Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 39 (19.9.1853)
- Date
- 1853-09-19
- Page
- Seite 494 (sequence 8)
- Language
- German
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494 laut, daß sie alle Ungläubigen niedermetzeln wollen, auch üben sie jetzt sehr oft aus den Straßen gegen Nichtmahomedaner viele Feindseligkeiten auS. Die Lokalbehörde giebt ihnen auch kein besseres Beispiel von Gerechtigkeitsliebe und Achtung vor den Gesetzen. Ein unlängst vorgekommcner Fall mag als Beispiel dienen. Eine israelitische Wittwe au- Jassy in der Moldau ist unlängst hier gestorben, nachdem sie zuvor ein legales Testament gemacht, und ihr kleines Vermögen unter dem Schutze des hiesigen fürstl. moldauischen Konsulats und der übrigen Testamen tserekutoren gestellt hatte. In Folge dessen wurden sicherheitshalber die Koffer mit den Esseklen in die moldauische KonsulatSkanzlei gebracht. Indessen verbreilere sich unter den Türken das Gerücht von bedeutenden Summen, die im Nachlasse der Wittwe sich befinden sollen. Woraus der Gouverneur der Stadt, Hafir Pascha, einen Beamten in das moldauische Konsulat entsendete, um den Nachlaß abzuholen, der nach seinen Begriffen den Moscheen und anderen türkischen öffentlichen Anstalten anheimfallt. Der Konsul (Robi NisfimBock, ein Jsraelite) erklärte, er müsse den ganzen Vorfall dem fürstl. moldauischen Geschäftsträger in Konstantinopel berichten, seine Entscheidung abwarten, die Sachen aber als moldauisches Eigenthum nicht herausgeben zu können. Der Pascha ließ darauf die gesperrte Thür der KonsulatSkanzlei sprengen, die Koffer mit Gewalt zu sich nehmen, die Schlösser auft brechen und den Inhalt herausnehmen. Der Konsul protestirte energisch gegen dieses dem Völkerrecht zuwiderlaufendes Verfahren des Gouverneurs, und hat seine Beziehungen zu den türkischen Behörden bis auf Weiteres aufgehohen. Eine Erscheinung anderer Art verdient ihrer Seltenheit wegen Erwähnung. Im Jahre 1842 kam hierher auS Philadelphia in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Mr. Warend Cresson, geborner Iankee und Christ, derselbe weilte hier bis zum Jahre 1848, in welchem Jahre er sich beschneiden ließ und nun den Namen DoaS Israel die mosaische Religion angenommen hat, ging darauf nach Philadelphia, ließ sich da von seiner Frau, die dem Beispiele ihres Mannes nicht folgen wollte, separiren, veräußerte sein ziemlich bedeutendes Vermögen, und kehrte im Monat Juni d. I. hierher zurück. Mr. DoaS Israel Cresson lebt jetzt hier ganz dem RituS der mosaischen eligion ergeben. Asien. Damaskus, 2. August, (^ew. chronic.) Jüngst sahen wir einen jungen jüdischen Wundarzt, der in der türkischen Armee angestellr ist, der erste Zögling auS dem Galata-Serail-Kollege in Konstantinopel, in welches auf speziellen Befehl deS Sultans Abdel-Medjid auch Juden ausgenommen werden. Der junge Wundarzt, Behor Samuel mit Namen, 22 Jahre alt, zu Konstanrinopel gebürtig, wurde nach der Garnison von Ho ms gesandt, 3 Tagereisen von hier. Afrika. Algerien. DaS so eben veröffentlichte offizielle „Bild von der Lage der französischen Besitzungen in Algerien während der Jahre 1850 und 1851" gjebt auch Details über die Israeliten dieser Provinz, aus denen wir Folgendes entnehmen. Am 31. Dez. 1851 lebten in Algerien 21,048 Israeliten, nämlich in der Provinz Algier 7289, Ocan 8891, Konstantine 4868. Während die maurische Bevölkerung in den Städten sich vermindert, vermehrt sich die israelitische. DaS Verhältniß der Geburten zu den Sterbefällen war bei den Israeliten Algeriens 1850 wie 1,14 zu 1, aber unter dem Einflüße der Cholera 1851 wie l zu 1, 46. In der Provinz Algier eristiren 33 Synagogen, nämlich 25 in Algier (7000 Israeliten) selbst, 3 in Blidah, 2 Medeah, 2Milianah, l Orleansville. In der Provinz Konstantine sind in dieser Stadt selbst 9 Synagogen, in Lona, Philippeville, Serif, Guelma, Balhna, Bougia je eine. In der Provinz Oran sind 32 Synagogen vorhanden, wovon 17 in Oran, die anderen in Tlemcen, Mostaganem, Mascara. ES wohnen in Oran 5—6000, in Tlemcen 2000, in Mostaganem 845, in Mascara 272, die übrigen in den Umgebungen. In Algier wird jetzt auf Staatskosten eine Synagoge gebaut, die 119,000 Frcs. kosten wird (fast 32,000 Thlr.). Im Jahre 1851 gab es 4 französische Knaben- und 1 franz. Mädchenschule für den israelitischen Kultus. Seitdem ist eine Mädchenschule in Oran eröffnet worden. Die Kriminal statt stik zeigt 1850 unter 415 Angeklagten: 249 Christen, 150 Muselmänner, 26 Israeliten; 1851: unter 271 Angeklagten: 143 Christen, 100 Muselmänner, 28 Israeliten. Ueber die Wohlthätigkeitsanstalten der Israeliten schweigt der ministerielle Bericht ganz.