Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 38 (12.9.1853)
- Date
- 1853-09-12
- Page
- Seite 483 (sequence 11)
- Language
- German
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483 SabbatSgotteSdiensteS hat, kann durch seine sonstige Würdigkeit doch nicht vergeffen machen, waS ihm an Stimme, Geschmack und Schule fehlt. WaS aber den anfänglichen freundlichen Eindruck beinahe ganz verwischt, was unS vielmehr aufs Echmeitzlichste berührt, das ist erstens der dürftige Besuch dieseschönen Gottesdienstes. Wenn man die Fremden, namentlich die österreichischen, baierischen und preußischen israelitischen Soldaten — abrechnet, mochten sich kaum zwei Minjonim Erwachsener eingeftrnden haben. Ferner die Passivität der Gemeinde bei den Stellen, die ihr zum lauten Vortrag zufallen. Die wenigen mit einiger Lebhaftigkeit Theilnehmenden gehörten zudem nur Männern reifer» Alters an. Die jungen Leute hingegen, nicht allein, daß fie sich bei Gesang und Gebet nicht im mindesten betheiligten, konversirten auch noch ganz laut und ungenirt mit einander. Von draußen aber schürzen die Wellen des weltlichen Lebens und Treibens, die innen, mitten im Hafen der Sabbatruhe, murmelten, mit betäubendem Getöse an die Wände des Tempels. Das Geraffel der vorbeirollenden Wagen aller Art, das Rufen und Schreien der Viktualienhändler, der Widerhall des ununterbrochenen Zugs Fußgänger, die in handelsstädtischer Hast daS Pflaster treten, schlugen, wenn die Synagogethüre sich öffnete, wie die wilden Wogen in daS berstende Schiff. Mit diesem konrrastiren die angenehmen, gemessenen Töne eines orgelartigen Instruments, eine- Melodikon, und der Gesang eines wohlgeschulten ChorS. — Nachdem hiermit ein Bild des äußern Zustandes des ftaglichen Gottesdienstes gegeben ist; gehen wir nun auf sein Wesen und dessen Einkleidung über. (Fortsetzung folgt.) Geschichtliches. Die Theilung des jüdische» Reiches nach ihren politische» und religiöse» Folgen? Um diese Frage recht würdigen zu können, muß man zuvor alle Momente auffuchen, welche die Theilung hervorriefen. Diese liegen zum Theil in Salomo'S Regierung. Durch seinen Handel, den er nach Europa und Indien trieb, überfüllte er das Land mit edlen Metallen und LuruSartikeln; dadurch aber bewirkte er nicht den Wohlstand deS Volkes — denn der ungeheure Aufwand an seinem Hofe, die prachtvollen Bauten, die er in allen Theilen seines Landes aufführte, erfforderten ungeheure, daS Land hartdrückende Ausgaben, — sondern die Entsittlichung desselben durch Ueppigkeit und Lurus, die durch den Götzendienst, den er in seinem Alter gestattete und selber ein führte, noch mehr Nahrung fand. Rechnet man hierzu noch die Stammeseifersuchr zwischen Juda und Ephrajim, die durch daS eingeführte, dem Orientalen unerträgliche Abgabensystem noch mehr geschürt wurde, so ist es nicht zu verwundern, wenn unter seines Sohnes Regierung, als dieser den Bitten der Volksvertreter, die Lasten des Volkes zu erleichtern, nicht nachgab, eine Revolution entstand, in deren Folge die Nation politisch getrennt wurde. Von diesem Augenblicke an, war auch die Macht des Volkes gebrochen, der Grund zu seinem Untergange gelegt. Es geht aus der ganzen Geschichte Israels hervor, daß es, so oft es v er e i n t dem Feinde entgegentrat seine Unabhängigkeit behauptete, ja sogar, wie unter David, eine den Völkern Achtung gebietende Stellung einnahm; dagegen ohnmächttg, gedrückt und geknechtet wurde, so oft es in sich zerfallen und durch Parteiungen sich aufrieb. Beides war nun seit dieser unheilvollen Trennung der Fall; denn obgleich fich die Könige beider Reiche einige Male zur Bekämpfung der Feinde verbanden, wie zu lesen I.K. 22, 2; 2. K. 3, 7; 8, 18; so herrschte doch von Anfang der Trennung eine gegenseitige Feindseligkeit, die nicht selten in offenen Krieg ausbrach, in welchem man sogar ftemde Mächte, wie Menachem (2. K. 16, 7) den assyrischen König, zur Hilfe rief. Dadurch wurde in den eroberungssüchtigen Großmächten AfienS der Wunsch, dieses so vortheilhaft gelegene Land zu erobern, zuerst angeregt und später — auch auSgeführt. Nicht minder unheilvoll waren die Folgen dieser Trennung auch in religiöser Beziehung. Der größte Theil deS Volkes, das Reich-Israel, wurde von vorn herein der geoffenbarten Lehre entftemdet und dem gröbsten Götzendienst, der abscheulichsten Sittenlostgkeit überliefert. Um das Volk von Jerusalem abzuhalten, führte Jerobeam, indem er zu Dan und Bet El zwei goldene Kälber aufstellen und denselben Tempel errichten ließ, den egyptischen Götzendienst ein, zu welchem fich noch später die Verehrung phönizischer, philistischer, syrischer Gottheiten gesellte. Die Feste wurden auf andere Monate und Tage verlegt und ihnen ganz andere Bedeutungen gegeben, überhaupt alles Israelitische aus dem öffentlichen Leben entfernt. Wenn zwar auch Einzelne dem Götzendienste fich ferne hielten und an den von den Vätern überlieferten Lehren und Sitten festhielten, so wurde doch die Masse des Volkes von heidnischen Ideen erfüllt und blieb ein Spielball