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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-12 · Heft 38 (12.9.1853) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 38 (12.9.1853)
Date
1853-09-12
Page
Seite 480 (sequence 8)
Language
German
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480 Literarische Nachrichten. Biblisch-talnrudische Medizin. Wir gehen zur Besprechung des Wunderbar'schen Werkes über, dessen zweites Heft die Makrobiotik und Diätetik der alten Israeliten enthält. „Es ist nicht zu leugnen, daß nicht bloS die durch Mose dem israelitischen Volke vorgezeichneten Keuschheits -, Reinigungs- und Speisegesetze u. s. w. neben ihrer litugischen Bedeutung vorzüglich auch einen diätetisch-makrobiotischen Zweck gehabt haben, sondern auch diejenigen mosaischen Religions- Vorschriften, welche sich lediglich auf die Gottesverehrung beziehen, und demnach mir den Sanitätsgesetzen nicht im Mindesten in Berührung zu kommen schienen, dürften nichts destoweniger geeignet sein, mittelbarbar zur Gesundheit und Lebensvcrlängerung beizutragen, wenn man erwägt, daß die physische Gesundheit durch die moralische bedingt ist, die Religion aber schon an und für sich ein Mittel ist, durch welches die Lebensverlängerung bezweckt wird, insofern sie Bekämpfung verderblicher Leidenschaften und edle Selbstverleugnung, so wie innere Seelenruhe bewirkt." Diesen richtigen Grundsatz bestätigt die Erfahrung. Eine Menge körperlicher und psychischer Leiden werden durch die aeguadilitas animi verhütet und diese läßt sich viel weniger durch die Philosophie irgend einer Schule, als durch Religiosität, durch den beständigen Hinblick auf Gott und durch das Streben nach Vereinigung mit ihm erlangen, wenn auch die richtige Erkennrniß der Naturgesetze, wie sie im Körper und Geist walten, die Fähigkeit für religiöse Eindrücke und moralische Vervoll kommnung ausbildet und fördert. Es wird daher die durch Mose verkündete Lehre „die Weisheit und Vernunft Israels" (5. B. M. 4, 6.) genannt und an vielen Stellen „daS lange Leben" als Zweck und Lohn der Befolgung angepriesen. Diese höhere Auffassung vermissen wir bei Trusen. — Der Vers, bespricht darauf ebenfalls Salomon'S Schilderung der Altersgebrcchen (Pred. 12, 1—7.) und benutzt dabei, wie Trusen, die Friedreich'sche Charakterifirung der Lebensentwickelung und Rückbildung. Richtig bezieht er das Bild der Verfinsterung der Sonne, des Lichtes u. s. f. auf die Gebrechen des Greisenalters überhaupt. Trusen deutet es auf die Schwäche des Vorstellungsvermögens und der psychischen Kräfte. Wenn aber auch die niederen Kräfte der Seele, Gedächtniß, Einbildungskraft oft im Alter geschwächt werden, so leidet doch nicht das höhere Leben der Psyche. Von den Leidenschaften Befreit, ist das Alter gerade, wie sich ein ausgezeichneter Ai^t ausdrückt, „die Zeit der Liebe", in welchen die ungetrübten Vorstellungen an Klarheit gewinnen, durch die Erfahrung geläutert sind und die Venunst ungeschwächter wirkt, daher LebenSverhältniffe mit Weisheit beurtheilt und Nachsicht und Liebe ihre Rechte eingcräumt werden. — Salomon nennt daS Greisenalter eine prächtige Krone", deS menschlichen Lebens Krone ist aber die Vernunft. Mit Recht behauptet aber Trusen, daß dies Bild nicht etwa auf die Augen, auf das Gesicht, zu deuten sei und sehr verfehlt ist daher die von Wunderbar angeführte talmudische Eregese, die gar von Verunstaltung der Stirn und der Nase spricht. Der Schluß der Dibelstelle wird von Wunderbar auf daS nach und nach erfolgende Absterben der somatischen Funktionen, namentlich auf die Lähmung des Nervensystems und der Blutzirkulation, also auf den GesammtorganismuS, bezogen. Die einzelnen makrobiotischen Mittel find unter einzelnen Rubriken trefflich aufgeführt und auseinandergcfetzt: die Gcrokomie (Ausströmen der thierischen Wärme in Bezug auf 1. Kön. 1, 2.); talmudische Regeln: langsames Essen, gehörige Ausleerung, diverse Präservativmirtel. Hier finden wir den alten Talmud weit vernünftiger, wenn er Greisen Oel und Wein alS lebensverlängernde Mittel empfiehlt, als die Aerzte des Mittelalters, die zu den sonderbarsten Dingen ihre Zuflucht nahmen, um das Leben zu verlängern, z. B. täglich vierzig Mal mit einem elfenbeinernen Kamme über den Kopf streichen, wie ein Säugling an der Brust einer jungen Frau nutschen, gezuckerten Fenchel essen, Knabenblut trinken u. dgl. Unsinn mehr. (Alarsilius Ficinus, de triplice vita Lib. II. Cap. 11.). — Was die lange Lebensdauer der Patriarchen betrifft, so verwirft Herr W. die gewöhnlichen Hypothesen und glaubt, daß im menschlichen Leben keine absolute Unmöglichkeit liege, über das in gegenwärtiger Zeit übliche Ziel hinausgerückt werden zu können, und daß vielmehr jene Lebensdauer der antidiluvianischen Thiere und Menschen, so wie die mit dieser Lebensdauer verbundene größere und kräftigere Lebenskonstitution ursprünglich im Kosmos begründet gewesen wäre und nur durch äußere Umstände auf gegenwärtiges Ziel und gegenwärtige Beschaffenheit modifizirt worden sei. Nun, wir glauben nicht, daß der menschliche Körper je auf eine Dauer von beinahe 1000 Jahre konstituirl war und weisen auf die Erposition in Trusens Werk hin. In der Diätetik bringt W. ein sehr reiches Material aus dem Talmud. Wenn auch einige Vorschriften hier, natürlich aus einer beschränkten Theorie der Zeit

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