich in das Judenthum einschmuggcln wollte, ja schon eingeschmuggelt hatte, dieses Judenthum so gesund war, cs stets wieder auszuscheiden, oder als höre d’oeuvrc draußen zu lassen oder in die Rumpelkammer zu verweisen, mochte selbst ein MaimonideS, mochte die Kabbala, mochte ein Jünger der Synagoge wie Spinoza Führer und Wegbahner gewesen sein. Nun, dahin gehört Herr R. L. S. M. nicht, er will nur den leeren Platz dafür im Judenthume bereit machen... Brauchen wir ferner zu bemerken, daß die Anführung Kohelet'S hier gar nichts erweiset? Eine Frage ist noch keine Antwort, das Aufwerfen einer Frage keine Bejahung derselben, und so lange Ihr mir nicht Stellen wie 2, 24—26. 3, 13. 14. 17. 5, 5. 18. 6, 2. 7. 18. 26. 8, 11. 17. 9, 7. 11, 5. 9. 12, 1. 7. 13. 14. aus Kohelet streichen könnet, könnt Ihr ihn auch nicht als einer antijüdischen Richtung folgend auSgeben. Allerdings ist das vollendet richtige Verständniß Kohelet'S und Jjob's erst angebahnt, und können wir wohl über Idee, Tendenz und Entwickelungsgang im Kohelet auf unsere Einleitung in unserm Bibelwerk Theil Hl. S. 744. verweisen. Vor Allem aber treten wir dem Verfasser in seiner Behauptung entgegen: daß „das Judcnthum außer der Lehre von dem Dasein und der Einheit Gottes keine Dogmen festgesetzt habe," und rufen ihm ein ernstes Nein! zu. Schon äußerlich gefaßt: dann wäre also Judenthum mit allen Religionen und „philosophischen Systemen," welche daS Dasein und die Einheit Gottes „lehren" identisch? Dann wäre Judenthum und Islam ganz einerlei? Und da doch auch die christliche Kirche die Einheit GotteS „lehrt," aber sie nur anders „auslegt,"

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