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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-12 · Heft 38 (12.9.1853) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 38 (12.9.1853)
Date
1853-09-12
Page
Seite 478 (sequence 6)
Language
German
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478 rend der Friedenszeit derselben seine Dienste hauptsächlich als Lehrer der Mathematik an militärischen Unterrichtsanstalten und wurde von dem verewigten Könige zum Major befördert. Besonders fühlbar wird sein Verlust der hiesigen jüdischen Gemeinde werden, welcher er viele Jahre als Vorstand angehörte. — Die „Zeit" hat indeß noch einen Offizier mosaischen Glaubens entdeckt, den Artillerielieutenant Hirsch in Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Mähren. Pirnitz, im Aug. (Privatmitlh.) Zu der erfreulichen Erscheinung, wie sehr seit der Beffergeftaltung unserer staatlichen Verhältnisse mit der Morgenrölhe der bürgerlichen Freiheit auch das Licht religiöser Aufklärung und vorurtheilSfteier Ansichten immer mehr zum Durchbruche kommt, liefert auch unsre Gemeinde zu Pirnitz, daS sich, so viel mir bekannt, auS seiner bescheidenen Sphäre noch nie in die Spalten Ihres geschätzten Blattes verirrt haben, und deßhalb für die Meisten Ihrer Leser eine Terra inkognita sein mag, einen neuen Beweis. Der mächtige Flügelschlag der Zeit mußte auch endlich uns aus der lethargischen Gleichgiltigkeit gegen unsere Kultusangelegenheiten aufrütreln; auch uns konnten endlich die Anforderungen der Zeit nicht fremd, die arge Darniederliegung unsrer Gemeindezustände nicht indifferent bleiben; und jemehr wir anderswo zeitgeistische Neuerungen und Verbesserungen in jeder Hinsicht ins Leben treten sahen, desto mehr mußte auch in uns ein besseres Bewußtsein erwachen, ein besserer moralischer Sinn sich geltend machen. Daher war es schon vor Jahren ein tiefgefühltes Bedürfniß Einzelner, unsre Synagoge, die in keiner Beziehung mehr der Würde eines Gotteshauses entsprach, mit den Anforderungen der Neuzeit in einigen Einklang zu bringen; aber wie dies in unseren Gemeinden leider eine nur zu oft sich wiederholende Erscheinung ist, scheiterte auch dieses löbliche Bestreben an dem, aus religiösem JndifferentiSmus oder niedrigem Egoismus entspringenden Parteigeiste eines TheilS unsrer Gemeind ezustände, und konnte vor der Hand nur ein pium äesiät-rium bleiben. Erst nachdem unsere Gemeindezustände mit den besseren Bestrebungen anderer, namentlich unsrer Nachbargemeinden in zu schneidenden Kontrast geriethen, mußten auch wir endlich dem Zeitgeiste die längst geschuldete Rechnung tragen, und daS bekannte „Lxempls trslmnt." auch da seine Anwendung finden. Im vorigen Jahre gelang eS dem löblichen KultuSvorstande, die Sympathie der Mehrzahl für den Beschluß einer Umbauung des alten Bethauses in einen zeitgemäßen Choraltempel zu gewinnen. Trotz der mehrfachen Hindernisse, die der Ausführung, einerseits durch die Beschränktheit materieller Mittel, andrerseits auch durch das oppositionelle Entgegenwirken so mancher Gemeindeangehörigen, in den Weg gelegt wurden, wurde der einmal gefaßte Beschluß doch realisirt, und die solenne Einweihung unsers Gotteshauses, das, wenn auch nur eine Metamorphose des alten, doch als letzteres gar nicht zu erkennen ist und nunmehr seiner Würde und Bestimmung vollkommen entspricht, am 19. d. M. feierlich begangen. Wie immer, so bewährte sich bei dieser Gelegenheit der zarte, wohlthätige Sinn der Frauen, und mit wahrer Anerkennung müssen wir den edeln Wetteifer erwähnen, mit dem fich Jede, bemüht zu heiligen Sache auch ihr Scherflein beizutragen, an der unter sich veranstalteten Kollekte betheiligte, mittelst welcher sie ein neues ro^s anfertigen ließen, daS nicht nur an Schönheit und kostbarer Ausstattung feines Gleichen zu suchen hat und nicht wenig zur Zierde deS heiligen OrteS beiträgt, sondern dadurch noch einen höhern Werth erhält, daß solches dem Andenken an die Rettung Sr. Majestät unsers allgeliebten Monarchen, am 18. Feber d. I., gewidmet, und auch mit Allerhöchstdessen theurem Namen geschmückt ist. — Wir übergehen die Details der Einweihungsfeierlichkeit, da sich solche überall so ziemlich gleich bleiben, und erwähnen bloS, daß die dem Gegenstände angemessene Rede unsers geehrten Herrn Rabbiners auf die zahlreichen Zuhörer verschiedener Konfession, die fich auch aus benachbarter Gegend eingefunden hatten, einen günstigen und erbauenden Eindruck zu machen nicht verfehlte, so wie auch der auS Trebitsch herbeigeholte Kantor, Herr Beer, durch seinen würdigen Vortrag der Gebetstücke und seine vortreffliche Leitung deS Chorpersonals zur Feier des TageS, dessen Andenken lange nicht aus unserm Gedächtnisse kommen wird, daS Seinige beitrug. — So wenig im Grunde hiermit noch geschehen ist, so ist daS bereits Geschehene doch schon mehr als genug, um von dem erwachten bessern Sinne unsrer Gemeinde zu erwarten, daß fie auch auf an-

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