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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-26 · Heft 40 (26.9.1853) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 40 (26.9.1853)
Date
1853-09-26
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 Zeit, und diese in Bewegung zu setzen, muß der Beruf Jedes sein, der daS Zeug dazu in sich fühlt. Zu Liesen „einigen Mitteln" gehört insonderS die Presse, und daß dies», nochlange nicht genug für die jüdische Masse «,*- gewendet ist, steht man leicht ein. Man wendet ein, die Juden lesen doch nicht. Aber dies beweist weiter nichts, als daß immer noch nicht die rechte Weise zu ihnen zu sprechen gefunden worden. Versuchen wir es daher immer von Neuem. Ein Geschlecht, das Jahrtausende für die Idee gelebt hat, kann doch mit Einem Male ihr nicht abgestorben sein? Wohlan, das „jüdische Volksblatr" soll ein solcher abermaliger Versuch sein. Was wird der Inhalt deS neuen Blattes sein? 1) Anregende und ergreifende Ansprachen; 2) ku^e Betrachtungen religiösen und sittlichen Inhalts in edelster, ansprechendster Form; 3) Darstellungen aus der Geschichte Israels, großer Szenen und Charaktere in anziehender Weise; 4) Belehrende und scharfsinnige Auslegungen von Schrift- und Talmudstellen; 5) Deutungen und Geschichte der Zeremonien; 6) Unterhaltendes in Erzählungen, Sitteuschilderungen, Humoresken, Sittensprüchen u. s. f. Ein bedeutender Inhalt — wohingegen Alles, was die politischen Verhältnisse, die Zustände der Gemeinden und Persönlichkeiten, die Literatur, die Kritik, die Polemik, die Wissenschaft betrifft, ausgeschlossen bleibt. Es muß Alles in schöner Foror und in populärer, edler Sprache gegeben werden. Die Beiträge werden erforderlichen Falls gut honorirt. Die Artikel dürfen aber nicht umfangreich sein, um nicht zu oft abgebrochen zu werden. Wir werden dieser Zeitung Probenummern beilegen. Man sieht, daß auch nicht im entferntesten das „jüdische Volksblatt" mit der „Allgemeinen Zeitung des Judcnthums" konkurirt, sondern daß sich vielmehr beide einander ergänzen und das Interesse beleben sollen. Das „jüdische Volksblatt" ist in der That auf Tausende berechnet. Würde es diese im Laufe eines Jahres nicht gewinnen, so würden wir es nach Jahresfrist verschwinden lassen. Einige hundert Abonnenten, obschon sie vielleicht die materielle Eristenz des Blattes sichern würden, würden uns zur Fortsetzung nicht genügen. Wir fordern daher hiermit alle Rabbinen, Prediger, Lehrer, Gemeindevorsteher, Privaten, 2Ule, die daS Leben im Judenthume fördern wollen, auf, die Theilnahme an dem „jüdischen Volksblatte" in ihren Kreisen möglichst anzuregen, ja gerade in den Kreisen, die, bis jetzt her jüdische« Presse fern standen. DaL „jüdische VolkMatt" wird Alles von> sich fern halten, waS irgend Streitigkeiten, Parteiungen unter den Juden betrifft, eS soll' vielmehr in ihm nur Das gepflegt werden, was die Bekenner der Religion Moscheh's Alle vereinet. ES will in die Hände Aller kommen, es will den Herzen Aller sich nahe legen. Es verlangt von ihnen nur ein Kleines an Zeit und, Geld. Würde es den gewünschten Anklang finden, so geben wir später ohne Preiserhöhung wöchentlich 3/* Bogen. Den Segen Dessen werdet Ihr Alle früher oder später erfahren. Sammelt Abonnenten und' gebet diese der nächsten soliden Buchhandlung oder dem nächsten Postamte auf. Verbreitet die Probenummern, von denen auf Euren Wunsch eine Anzahl einem Jeden zu Gebote stehen wird. Endlich unterstütze uns Jeder, der es vermag, mit anpassenden Arbeiten. Durch die vereinigten Bemühungen Vieler können wir hier ein schönes Institut auf lange Zeit gründen, durch das zahllose Stärkung in der Religion Jfrael's und. Aufrichtung in den Kämpfen des Lebens gewährt werden kann. Auch dies zum Segen! Magdeburg, im September 1353. vr. Ludwig Philippson, Rabbiner. Magdeburg, 20. September. Dogmen oder nicht. I. Von Zeit zu Zeit tauchen in neueren Zeiten im Judenthume Versuche auf, um dem Judenthume sein Judenthum abzuschwindeln. Um dem Juden, der ein Stück Religion nach dem andern über Bord wirst, zu schmeicheln, behauptet man, das Judenthum habe gar keinen bcsondcrn und bestimmten Inhalt, so daß cs Jedermann stei stehe, hineinzuschachteln was ihm beliebt; um dem Judenthume noch Anhänger zu reserviren in Regionen, die ihm so fern liegen wie die Eisgegenden dem Aequator, sagt man, auch Du gehörst hinein; eS ist so viel leerer Platz in der kernlosen Schale des Judenthums,, daß auch nur vomica und andere derartigen Ingredienzen darin verwahrt werden können. Geschähe dies in der Absicht, um wirklich jene zwischen die Eisblöcke der Sophismen eingestornen Geister oder unter dem Frosthauch des materiellen Lebens erstarrten Herzen an der Aequatorgluth der Ueberzeugung zu schmelzen, ließe man eS sich allenfalls gefallen. So aber, da eS gilt, die im Judenthume noch lebenden Menschen um ihr Vatergut zu-

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